Familienunternehmen

Sechs Zylinder aus einem Guss


3.400 Mitarbeiter: Bei Fritz Winter brummt es wieder

Stadtallendorf. Sorgfältig kontrolliert Johannes Euler (20) noch mal das große Kernpaket aus Sand. Schon jetzt ist zu erahnen, was daraus entstehen soll: ein SechsZylinder-Motorblock. In diesem Fall für einen Lastwagen von MAN.

Seit einem halben Jahr arbeitet der gelernte Kraftfahrzeugmechatroniker in einer „Kernmacherei“ der Eisengießerei Fritz Winter in Stadtallendorf. Hier entsteht das Innenleben der meist hochkomplizierten Gussteile für die Fahrzeug-Industrie.

„An den Schichtbetrieb musste ich mich erst gewöhnen“, sagt Euler. „Aber die Arbeit macht Spaß. Und ich habe mit den entsprechenden Weiterbildungsangeboten gute Chancen, weiterzukommen.“

2.000 Tonnen Gussteile pro Tag

Euler verdankt seinen Job dem Auftragsboom aus der Auto-Industrie, der seit Frühjahr 2010 die Gießerei auf Touren bringt. Nicht weniger als 450 Mitarbeiter wurden seitdem hier zusätzlich eingestellt. Mit aktuell 3.400 Mitarbeitern in Stadtallendorf und rund 500 Millionen Euro Jahresumsatz ist das Familienunternehmen die größte konzernunabhängige Gießerei Europas.

Geschäftsführer Martin Krebs ist erleichtert: „Das schwierige Krisenjahr 2009, in dem wir einen dramatischen Umsatzeinbruch verkraften und sogar Mitarbeiter entlassen mussten, liegt damit endgültig hinter uns.“

Das 1951 gegründete Unternehmen Fritz Winter zählt zu den führenden Herstellern von Eisengussteilen für die Automobil-Industrie. Rund 120 Millionen Euro hat es in den letzten Jahren in seinen Maschinenpark investiert. Gearbeitet wird weitgehend an roboterunterstützten Produktionsstraßen.

Rund 2.000 Tonnen Teile werden Tag für Tag ausgeliefert, für Bremsen, Fahrwerke, Motoren und die Hydraulik. Mehr als die Hälfte des Umsatzes wird über den Export erzielt. „Mit unseren Innovationen gehören wir zur Weltspitze, gelten als Technologieführer“, erklärt Krebs. Und betont: „Unser Erfolg beruht auf der Kompetenz unserer Mitarbeiter in Entwicklung und Produktion.“

Raffinierte Materialien

Die Königsdisziplin, so erläutert der Geschäftsführer, ist der Guss von Motorblöcken mit nur drei Milli-metern Wandstärke. „So machen wir Fahrzeuge leichter. Das spart Sprit und schont die Umwelt.“

Die Entwicklungsabteilung arbeitet ständig an neuen Guss-Materialien. Zum Beispiel an gekonnten Aluminium-Eisen-Verbindungen für die Leichtbauteile. Aber auch an speziellen Legierungen, die den Verschleiß bei Bremsscheiben und Bremstrommeln verringern oder die etwa den Zylinderköpfen eine besonders hohe Wärmeleitfähigkeit verschaffen.

 

Ein Betrieb mit Herz für Tiere

Minka? Mikesch? Nein – auf einen speziellen Namen hört diese rotgetigerte Katze nicht. Sie ist eine von vielen, die auf dem Areal der Eisengießerei Fritz Winter ein Zuhause gefunden haben. Am Rande des Werkgeländes stehen für die Samtpfoten kleine Hütten, und es gibt Futter. Einmal im Jahr werden sie beim Tierarzt untersucht und geimpft.

Geschäftsführer Martin Krebs: „Für uns gehören sie hier einfach dazu.“

 

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