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Schluss mit dem Schilder-Chaos!


Das Unternehmen Utsch sorgt jetzt in Ägypten für Ordnung - mit Autokennzeichen

Siegen. Verbeulte Schilder in allen Farben, verblasste oder  abgekratzte Beschriftung: So sahen Autokennzeichen in Ägypten bisher aus. Irgend­welche Standards? Fehlanzeige! Manche Karre kurvte gar ganz ohne durch die Lande. Dafür gab es einige Nummerschilder gleich doppelt und dreifach, weil sie leicht zu fälschen  waren.

Schluss mit dem Chaos, beschloss deshalb der ägyptische Finanzminister – und verordnete neue, moderne Autokennzeichen. Damit Autodiebstähle und Verkehrsunfälle schneller aufgeklärt werden. Und vor allem: Damit der Staat an seine Steuern und Strafgebühren kommt.

Laser-Code und Hologramme

Im Laufe des Jahres muss sich  nun jeder ägyptische  Fahrzeug-Halter bei der Polizei ein fälschungssicheres Nummernschild abholen. Die sind „Made in Germany“: 9,5 Millionen Schilder  prägt die Utsch AG in Siegen derzeit für das Land der Pyramiden. Das mittelständische Familienunternehmen ist in seiner Branche der Weltmarktführer.

Moderne Autokennzeichen sind kein einfaches Stück Blech. Sondern ein Hightech-Produkt. So sind die Schilder für Ägypten mit einem Laser-Code ausgestattet und mit einer reflektierenden Folie beklebt, auf der Hologramme schimmern. Ein Sicherheitsmerkmal, wie man es von den Geldscheinen her kennt. Auch die Befestigung hat es in sich: Die Einwegschrauben lassen sich nicht herausdrehen. Mit einer Speziallampe erkennt die Polizei, ob jemand dran war.

Sicherheitsmerkmale seien immer mehr gefragt, sagt der Vorstandsvorsitzende Helmut Jungbluth: im Ausland noch mehr als hierzulande.

Beispiel: das „Dritte Kennzeichen“. Das ist ein Sticker, der innen an der Scheibe klebt. Er hat einen Funkchip, in dem alle Fahrzeugdaten gespeichert sind. Die müssen natürlich mit dem Autoschild und den Papieren übereinstimmen. Die Polizei kann den Chip mit einem Gerät auslesen. In einem kleinen arabischen Land kommt es bald zum Einsatz.

In über 130 Ländern haben Autos, Lastwagen und Busse Utsch-Schilder dran. Und jetzt auch in Ägypten. Dessen Finanzminister hat für die neuen Schilder mehr als 26 Millionen Euro lockergemacht – und so den Siegenern den größten Auftrag der Firmengeschichte beschert. Deshalb laufen dort  die Bänder Tag und Nacht.

Weiter auf Erfolgskurs

Anna Minkovska verpackt pro Schicht um die 5.000 Blechvierecke mit arabischen Schriftzeichen. Je­des nimmt sie in die Hand, guckt, ob nichts verrutscht oder verschmiert ist.

Wegen der Großbestellung  hat das Unternehmen sogar 20 neue Mitarbeiter eingestellt. Cimo Holweg etwa. Seit drei Monaten steht der Werkzeugmechaniker an der Heißprä­gemaschine und beklebt die Alubleche mit Folie: blau für privat, rot für Taxis.

2008 lief für Utsch glänzend. „Doch 2009 wird es noch übertreffen“, sagt Utsch-Vorstand Jungbluth. Vor kurzem hat die Firma ein Büro in Peking eröffnet – und bald soll ein neues Werk in Südafrika hinzukommen.

Matilda Jordanova-Duda

Info: Erich Utsch AG

Das Siegener Unternehmen Utsch produziert Autokennzeichen und Schilder-Prägepressen. Weitere Produkte sind etwa  Kennzeichenrahmen als Werbeträger sowie Sonderkennzeichen für Filme. Zur Firma gehören eine Recyclingtochter und ein Abschleppdienst. In Siegen beschäftigt Utsch 200 Mitarbeiter, darunter 14 Azubis. Weltweit hat die Firma 700 Mitarbeiter. Sie erwirtschafteten 2008 rund 250 Millionen Euro.

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