Hightech made in NRW

Schlösser mit schlauer Technik


Wetter. Der Weg zur Firma Burg F. W. Lüling KG in Wetter führt über eine asphaltierte Achterbahn. 25 Prozent Steigung, für Radfahrer verboten! Doch schon Ende des Jahres wird die Anreise – im wahrsten Sinne des Wortes – glatt verlaufen.

Das Unternehmen zieht um ins wenige Kilometer entfernte Hagen. „Und dann produzieren wir nur noch auf einer Ebene“, sagt Geschäftsführer Achim Lüling, der den Familienbetrieb in der vierten Generation leitet. Noch fertigen die „Schlossherren“ auf zwei Stockwerken.

„Wir schließen alles ab, was in Räumen ist“, umreißt Lüling die Produktpalette. Hauptabnehmer für Verriegelungssysteme an Schalt- und Serverschränken sind die IT-Firmen Dell, HP und IBM. Zudem sind Büromöbel-Hersteller sowie Werkstatt-Ausstatter Kunden. Und Fenster-Produzenten.

10.000.000 Schließsysteme verlassen Jahr für Jahr die Werkhallen

Das Unternehmen ist ein Beispiel für die Leistungskraft seiner Branche. Und die ist vor allem in Nordrhein-Westfalen stark. Allein in Wetter gibt es drei Betriebe, darunter der Fahrradschloss-Produzent Abus. Rechnet man auch die Hersteller in den nahe gelegenen Städten Velbert und Heiligenhaus hinzu, summiert sich die Zahl der Unternehmen gar auf über 70. Mehr als 7.000 Menschen arbeiten in dieser Schlüsselindustrie. Burg mit je einem Zweigwerk im tschechischen Tisa und im chinesischen Nanchang hat insgesamt 340 Mitarbeiter und produziert pro Jahr zehn Millionen Schließsysteme. Der Umsatz erreichte letztes Jahr gut 26 Millionen Euro.

Derweil spucken Zinkdruckguss-Maschinen Schlosskörper und -zylinder im 20-Sekunden-Takt aus. So lange braucht das 420 Grad heiße flüssige Zink, bis es in der Form erstarrt ist. Diese selbst hergestellten Druckguss-Formen sind das eigentliche Kapital der Firma. Jede kostet zwischen 10.000 und 40.000 Euro. Hunderte stapeln sich hinter feuerfesten Türen in einem Brandschutzlager. Schrauben, Federn, Schlüssel-Rohlinge sowie die Platinen für die elektronischen Sicherungssysteme kauft das Unternehmen zu.

Schlösser können aus mehreren Dutzend Teilen bestehen. Bis zu 1.000 mechanische Schlösser montiert Mitarbeiterin Sakinur Burlut in einer Acht-Stunden-Schicht: „Dabei darfst du nicht hektisch werden. Sonst machst du Fehler.“

Solche Schließsysteme sind das Brot-und-Butter-Geschäft, die elektronischen haben nur einen Anteil von gut 10 Prozent. Trotzdem nehmen sie an Bedeutung stetig zu – nicht nur für Burg.

Per SMS neuen Code anfordern

Ein Beispiel: Weil in den Schulen die Jungen und Mädchen immer häufiger die Unterrichtsräume wechseln, steigt der Bedarf an Schließfächern. Und damit gibt es neue Probleme: Schlüssel verloren oder Zahlencode vergessen? Die Burg-Lösung: ein elektronisches Schloss, bei dem der Nutzer den Zahlencode per SMS neu anfordern kann.

Und ein Blick in die nahe Zukunft. Auch Paketzustellern, die immer wieder vor verschlossenen Haustüren stehen, will Lüling helfen: „Wir haben ein Schließsystem entwickelt, das den Informationsfluss zwischen Internetshop, Zusteller und Kunde managt. Wir werden alle größere Briefkästen brauchen.“

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