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Familienbetrieb

Schleifscheiben von Rhodius sind Exportschlager

Die dünnste Trennscheibe der Welt kommt von der Rhodius-Gruppe aus Burgbrohl. Hier ist das Mekka der Trenn- und Schruppscheiben. Aber auch Mineralwasser wird im Werk hergestellt. Wie das zusammenpasst, lesen Sie hier.

Gestapelt: Zwischen Brennhilfsmitteln aus Metall werden die Scheiben in Kammeröfen bei höchstens 190 Grad bis zu 32 Stunden gebrannt. Foto: Hosan

Gestapelt: Zwischen Brennhilfsmitteln aus Metall werden die Scheiben in Kammeröfen bei höchstens 190 Grad bis zu 32 Stunden gebrannt. Foto: Hosan

Rhodius-Chef Gerald Lichter. Foto: Hosan

Rhodius-Chef Gerald Lichter. Foto: Hosan

Trennscheibe Modell XT10. Foto: Rhodius

Trennscheibe Modell XT10. Foto: Rhodius

Farbpigmente aus Blei- und Zinkerzen haben sie produziert, Kohlenanzünder, Bohnerwachs und Styroporverpackungen. Heute entstehen in der Rhodius-Firmengruppe aus Burgbrohl alkoholfreie Getränke und Schleifwerkzeuge, zwei auf den ersten Blick schwierig zu vereinbarende Produktgruppen. Spricht man darüber mit Gerald Lichter, geschäftsführender Gesellschafter und verantwortlich für den Bereich Schleifwerkzeuge, wird der gemeinsame Nenner aber klar: Gefertigt wird, wofür der Markt da ist, man klammert sich an nichts. Ein Prinzip, das seit Firmengründung 1827 den Erfolg von Unternehmen und Familie aus einem schmalen Seitental des Mittelrheins sichert.

„Mit Eintritt der beiden Schwiegersöhne vor gut 25 Jahren haben wir begonnen, uns auf das zu konzentrieren, was wir glaubten, am besten zu können oder wo wir eine gewisse Wettbewerbsfähigkeit haben“, sagt Lichter, einer dieser Schwiegersöhne. Er berichtet von den Anfängen mit Blei- und Zinkweiß, die das Unternehmen einst mithilfe der Kohlensäure aus eigener Quelle herstellte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Titanoxid auf, das im großindustriellen Maßstab produziert wurde. Dem hatte der Mittelständler Rhodius wenig entgegenzusetzen. Zwar erfolgten Zukäufe und Investitionen ins Lacke- und Farbengeschäft. Um die Jahrtausendwende aber war Schluss.

„Optimales System Mensch-Maschine-Werkzeug“

Parallel hatte Rhodius sich seit 1952 Know-how in Sachen Schleifwerkzeuge aufgebaut: Da war Lichters Schwiegergroßvater auf die Annonce eines Tüftlers gestoßen, der Finanziers für seine Ideen suchte, und hatte deren Potenzial erkannt: „Damals kamen Powertools auf, Elektrowerkzeuge“, erklärt Lichter. Die eröffneten neue Möglichkeiten für die Materialbearbeitung. In den 60ern entwickelte Rhodius ein in wichtigen Teilen eigenes Fertigungsverfahren, von dem das Unternehmen bis heute profitiert. „Wir haben nicht nur eine eigene Verfahrenstechnik, sondern auch selbst entwickelte und gebaute Produktionsautomaten“, sagt der Geschäftsführer. „Mit einer Leistungsdichte, die weltweit kaum überboten wird.“

„Wir wollen mit unseren Produkten ein optimales System Mensch-Maschine-Werkzeug schaffen.“

Inzwischen verlassen jedes Jahr um die 100 Millionen Trenn- und Schruppscheiben die Rhodius-Werke in Burgbrohl und Schanghai. Zur Kundschaft gehören etwa Stahl- und Anlagenbauer, Werften und Gießereien. Deutschlandweit schätzt Lichter den Marktanteil auf 30, europaweit auf 10 Prozent. „Und weltweit rangieren wir um Platz fünf, was die Produktionsmengen angeht.“ In Burgbrohl beschäftigt Rhodius Schleifwerkzeuge 260 Mitarbeiter, global sind es 360. Qualität, Wirtschaftlichkeit und Kundenorientierung treiben sie an: „Wir wollen mit unseren Produkten ein optimales System Mensch-Maschine-Werkzeug schaffen“, beschreibt es Lichter.

Innovationen per Geistesblitz

Dabei hilft auch mal ein Geistesblitz. So gehe die Schleifscheibe „Vision“, die rundum von drei Aussparungen unterbrochen wird, auf einen Mitarbeiter zurück, „der sich fürchterlich ärgerte, beim Schleifen des Rasenmähers nicht sehen zu können, was er da schleift“, erzählt Lichter. Die Aussparungen schaffen nun eine Art Fenster aufs Werkstück. Außerdem im Rhodius-Programm: die mit 0,8 Millimeter dünnste Winkelschleifer-Trennscheibe der Welt. Und auch die traditionelle Rezeptur für die Scheiben hat Rhodius in der Produktlinie „Hydroprotect“ abgewandelt: Durch Zugabe eines Lebensmittelzusatzstoffes wird das Phenolharz, das die Schleifkörner umschließt, weniger feuchtigkeitsempfindlich. So bleibt die Scheibe länger leistungsfähig. Im Spätsommer kommt das Unternehmen zudem mit einem kompletten Sortiment für den Bereich Automotive auf den Markt, samt Schleifscheiben für die Bearbeitung lackierter Oberflächen.

In solchen Entwicklungen komme zum Ausdruck, was das Unternehmen auszeichnet, sagt Lichter: Leidenschaft und Dynamik. Zusammen mit Nachhaltigkeit und Weltoffenheit bilden sie das Rhodius-Wertegerüst: „Wir sind nicht nur ein Familienunternehmen, wir fühlen uns auch als Familie“, sagt der Geschäftsführer. Viele Mitarbeiterfamilien sind in der zweiten oder dritten Generation dabei. Und auch Lichters Söhne stehen bereit, eines Tages Verantwortung bei Rhodius zu übernehmen. Der Markt für Schleifwerkzeuge dürfte ihnen jedenfalls erhalten bleiben.


 

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