Menschen

Senkrechtstarter


„Er ist immer hochmotiviert“: Christoph Räth ist Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuk­­Technik der Fränkischen Rohrwerke. Foto: Merkl

Ein Jahr nach der Ausbildung leitet Christoph Räth bereits Schichten

Königsberg. Es ist mitten in der Nacht. Die Fertigung läuft auf Hochtouren. Und der 21-jährige Christoph Räth trägt die Verantwortung. Allein.

Meter um Meter spucken die Anlagen in der Produktionshalle der Fränkischen Rohrwerke Kunststoffrohre aus. Nichts klemmt. Wäre es aber anders, müsste der junge Mann, daheim noch nicht ausgezogen, schnell das Kommando übernehmen.

Viertbester Abschluss in Deutschland

Räth ist ein stellvertretender Schichtverantwortlicher. Fallen Kollegen aus, etwa wegen Urlaub oder Krankheit, übernimmt er in seiner Abteilung als „Springer“ die Führung von Mensch und Maschine.

Der gebürtige Unterfranke ist im Job durchgestartet. Gerade mal ein Jahr ist es her, da beendete er erst seine Ausbildung. Der Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik erreichte für seinen Abschluss 97 von 100 möglichen Punkten: Bestnote. In ganz Deutschland waren nur drei Azubis seines Jahrgangs erfolgreicher. Kein Lehrling der Fränkischen Rohrwerke hat das bislang geschafft.

Trotzdem war es für Räth zunächst nicht einfach, gleich nach der Lehre im Beruf Fuß zu fassen. Sommer 2009, mitten in der Krise: Es gab schon bessere Zeiten, seine Ausbildung zu beenden. „Wir hatten damals Kurzarbeit, aber wussten, dass wir ihn irgendwann brauchen werden“, erzählt Personalleiter Günther Korn. Produktionslehrling Räth war sofort bereit, eine viermonatige Warteschleife in der Logistik-Abteilung zu drehen und Lkws zu beladen.

Es hat sich gelohnt. Denn heute arbeitet die Nachwuchskraft wieder mit der alten Truppe – und freut sich sehr darüber. „In der Produktion kann es immer zu Problemen kommen“, sagt Räth. „Da wird es nie langweilig.“ Und auch sein alter und neuer Chef ist froh, den ehemaligen Schützling wieder im Team zu haben. „Ich kann mich voll auf ihn verlassen“, lobt Fertigungsleiter Herbert Kehrlein.

Neben dem Fachwissen schätzt der Vorgesetzte vor allem den Charakter seines jungen Mitarbeiters: „Er ist ein grundehrlicher Mensch, immer hochmotiviert und ist sich auch nicht zu schade, überall mit anzupacken. Das verschafft ihm bei jedem Respekt.“ Selbst ältere Kollegen hätten deshalb längst akzeptiert, dass manchmal jemand die Schicht leitet, der auch ihr Sohn sein könnte.

„Mein Ziel ist der Meister“

Der junge Aufsteiger wird in diesen Monaten vom Arbeitgeber kontinuierlich und schnell zur Führungskraft weitergebildet – schließlich hat er nun Personalverantwortung. So ein Prozess dauert sonst gewöhnlich Jahre.

Und danach? Vieles ist möglich. „Mein Ziel ist der Meister“, sagt Räth. Und Personalchef Korn ergänzt: „Später könnte auch noch der Technische Betriebswirt folgen.“ Jedenfalls traut er das seinem ehemaligen Auszubildenden zu.

Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich war begeistert von der Vielseitigkeit von Kunststoffen, die heute in fast allen Bereichen eingesetzt werden – egal ob zur Straßenentwässerung, für den Kabelschutz oder im Auto.

Was gefällt Ihnen besonders?

Mit Kunststoff wird es nie langweilig, es gibt immer wieder neue Herausforderungen und Möglichkeiten, die in der Verarbeitung auftauchen.

Worauf kommt es an?

Darauf, ein Produkt zu fertigen, das den exakten Vorstellungen und Anforderungen des Kunden entspricht – und das für alle möglichen Anwendungsbereiche.

Artikelfunktionen


Schlagwörter: Ausbildung

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang