Integration

Sebastian will’s wissen


Betriebe geben benachteiligten Jugendlichen bessere Chancen

Baunatal. Start in den Beruf oder lieber weiter zur Schule? Sebastian Siodla hat diese Entscheidung bereits getroffen. Nach seinem Realschulabschluss im Sommer wird er am 1. September bei Koch Maschinen- und Vorrichtungsbau eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker beginnen.

„Handwerkliches Arbeiten liegt mir. Bei einem Praktikum habe ich gemerkt, dass mir der Beruf Spaß machen könnte“, erzählt der 15-Jährige. Ausbildungsleiter Eberhard Langheinrich freut sich bereits auf den neuen Azubi: „Ohne qualifizierten Nachwuchs haben wir keine Chance am Markt, und bei Sebastian habe ich ein gutes Gefühl. Das passt.“

Alternative zur Regelschule

Noch vor wenigen Monaten hätte der junge Mann mit seiner Bewerbung vermutlich nur geringe Chancen gehabt. Denn er besucht die Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Immenhausen, eine Einrichtung des Hessischen Diakoniezentrums Hephata. Hier finden Kinder und Jugendliche einen Platz, die aufgrund sozialer oder emotionaler Probleme von regulären Schulen ausgeschlossen wurden.

„Viele scheitern trotz normaler oder gar überdurchschnittlicher Begabung in der Regelschule, weil Familien zerfallen, weil sie einsam sind oder Gewalt erleben und dann verschlossen oder aggressiv werden“, erläutert Schulleiter Klaus Schenkel.

In Immenhausen erhalten zurzeit 220 Kinder und Jugendliche neben dem Fachunterricht auch Orientierungshilfen und üben mit der Unterstützung fester Bezugspersonen soziales Miteinander. Fast die Hälfte kehrt an die Regelschule zurück. Wer bleibt, kann hier einen qualifizierten Schulabschluss erreichen und sich beruflich orientieren.

Netzwerk „DieMaschinenbauPartner“

Doch für den Pädagogen steht fest: „Wir müssen früher beginnen, Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern zu knüpfen und Vorurteile abzubauen.“ Wertvolle Unterstützung bei der Umsetzung seiner Ideen bekommt Schenkel vom Netzwerk „DieMaschinenbauPartner“. Dieser Verbund von inzwischen über 20 mittelständischen Unternehmen rund um die Firma Koch wurde vor fünf Jahren gegründet, um die in der Region vorhandenen Kompetenzen zum Bau von Sondermaschinen zu bündeln.

Ende 2011 riefen die Netzwerker einen Arbeitskreis ins Leben, um nun auch im Bereich Ausbildung über Firmengrenzen hinweg neue Wege zu gehen und auch enger mit Schulen zu kooperieren. „Wir wollen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und aktiv daran arbeiten, fachkompetenten Nachwuchs heranzubilden“, erläutert Netzwerk-Manager Volker Nicolai.

Und es sollen noch mehr Jugendliche wie Sebastian hier die Chance bekommen, beruflich Fuß zu fassen. Ausbilder Langheinrich ist überzeugt von dem Konzept: „Man kann im Leben alles verlieren, aber nie das, was man einmal gelernt hat.“

 

 

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