Weltmarktführer

Schuhe für die Welt


Hinter einem Zehntel der globalen Produktion steht der Maschinenbauer Klöckner Desma in Achim

Einmal um den ganzen Erdball: Diese Strecke ergibt sich, wenn man alle Schuhe hintereinander reiht, die in jedem Monat auf Anlagen von Klöckner Desma hergestellt werden.

Wie schafft man das – als kleiner Mittelständler aus einem 30.000-Einwohner-Nest in der norddeutschen Tiefebene?

Jedes zehnte der jährlich rund 18 Milliarden produzierten Paar Schuhe geht auf das Konto der Klöckner Desma Schuhmaschinen GmbH, einem 1946 gegründeten Traditionsunternehmen in Achim, Landkreis Verden. Es baut mit gut 200 Mitarbeitern Fertigungsanlagen, die den vorproduzierten Schuhkörper mit der Sohle verbinden.

„Die Maschinen halten fast ewig“, sagt der Geschäftsführer Klaus Freese. „Sie gehen einfach nicht kaputt.“

1976 kam der erste Auftrag aus China

Den Erfolg seiner Firma  bringt er so auf den Punkt: „Die Schuh-Industrie ist ein Wanderzirkus, immer in Bewegung – als Technik-Lieferant muss man ständig reagieren und offen sein für Neues.“ Vorgestern spielte die Musik in Italien, gestern in Südamerika, heute in Fernost. „Niemand kann absehen, wohin die Reise morgen geht.“

Gerade wegen dieser Globalisierung, die ja von manchen Menschen eher als Bedrohung wahrgenommen wird, ist das Unternehmen erfolgreich. Der Weg dorthin war steinig, wie Freese beim Rundgang übers Betriebsgelände erzählt.

Der 50-jährige Dip­lom-Ingenieur, der als Schlosser-Lehrling bei Desma anfing und 2009 zusammen mit Christian Decker die Geschäftsführung übernahm, hat noch den Tag vor Augen, an dem die Globalisierung nach Achim kam. „Im Jahr 1976“, erinnert sich Freese aus seiner allerersten Zeit im Betrieb, „haben wir die erste Maschine nach China verkauft.“

Seit Ende der 60er-Jahre hatte das Geschäft richtig angezogen. Die Firma war bereits Weltmarktführer im Bereich der sogenannten Direkt­ansohlung. Freese: „Aus den großen Schuhfabriken des damaligen Ostblocks gingen in den 70er- und 80er-Jahren so viele Bestellungen ein, dass wir zeitweise mehr als 1.300 Mitarbeiter an drei Standorten beschäftigen konnten.“

Allein mit der Sowjetunion  machte die Firma damals mehr als die Hälfte ihres Umsatzes. Doch dann kam Michail Sergejewitsch Gorbatschow und mit ihm Glasnost und Perestroika. Das war gut für die Welt – aber erst mal schlecht für die „Desmaner“ in Achim.

„Plötzlich wurden sicher geglaubte Aufträge storniert“, erzählt Freese, „und Maschinen, die schon in die Sowjetunion geschickt worden waren, kamen originalverpackt zurück.“ Das Ende der sozialistischen Planwirtschaft führte dazu, dass für das Unternehmen harte Zeiten anbrachen.

Der neue Eigentümer Klöckner, der Desma 1981 vom Sohn des Firmengründers Herbert Ludwig übernommen hatte, musste restrukturieren und viele Arbeitsplätze abbauen. Dabei kam er­schwe-rend hinzu: Nicht nur im Ostblock änderten sich die Verhältnisse.

„Anspritzen“ und „anbacken“

Die großen Schuhkonzerne verlagerten ihre Produktion zunehmend in Billiglohn­länder – und damit in Regionen, in denen viele europäische Maschinen-Lieferanten bis dahin kaum präsent waren.

Desma machte aus der Not eine Tugend und besann sich auf die eigene Stärke: die Kombina-tion von jahrzehntelanger Er- fahrung und solider deutscher Ingenieurkunst.

Nicht billig, aber zuverlässig – und damit am Ende preis­werter als vieles, was der Markt zu bieten hat. Fast alle Anlagen der Direktansohlung, bei der die Sohle auf den Schuhkörper „angespritzt“ und „angebacken“ wird, stammen von Klöckner Desma. Das Verfahren ist Standard in der Fertigung von Sport- und Sicherheitsschuhen.

Zu den Unternehmen, die die Technik aus Achim nutzen, gehören so bekannte Namen wie Adidas und Ecco. Ein prominenter „Endverbraucher“ ist der dänische Extremsportler Jesper Olsen. Der rennt gerade, gesponsort von Ecco, zum zweiten Mal um die ganze Welt.

Und tickt damit auf seine Art ein bisschen wie Klöckner Desma.

Klöckner Desma, Achim

Die Klöckner Desma Schuhmaschinen GmbH, 1946 von Herbert Ludwig gegründet, beschäftigt in Achim 200 Mitar­beiter, davon etwa 20 Azubis, und weitere 30 Leute in China. Der Jahresumsatz von 35 Millionen Euro kommt zum Großteil aus dem Export. Produziert werden vor allem Maschinen zur „Direktansohlung“. Ein neues Wachstumsfeld ist Auto­matisierungstechnik, die die Sohle an den Schuh klebt.

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