Menschen

Schweißen in der höchsten Liga


Qualifizierung – Fabian Jakob von BHR weiß, was sie wert ist

Osterode. 3.000 Menschen aus 58 Ländern bauen derzeit auf der Halbinsel Olkiluoto im Westen Finnlands das größte Atomkraftwerk der Welt. Mittendrin: Fabian Jakob (28) aus Niedersachsen. Vor fünf Jahren saß er noch im Job-Center der Arbeitsagentur, jetzt errichtet er ein Bauwerk der Superlative.

Dass Qualifizierung die Basis ist für beruflichen Erfolg – dafür ist Jakobs Geschichte exemplarisch.

„Es war genau die richtige Entscheidung“

„Ich hätte mir das nicht träumen lassen“, sagt er stolz. Nach der Realschule in Herzberg im Harz und der Ausbildung zum Industriemechaniker ging es für ihn zunächst nicht so recht weiter. Nach der Bundeswehr folgten Anstellungen mit Zeitverträgen. Jakob: „Vom örtlichen Job-Center habe ich dann den richtigen Tipp bekommen.“

Im benachbarten Osterode bewarb er sich bei der BHR Hochdruck-Rohrleitungsbau GmbH – um eine Weiterbildung zum Schweißer.

Das ist fünf Jahre her. Heute weiß er: „Es war genau die richtige Entscheidung.“ Vorbei ist die Sorge um die berufliche Zukunft, jetzt erfüllt er in Finnland ein gigantisches Stahlbeton-Bauwerk mit Leben. 300 Kilometer Rohrleitungen sind zu verlegen – und etwa einmal pro Meter, so die Faustregel der Fachleute, ist ein T-Stück oder eine Armatur einzubauen. Und immer muss sie kompromisslos exakt sein: die Schweißnaht!

Dafür braucht man Spezialisten, wie jetzt Fabian Jakob einer ist. Sie sind auf dem Arbeitsmarkt kaum zu finden. „Wer bei uns beginnt, geht durch eine lange Schule“, berichtet Andreas Krake, Montageleiter bei BHR. Fünf bis sechs Jahre Erfahrung benötigt man, bevor man als Hochdruckschweißer auf die weltweiten Baustellen darf.

Die Auftragsbücher sind voll

Wer in dieser Liga spielt, muss ein extrem strenges Regelwerk einhalten. Nur so wird man zum Kraftwerkbau zugelassen. „Schweißnaht ist nicht gleich Schweißnaht, und Rohr ist nicht gleich Rohr“, sagt Krake. „Wir verkaufen keine Produkte, sondern besonderes Know-how.“ Verlegt werden vor allem hochlegierte Stähle. Die Seitenwand der Rohre ist bis zu 80 Millimeter stark, auch schon mal sechs bis acht Tonnen schwer.

Davon ist in der Osteroder Niederlassung von BHR nur wenig zu sehen. „Hier bilden wir unsere Spezialisten aus und nehmen die unzähligen Tests vor, damit wir die strengen TÜV-Kriterien erfüllen können“, sagt Montageleiter Krake. Fast alle der 130 Mitarbeiter sind auf den weltweiten Baustellen verteilt, allein 40 sind in Olkiluoto. Der Kraftwerkbau ist das Kerngeschäft von BHR. Auch für die chemische Industrie sind die Schweißer im Einsatz.

Schweißer Jakob geht davon aus, dass er noch rund zwei Jahre auf der Baustelle in Finnland bleiben wird. Danach warten bereits die nächsten Aufgaben. Die Auftrags-bücher von BHR sind voll. Denn es gibt weltweit einen Hunger nach Energie. Und für Fachleute wie ihn immer einen Job.

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Schlagwörter: Ausbildung

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