Innovationen

Schraube locker? Von wegen!


Der schwedische Konzern Atlas Copco entwickelt im Ruhrgebiet Montagewerkzeuge, die mitdenken

Essen. Der Zylinderkopf dieses Lkw-Motors hat 26 Schrauben. Und die müssen in einer ganz bestimmten Reihenfolge montiert werden. „Oft muss man über Kreuz verschrauben und mit unterschiedlichen Drehmomenten. Da kann man sich schon mal vertun“, sagt Boris Pernar.

Das kann mit dem Spezialwerkzeug, das der Mechatroniker testet, nicht passieren. Ein Bildschirm daran zeigt, welche Schraube er anziehen soll. Pernar setzt das Montagewerkzeug darauf und wartet, bis der Monitor Grün anzeigt. Fertig!

Für Traktoren und für Implantate

Das mitdenkende Montagewerkzeug, an dem Pernar tüftelt, wurde hier im „Atlas Copco Application Center Europe (ACE)“ in Essen entwickelt und konstruiert.

ACE ist Teil des schwedischen Konzerns Atlas Copco. Jedes dritte Auto, das weltweit vom Band läuft, wird mit dessen Werkzeugen montiert. Die Nordlichter haben aber auch Werkzeuge im Programm, mit denen sich die Schrauben von Waschmaschinen, Traktoren, Flugzeugen, Hallenkonstruktionen – und selbst die von Innenohr-Implantaten anziehen lassen.

Während die Standard-Produkte aus Schweden kommen, werden die Spezialwerkzeuge, die Mechatroniker Pernar durchcheckt, im Ruhrgebiet hergestellt. Hauptkunden des Essener Entwicklungszentrums sind Unternehmen der Fahrzeug-Industrie.

Das ACE verfügt über exellent ausgebildete Mitarbeiter. Entwicklungsmanager Bodo Trombach: „Bei uns bewerben sich Leute, die früher bei VW oder Daimler gearbeitet haben.“ Solche Spezialisten wüssten eben, woran es bei der Autoproduktion ankommt.

Beispiel „Mehrfach-Schrauber“: Der zieht alle Schrauben am Rad gleichzeitig an. Ein kleiner integrierter Computer zeigt mit Ampelfarben an, ob alles okay ist. Produktions- und Qualitätskoordinator Michael Kirchberger: „Damit können auch Ungelernte arbeiten.“

150 Kilo mit einem Finger heben

Der Clou: Die Montagedaten werden zusammen mit den Fahrzeugdaten gespeichert und dokumentiert. „Unsere Kunden möchten Fehler nicht erst bei der Endkontrolle entdecken“, sagt Kirchberger. Falscher Schraubentyp, kaputte Gewinde, fehlerhafte Reibwerte: „Das wollen wir sofort bemerken und ausschließen.“

Manche der Mehrfach-Schraubsysteme sind so groß wie ein Schrank. Der kräftige Handling-Arm, der das Montagewerkzeug trägt und mit dem Pernar die Schrauben am Zylinderkopf festdreht, wiegt 150 Kilo. Doch Mechatroniker Pernar bewegt ihn mühelos. Dafür sorgt eine Druckluft-Unterstützung: „Ich kann ihn mit einem Finger heben.“

 

Info: Atlas Copco

Der schwedische Konzern Atlas Copco beschäftigt weltweit 37.500 Mitarbeiter. Er produziert Druckluft- und Elektrowerkzeuge für die Schraubmontage, außerdem Schleif- und Bohrmaschinen sowie Niet- und Meißelhämmer. Die Atlas Copco ACE GmbH in Essen gehört zu den führenden Unternehmen in Sachen komplexer Schraubsysteme. Die rund 50 Beschäftigten entwickeln neue Produkte vor allem für die Fahrzeug-Industrie und ihre Zulieferer.

 

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