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Schleifen und lackieren: Was Experten mit Jeans so alles anstellen


Tübingen. Schleifen, schmirgeln, ätzen, lackieren: Im Labor von CHT R. Beitlich traktieren Mitarbeiter Jeans mit Sandpapier und Minischleifgerät, besprühen sie mit Farben und Bleichmitteln und stecken sie in riesige Öfen.
„Wir sorgen dafür, dass die Hosen so aussehen, wie es sich die Designer wünschen“, sagt Thomas Aplas, Leiter der Abteilung Jeans & Garment bei dem Spezialchemie-Unternehmen in Tübingen.

Dazu gehören alle erdenklichen Blautöne und andere Farben sowie Gebrauchsspuren wie abgestoßene Saumkanten, helle Stellen an Knien oder Sitzfalten. „Auch Beschichtungen sind gefragt“, ergänzt Aplas. „Der Stoff soll glänzen oder wie Leder wirken.“ Und natürlich sollen diese Effekte lange halten und möglichst viele Waschgänge überstehen.

Bimssteine rauen den Stoff auf

Deshalb arbeiten gut 600 Frauen und Männer im Tübinger Labor und in der nahe gelegenen Produktion an immer neuen Verfahren für die Stoffbehandlung – weltweit sind es 1.700 Mitarbeiter.

Im Testlabor sind die großen, silberglänzenden Waschmaschinen nur zu einem Drittel gefüllt: „Mehr als zehn Jeans darf man nicht reinpacken“, so der Experte. „Sie brauchen Platz und Fallhöhe, um richtig durchgewalkt zu werden. Nur so entstehen die Effekte.“ Die Baumwoll-Stoffe werden mit tiefblauen Indigo gefärbt. Aplas: „Dieser Farbstoff lagert sich ringförmig an die einzelne Faser an, das Innere bleibt ungefärbt.“

Für die „stonewashed Jeans“ kommen eiergroße Bimssteine zu den Hosen in die Maschine: Das raue Material reibt am Stoff, es trägt die oberen Schichten ab und sorgt so dafür, dass die Jeans schon nach nur einer Wäsche gebraucht aussieht. Diese Gebrauchsspuren werden aber nicht nur mechanisch, sondern auch chemisch erzeugt.

Sitzfalten mit Kunstharz fixieren

„Die Jeans werden mit Enzymen gewaschen oder an bestimmten Stellen mit Chlor gebleicht“, erklärt der Chef. Da Enzyme empfindlich sind, müssen Temperatur, pH-Wert und Dauer eines Waschgangs stimmen.

Im Labor entstehen die Rezepte für die Großproduktion: „Dazu probieren wir viel aus“, sagt Aplas. So werden etwa Sitzfalten in die Beine gebügelt und mit einem hauchdünnen Kunstharzauftrag fixiert. Die so präparierte Jeans kommt dann in einen 150 Grad heißen Ofen.

Das Unternehmen arbeitet eng mit Modeschöpfern zusammen: Einzelstücke, die mit dem Know-how veredelt wurden, waren schon bei der Modewoche in New York zu bewundern.

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