Bildung

Schüler bauen Mars-Roboter: So macht ein Unternehmen den Physikunterricht spannend


Hildesheim. Lennart Tacke und Sammi Krombach tüfteln an ihrem „Mars-Roboter“. Den Rover, wie derartige Erkundungsfahrzeuge im Raumfahrer-Jargon heißen, haben sie mit allerlei technischen Raffinessen ausgestattet: Fotozellen! Temperaturfühler! Ultraschallsensoren!

Die beiden Tüftler sitzen nicht in einer Firma – sondern in der Schule: im Unterricht des ungewöhnlichen Fachs „Physik/Technik“, angeboten von der Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim. „Experimentieren statt auswendig lernen“, beschreibt der Lehrer Sven Müller, der die Zehntklässler unterrichtet, den Ansatz. Für die Materialien hat ihm die Alcoa-Foundation rund 15.000 Euro zur Verfügung gestellt. Sie gehört zum US-Aluminiumkonzern Alcoa, der Produkte in zahlreiche Branchen liefert. „Von diesem Förderprojekt in der Schule profitiert indirekt auch unser Unternehmen“, sagt Jens Harde, der Geschäftsführer des zum Konzern gehörenden Unternehmens Alcoa Fastening Systems.

Dem Hersteller von Verbindungselementen für die Luft- und Raumfahrt-Industrie kann es nur recht sein, wenn sich Schüler stärker für Technik und Physik inter­essieren. Geschäftsführer Harde betont: „Wegen des hohen Qualitätsstandards in unserer Abnehmerbranche sind wir besonders auf spezialisiertes Personal angewiesen.“ Ein halbes Jahr lang werden neu eingestellte Fachkräfte in der Produktion angelernt, bevor sie voll mitarbeiten.

Bei den Flugzeugbauern, erzählt Harde, seien die Auftragsbücher voll – und damit auch die des Zulieferers in Hildesheim. Im Frühjahr habe man die Belegschaft in Hildesheim um 11 auf 350 Mitarbeiter aufgestockt. Noch sei es relativ leicht, gut ausgebildete Mitarbeiter zu finden, doch in wenigen Jahren werde sich das Ringen um Fachkräfte deutlich verschärfen. „Der demografische Wandel wird vor uns nicht Halt machen.“

Um gegenzusteuern, setzt Alcoa nicht nur auf Schulprojekte wie den Roboter-Kurs. Das Unternehmen geht auch neue Wege bei der Ausbildung. So wurde der „Maschinen- und Anlagenbediener“ als neuer Ausbildungsberuf eingeführt. „Das Anspruchsniveau ist zunächst niedriger, die Ausbildung dauert zwei Jahre. Aber dadurch erhalten auch Haupt- und sogar Sonderschüler eine berufliche Perspektive – und können dann mit der beruflichen Erfahrung wachsen.“

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