Rohstoffe

Schrott bleibt uns lieb und teuer


Deumu recycelt Rohstoffe – unter anderem für die Stahlwerke in Peine und Salzgitter

Salzgitter. Ortstermin auf dem Schrottplatz der Deumu (Deutsche Erz- und Metall-Union GmbH) in Salzgitter. Eine Idylle sieht anders aus: So weit das Auge reicht, türmt sich Schrott in den verschiedensten Sortierungen.

Die Schredder-Anlage, in der unter anderem alte Autos zerkleinert werden, verschlingt mit Getöse die ausrangierten Reste unserer Konsumgesellschaft. Alles Metallische sortiert am Ende ein Magnet aus. Früher kamen die Kunst­­stoff- und  Polsterreste  auf  eine Deponie, heute wird auch das verwertet.

Prüfung auf Radioaktivität

Sicherheit wird hier groß­geschrieben – nicht nur bei den Mitarbeitern. Jede Lieferung per Waggon oder Lkw wird vor der Einfahrt auf Ra­dioaktivität gecheckt. „Stellen Sie sich mal vor, Sie unterlassen diese Kontrollen – und ein Stahlträger in einem millionenschweren Neubau strahlt still vor sich hin“, sagt Detlef Alsleben, Deumu-Geschäftsführer.

 

Das Unternehmen, gegründet Anfang der 40er-Jahre, betreibt mit einem Handelsvolumen von rund 2,2 Millionen Tonnen im Jahr in Salzgitter eine der größten Schrottplätze der Republik.

Das Geschäft hat vor allem ein Ziel: Damit die Stahlwerke in Salzgitter und Peine nicht zum Stillstand kommen, brauchen sie täglich rund 900 Eisenbahnwaggons gefüllt mit ge­schreddertem Stahl und weiteren Schrottsorten.

 

 

 

„Sollten unsere Öfen mangels Schrott abgestellt werden müssen, könnte das den Konzern einen siebenstelligen Be­trag kosten – täglich!“, betont der Deumu-Chef.

Deshalb ar­beiten seine Einkäufer mit bis zu 500 Liefe­ranten zusammen. Alsleben spricht von einem Preispoker und vergleicht das monatliche Handelsgeschäft mit der Situation in einem Spielcasino.

 

„Dazu braucht man schon gute Nerven. Mal abgesehen davon, dass Schrotthändler in der Regel sympathische Schlitzohren sind – sie müssen uns zu einem Zeitpunkt verbindliche Verkaufsmengen und Preise nennen, zu denen sie ihre eigenen Konditionen noch nicht sicher absehen können.“ Da sind auf beiden Seiten viel Erfahrung und Bauchgefühl nötig. Alsleben: „Manchmal wird  es  auch  ganz  schön  laut am Telefon.“

Zwei Jahre lang brummte das Geschäft. Schrott war so be­gehrt, dass fliegende Händler mit kleinen Lkws durch die Straßen fuhren und an Haus­türen nach alten Kühlschränken, Waschmaschinen und anderen ausrangierten Metallteilen fragten.

Plötzlicher Einbruch

Ein kleiner 7,5-Tonner brachte dem Sammler in Spitzenzeiten täglich bis zu 1.500 Euro – es lohnte sich, geputscht durch den Rohstoffmangel, vor allem in China und Indien. Doch dann folgte ganz plötzlich der Einbruch. „Viele hatten es geahnt, doch keiner wollte es  wahrhaben, als die stark überhitzten Schrottpreise einbrachen“, sagt Alsleben. 

Derzeit machen bei der Deumu  viele der 160 Mitarbeiter im Stahlschrott-Recycling Kurzarbeit. Ihr Blick in die Zukunft ist dennoch zuversichtlich. Schließlich ist Schrott das älteste Beispiel für Recycling in der Menschheitsgeschichte – und schreibt seit Jahren eine Er­folgsgeschichte. „Daran wird langfristig auch die aktuelle Wirtschaftskrise nichts än­dern“, ist sich Alsleben sicher.

Werner Fricke

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