Ferienjobs lohnen sich

Schüler und Studenten schauen nicht nur aufs Geld


Ferienjobber sammeln Erfahrung, knüpfen Kontakte – und hinterlassen Eindruck

Marktredwitz/Königsberg/Wemding. Fabian Roth ist bereits seit sechs Uhr morgens an seinem Arbeitsplatz. Viele andere Studenten und Schüler liegen auch Stunden später noch immer in ihren Betten – es sind Sommerferien. Den 19-jährigen Maschinenbau-Studenten kümmert das aber nicht. „Nach Schicht-Ende um 14 Uhr kann ich ja immer noch ins Freibad“, sagt er.

Der Ferienjobber arbeitet in der Montage von ABM Greiffenberger, einem führenden Hersteller von Getrieben und Elektromotoren im oberfränkischen Marktredwitz. Dort verbringt Roth vier Wochen seiner vorlesungsfreien Zeit mit dem Prüfen von sogenannten Ritzelwellen, die in Getriebemotoren verbaut werden.

„Abläufe hat man schnell raus“

Wie viele andere Ferienjobber schätzt Roth es, während seiner freien Zeit einmal in ein Unternehmen hineinzuschnuppern – und dabei natürlich Geld zu verdienen. Wer es richtig anpackt und Glück hat, knüpft in dieser Zeit zudem auch wertvolle Kontakte für die Zukunft und kann sich bei einem möglichen Arbeitgeber empfehlen.

„Die Arbeit ist einfach, die Abläufe hat man schnell raus“, berichtet der angehende Maschinenbauer. Seine theoretischen Kenntnisse von der TU Ilmenau braucht er nicht. Trotzdem freut es ihn, dass der Betrieb, in dem er jobbt, zu ihm passt. „Ich könnte mir durchaus vorstellen, später einmal für ABM Greiffenberger zu arbeiten“, erzählt er.

Das Unternehmen sieht in jungen Aushilfskräften wie ihm auch mehr als nur den Ferienarbeiter. „Wenn bei Studenten der fachliche Hintergrund stimmt, sind sie als potenzielle Fachkräfte sehr interessant für uns“, sagt Susanne Strauß, Personalleiterin von ABM Greiffenberger in Marktredwitz. Etwa 50 Ferienjobber werden an dem Standort mit rund 530 Mitarbeitern regelmäßig im Sommer eingesetzt, um Personal-Lücken in der Urlaubszeit zu überbrücken.

Ferienjob als Kennenlern-Phase

Jeder von ihnen wird danach intern beurteilt. Um Fachkenntnisse geht es dabei jedoch nicht. Das wäre bei vielen Tätigkeiten auch kaum möglich. „Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, soziales Verhalten – das sind die wichtigen Kompetenzen, die wir nach ein paar Wochen beurteilen können“, erklärt Strauß. Die Ferienarbeit ist also auch eine Kennenlern-Phase – für beide Seiten.

Das bestätigt Günther Korn, Personalleiter der Fränkischen Rohrwerke in Königsberg nahe Schweinfurt. „Schon nach kurzer Zeit können die jungen Leute uns als Arbeitgeber viel besser einschätzen“, sagt er, „und wir sie natürlich auch.“

80 Prozent der Azubis in Königsberg waren zunächst als Ferienjobber oder Praktikant im Unternehmen. Vor allem bei Abi­turienten hat Korn beobachtet, dass sie sich im Betrieb gut präsentieren wollen – viele mit Erfolg. Die Hälfte aller angehenden Büro- und Industriekaufleute am Standort haben Hochschulreife.

Am Stammsitz des Unternehmens in Königsberg arbeiten in den Sommermonaten rund 50 Ferienjobber. Sie helfen an Maschinen aus, arbeiten im Versand, ent- und beladen Lkws oder sind im Büro tätig. 80 Prozent sind Familienangehörige von Mitarbeitern – so wie Jasmin Kneuer, deren Vater und Onkel im Betrieb arbeiten.

Vorstellung vom Produktionsalltag

Die 17-Jährige verpackt in diesem Jahr für zweieinhalb Wochen unter anderem schwarze Verschlussstopfen in Netze, um sich eine Rafting-Tour mit Freunden leisten zu können. „Neben dem Verdienst finde ich es aber auch interessant zu sehen, wie es in einer Produktion zugeht – selbst wenn ich später einmal nicht hier arbeiten sollte“, sagt sie. Die Schülerin will nach dem Abi zunächst einmal studieren.

Früh Erfahrungen in Unternehmen zu sammeln, war auch für Armin Seefried wichtig. Der 31-jährige Elektro-Ingenieur ist heute Fertigungsplaner beim Automobil-Zulieferer Valeo im Werk Wemding, 60 Kilometer nördlich von Augsburg. Dort kümmert er sich um die Produktion von Radar-Systemen, die vor Fahrzeugen im toten Winkel warnen.

Seefried kommt aus der Region und hat bei seinem heutigen Arbeitgeber schon als Schüler ein langes Praktikum absolviert und später als Student in den Semesterferien gearbeitet. „Als ich mich hier nach meinem FH-Studium beworben habe, wusste ich schon, dass das Unternehmen zu mir passt“, sagt er. Einen Betrieb lerne man nur von innen wirklich kennen, ist er überzeugt.

„Negative Erfahrungen sind auch wertvoll“

„Ich rate jungen Leuten, schon früh möglichst viele verschiedene Dinge auszuprobieren“, sagt Seefried. Denn selbst, wenn einem die Arbeit oder der Betrieb nicht gefielen, sei das eine wichtige Erkenntnis. „Auch negative Erfahrungen sind für die richtige Berufswahl sehr wertvoll“, betont er.

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Info: Ferienjob

• Kinder dürfen erst ab dem Alter von 13 Jahren arbeiten – aber nur mit dem Einverständnis der Eltern, ausschließlich montags bis freitags zwischen 8 und 18 Uhr und höchstens zwei Stunden am Tag.

• Erst mit 15 kommen „richtige“ Ferienjobs infrage. Maximal sind 20 Arbeitstage im Jahr erlaubt. Gefährliche und anstrengende Tätigkeiten sind tabu. Mitarbeiter einer Nachtschicht etwa müssen volljährig sein.

• Auch Ferienjobber müssen Steuern zahlen, wenn sie nicht auf 400-Euro-Basis arbeiten. Allerdings bekommen sie das Geld in der Regel am Ende des Jahres vom Staat zurück, wenn sie ihre Steuererklärung abgeben.

• Sozialabgaben werden für Ferienarbeiter erst ab 50 Arbeitstagen im Jahr fällig.

Unternehmen in diesem Artikel

Fränkische Rohrwerke, Gebr. Kirchner GmbH & Co. KG

ABM Greiffenberger Antriebstechnik GmbH

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ABM Greiffenberger Antriebstechnik GmbH
Friedenfelser Straße 24
95615 Marktredwitz

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