Erfolgreich in der Nische

Sedo Chemicals setzt beim Weich-Neopren-Kautschuk auf Klasse statt Masse

Fürstenwalde. Es sind keine fliegenden Teppiche, die hier so sorgsam gestapelt werden – aber das Material hat es in sich. Uwe Reichelt, einer von 30 Mitarbeitern der Sedo Chemicals Neoprene GmbH in Fürstenwalde (Brandenburg), hat gerade Neopren-Platten („Sheets“) aus der dampfbeheizten Kaschieranlage entnommen.

Auf ein oder zwei Seiten sind sie mit vom Kunden beauftragten bunten Gewirken beschichtet. So vielfältig wie die Farben ist auch das Material: Chloropren-Kautschuk (Weich-Neopren). „Es isoliert exzellent“, sagt Geschäftsführer Roland Loch. „Es ist wasserundurchlässig und beständig gegen Chemikalien, Wetter und Seewasser. Es altert nur langsam und ist sehr druck- und stoßelastisch.“

Gebraucht werde es für viele Anwendungen: „Tauch- und Surfanzüge, Sport-, Medizin- und Pferdebandagen, Stütz- und Polsterelemente für den Orthopädiebedarf, Jagdsport- und Hundeartikel, technische Verwendungen, Schutzhüllen für empfindliche Geräte, Bekleidung und Handschuhe für spezielle Einsatzzwecke, Boots- und Anglerzubehör …“

Das Geheimnis des Materials liegt in seiner Struktur – das wird deutlich, wenn man es aufgeschnitten unterm Mikroskop betrachtet: Es besteht aus geschlossenen Gasbläschen. „Die entstehen im Ergebnis eines chemischen Prozesses und durch Wärme und Druck bei der Vulkanisation.“

Wie beim Kuchenbacken werden synthetischer Rohkautschuk, Ruß und diverse Chemikalien wie Treibmittel oder Ozonstabilisatoren in einer bestimmten Reihenfolge gemischt, durch abwechselndes Kneten und Walzen – bis sich eine homogene Masse ergibt. Die wird durch einen Extrusionskanal mit feinen Filtern gepresst, damit unerwünschte Partikel und Luftbläschen verhindert werden. Ein endloser Strang von einem Zentimeter Dicke wird abgelängt und zu plattenartigen Teiglingen geformt, die dann bei 160 Grad in einem mehrstufigen Vulkanisationsprozess expandieren wie ein Hefeteig und zu drei Zentimeter starken Blöcken „heranwachsen“. Diese können nun exakt auf die gewünschten Stärken geschnitten, wahlweise mit textilen Gewirken kaschiert werden.

Ob kleine oder große Mengen, ob kaschiert oder unkaschiert, ob Standard-Neopren oder solches mit speziellen Eigenschaften, die in der hauseigenen Entwicklungsabteilung hervorgebracht werden: Sedo Chemicals produziert nach eigenem Know-how am Standort Fürstenwalde, wohin das ursprünglich 1984 in Berlin gegründete Unternehmen 1993 zur Produktionsausweitung gezogen war.

Nach Auskunft von Loch ist Sedo Chemicals inzwischen der einzige Hersteller von Weich-Neopren-Kautschuk in Europa. „Mit den Massenherstellern aus China und Taiwan können wir preislich nicht mithalten“, stellt er klar. „Deshalb setzen wir auf Qualität, Flexibilität, Schnelligkeit und Innovation, kurz: Klasse statt Masse.“

So haben etwa Neopren-Tauchanzüge „von der Stange“ ihren Ursprung ausschließlich in Asien. Aber Firmen, die Tauchanzüge und andere Spezialbekleidung etwa für europäische Polizei- und Armeeeinheiten herstellen, setzen gern auf die Qualität aus Fürstenwalde. „Im Lauf der Jahre ist es uns gelungen, einen interessanten und vielfältigen Nischenmarkt zu besetzen“, erklärt Loch. „Doch auch den gilt es, will man schwarze Zahlen erwirtschaften, täglich aufs Neue zu erobern.“


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