Ohne Fachkräfte läuft hier nichts

Schneiden, schweißen, stanzen, biegen: Cooler Wärmetauscher-Produzent macht fast alles selber


Hof. Jürgen Umlauf schwingt sich auf einen langen Behälter, in der Hand ein kühles Bier. Er ist der Chef hier. Und das dicke Teil ein Wärmetauscher – für eine Brauerei. Der Mann mit Humor leitet die Igefa Weinbrenner GmbH in Hof bei Siegen. Deren Produkte kommen überall zum Einsatz, wo etwas aufgeheizt, gereinigt, entkeimt oder heruntergekühlt wird.

Das ist etwa in Chemieanlagen und Kraftwerken der Fall. „Aber auch Molkereien brauchen Wärmetauscher, um Milch haltbar zu machen“, sagt Umlauf. „Außerdem arbeiten große Lebensmittelhersteller wie Nestlé oder Pfanni damit, um löslichen Kaffee oder Kartoffelpüree herzustellen.“

Sorgfältig arbeiten, damit es später beim Kunden nicht knallt

Und natürlich ist auch Bierbrauen ohne diese Geräte undenkbar. Deshalb gibt es, so der Geschäftsführer, in Deutschland keine namhafte Brauerei, die nicht mit Wärmetauschern aus Hof Gerstensaft produziert.

Um solche Geräte herzustellen, braucht das Unternehmen erfahrene Mitarbeiter.

Wie Ingolf Krumb. Der 53-Jährige sitzt hinter einem riesigen Bündel Stahlröhrchen, verschweißt sie mit einer Bodenplatte. Das Ganze wird das Innenleben eines mehr als mannshohen Wärmetauschers. Der Metaller weiß um seine Verantwortung: „Wenn hier etwas nicht dicht ist, kann es später beim Kunden heftig knallen oder zu Verunreinigungen kommen.“ 60 Mitarbeiter – davon 9 Auszubildende – produzieren 1.000 Apparate pro Jahr und sorgen damit für einen jährlichen Umsatz von rund 10 Millionen Euro.

In diesen Köpfen stecken jede Menge Wissen und jene „Kernkompetenzen, die kein Konkurrent kopieren kann“, betont Geschäftsführer Umlauf. Und damit dies so bleibt, habe der Betrieb im Krisenjahr 2009 zwar jede Menge Eigenkapital „verbraten“, aber alle Mitarbeiter gehalten und nicht einen Tag Kurzarbeit gehabt.

Jeder Wärmetauscher ist ein Unikat. Er wird in der hauseigenen Entwicklungsabteilung maßgeschneidert. Auf die „fast 100 Prozent Fertigungstiefe“ ist Umlauf ein wenig stolz. Denn angeliefert bekommt das Unternehmen nur Rohre und Bleche. Die komplette Verarbeitung geschieht im Betrieb: schneiden, stanzen, schweißen. Und vor allen Dingen biegen.

Englischunterricht für alle – die Kosten trägt das Unternehmen

Jeder vierte Apparat geht ins europäische Ausland oder nach Russland und Amerika. Bald soll Asien folgen. Ein aufwendiges Unterfangen, da bei Druckbehältern in jedem Land spezielle Zulassungen gebraucht werden. Die Zeichen stehen auf Wachstum. Und noch mehr Ausfuhren. Das Unternehmen hat ein 7.000 Quadratmeter großes Grundstück gekauft.

Darauf soll eine neue Werkhalle entstehen, welche die Produktionskapazität verdoppelt.

Und: Seit eineinhalb Jahren gibt es für alle Mitarbeiter Englischunterricht – und zwar kostenlos. Denn die Köpfe der Mannschaft sind für Umlauf schließlich das „wichtigste Kapital“.

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Fakten

Am Anfang waren es zwei Firmen

  • Über Jahrzehnte sind die beiden Siegener Familienunternehmen Igefa und Weinbrenner zusammengewachsen: Die Ingenieur-Gesellschaft und der Fertiger arbeiteten schon seit Mitte der 70er-Jahre Hand in Hand.
  • 2010 verschmolzen beide Unternehmen komplett zu einer Firma, an der die Familie Weinbrenner keine Anteile mehr hält.
  • Seit 1962 produziert Weinbrenner in Hof. Anfang des Jahres siedelte auch die Verwaltung von Siegen dorthin um.

Unternehmen in diesem Artikel

IGEFA WEINBRENNER Wärmetauscher GmbH

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IGEFA WEINBRENNER Wärmetauscher GmbH
Koblenzer Straße 18
57072 Siegen

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