Impfstoffe aus Hessen

Schutz vor Tollwut und FSME kommt von Novartis-Vaccines

Marburg. Absolute Hygiene ist das oberste Gebot in der Impfstoff-Produktion von Novartis Vaccines in Marburg. Das weiß auch Mitarbeiter Andre Junck, der die Gerätschaften für die keimfreie Produktion sorgfältig vorbereitet: „Sauberkeit geht hier über alles“, sagt er.

Auf dem neuen „Mars Campus“ werden Impfstoffe zum Schutz vor Tollwut hergestellt sowie vor der gefürchteten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Das ist eine Hirnhautentzündung, die durch Zecken übertragen wird.

240 Millionen Euro flossen in die Anlage, „eine der größten Investitionen in der hessischen Pharma-Industrie in den letzten Jahren“, so Geschäftsführer Jochen Reutter. 400 der 1.400 Marburger Novartis-Mitarbeiter arbeiten hier. Sie können die Kapazitäten nun verfünffachen: Geplant sind jährlich bis zu 10 Millionen Dosen Tollwut- und 20 Millionen Dosen FSME-Impfstoff.

Weltweit gibt es dafür nur wenige Hersteller: „Der Prozess ist kniffelig“, erklärt Produktionsleiter Christoph Hungerer. Er fasst das arbeitsintensive Verfahren so zusammen: Zunächst werden aus sterilen Eiern Zellen gewonnen, in denen sich das Virus vermehren kann. Dazu muss man die Eier öffnen: „Das passiert jetzt mit einem Laserstahl und nicht mehr von Hand“, so der Produktionsleiter. Die Zellen werden dann gemeinsam mit den Viren in speziellen Gefäßen im Brutschrank kultiviert.

Später entnimmt man die virushaltige Flüssigkeit und tötet die noch infektiösen Viren mit einem sehr genau überwachten Verfahren ab, „damit sie nicht mehr krank machen“, so der Experte. Dann folgt ein streng überwachter Reinigungs- und Konzentrationsschritt. „Ein Hühnerei reicht etwa für die Herstellung von bis zu 25 Impfstoffdosen.“

Allerdings gilt Deutschland – wie fast ganz Europa – als frei von Tollwut. Lohnt sich da die Produktion? „In Asien ist die Krankheit ein großes Problem“, weiß Hungerer. „Reisende müssen sich schützen.“

Impfstoffe aus Marburg werden in 50 Länder exportiert. Wobei die Arzneien bald einen anderen Hersteller-Namen tragen werden: Für 7,1 Milliarden Dollar hat Novartis kürzlich seine Impfstoffsparte an den britischen Pharmariesen GlaxoSmithKline (GSK) verkauft und erwarb im Gegenzug dessen Krebssparte.

Übrigens …

So funktioniert eine Schutzimpfung

  • Das menschliche Immunsystem schlägt bei körperfremden Eindringlingen Alarm. Um sie zu bekämpfen, bildet der Körper Abwehrstoffe (Antikörper).
  • Impfstoffe enthalten nicht krankmachende Bestandteile von Viren oder Bakterien. Werden sie per Spritze verabreicht, lernt das Immunsystem den Erreger kennen und bildet entsprechende Antikörper. So ist man im Ernstfall gegen die „echten“ Erreger gewappnet.

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