Ausbildung im Doppelpack

Schlaues Modell: Darum mögen Firmen und Bewerber das duale Studium

München/Stockdorf/Schweinfurt. Lieber eine Lehre machen oder studieren? Mit dem dualen Studium geht beides. Sogar gleichzeitig: Zur Theorie an der Hochschule kommt eine praktische Ausbildung im Unternehmen, kombiniert mit einem Berufsabschluss vor der Kammer. Das nennt sich dann „Verbundstudium“.

In Bayern wird das Doppel immer beliebter. „Den Firmen, die gut ausgebildete Fachkräfte suchen, hilft es bei der Nachwuchssicherung“, sagt Professor Robert Schmidt, Leiter der Initiative „hochschule dual“ (siehe Interview unten). Die Initiative bündelt die dualen Studienangebote in Bayern. Sie wird von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) unterstützt.

Und die Studenten? Sie lernen beide Seiten kennen: Abwechselnd büffeln sie im Hörsaal und arbeiten im Betrieb mit. So sammeln sie früh Erfahrung im Beruf und haben im Anschluss gute Chancen auf einen Job.

Seit etwa neun Jahren gibt es das duale Studium im Freistaat. Zehnmal so viele Studenten wie beim Start entscheiden sich heute für das Angebot. Zwischen Augsburg und Würzburg sind derzeit etwa 6.300 junge Leute in den rund 160 dualen Studiengängen eingeschrieben. Das Angebot wird laufend erweitert. Typische Metall- und Elektroberufe wie Mechatroniker und Industriemechaniker werden mit technischen Fächern wie Maschinenbau und Informationstechnik kombiniert. Ingenieurwissenschaften sind mit knapp 3.000 dualen Studenten besonders gefragt. Wirtschaftswissenschaften (1.253 Studenten) stehen an zweiter Stelle, gefolgt von Sozial- und Gesundheitswesen (1.222) sowie Mathematik- und Naturwissenschaft (613).

Alles in allem bieten 17 staatliche und zwei kirchliche Hochschulen für angewandte Wissenschaften (früher Fachhochschulen) das duale Studium an. Sie kooperieren dazu mit rund 1.200 Unternehmen, ein Großteil aus der Metall- und Elektroindustrie. Drei Beispiele.

Auf dem Sprung ins Ausland: Max Strobel (21) von Rohde & Schwarz macht Station in Singapur

Einen echten Einblick in den Beruf und „mehr als nur ein Praktikum“. Das wollte Max Strobel aus Ebershausen bei Günzburg. Er studiert Elektro- und Informationstechnik im Verbundmodell. Zusätzlich zur akademischen Ausbildung macht er eine reguläre Lehre als Systeminformatiker bei Rohde & Schwarz, dem Münchner Spezialisten für drahtlose Kommunikation. Im ersten Halbjahr standen Grundlagen der Elektrotechnik auf dem Stundenplan. „Genau wie für die anderen Azubis“, so Strobel. Anschließend arbeitete er sechs Monate in der Entwicklung, bevor es an die Hochschule für angewandte Wissenschaften in München ging. Seitdem wechseln sich Lernen während des Semesters und praktisches Arbeiten in den Semesterferien ab. Gerade hat Strobel ein zweigeteiltes Praxissemester begonnen. Teil eins findet in der Zentrale statt. Teil zwei verbringt der Student in einer Partnerabteilung am Standort Singapur. Der Auslandsaufenthalt ist für ihn „eines der Highlights im dualen Studium“.

Steht kurz vor der Prüfung: Marina Holzmüller (20) lernt bei Webasto Industriekauffrau

„Was ich im Hörsaal lerne, kann ich gleich im Betrieb anwenden.“ Das findet Marina Holzmüller klasse. Die junge Frau aus Mammendorf ist duale Studentin bei Webasto in Stockdorf im Süden von München. Der Hersteller von Dach-, Cabriodach- und Thermosystemen hat gute Erfahrungen mit dem Modell gemacht. „Die dualen Studenten sind viereinhalb Jahre bei uns“, sagt Ausbildungsleiterin Andrea Bodner. „Da entsteht eine enge Bindung.“

Drei bis fünf duale Studenten starten jedes Jahr bei Webasto. Erster Abschnitt ist auch hier die Berufsschule. Im Anschluss sind sie zwei Tage pro Woche an der Hochschule, die übrigen drei im Betrieb. „An den Wechsel habe ich mich schnell gewöhnt“, so Holzmüller. Sie wird bei Webasto zur Industriekauffrau ausgebildet und studiert dazu Betriebswirtschaft an einer Hochschule in München. Im November legt sie ihre Abschlussprüfung als Industriekauffrau ab. Da heißt es „büffeln, büffeln, büffeln“. Die junge Frau ist froh, dass sie abends nicht noch kellnern muss, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Denn Gehalt bekommt sie schon im Studium. Die finanzielle Unterstützung durch den Arbeitgeber ist ein Vorteil, den duale Studenten schätzen.

Weiteres Plus: Die Ausbildung geht schnell. „Wenn ich 23 bin, habe ich zwei Abschlüsse in der Tasche“, so die Studentin, „den Gesellenbrief und einen akademischen Grad als Bachelor.“

Praxis hilft beim Lernen: Michael Gläntz (20) studiert Mechatronik und arbeitet für den Wälzlagerhersteller SKF

Bezug zur Praxis ist für den Mechatronik-Studenten aus Schweinfurt ein entscheidender Vorteil des dualen Studiums: „Man lernt leichter, weil man sich alles besser vorstellen kann“, sagt Michael Gläntz. Beispiel Werkstoffkunde: Im Hörsaal ging’s um die Materialien, in der Produktion von SKF hat er gesehen, wie sie bearbeitet werden, damit daraus ein Wälzlager wird.

Gläntz ist im dritten Semester, hat das Grundstudium mit Mathe, Physik und Elektrotechnik schon hinter sich. Er hat bereits mehrere Abteilungen von SKF kennengelernt. „Man bekommt einen guten Überblick, was man später mal machen will.“

Der Mechatronik-Student wählte ein Modell, bei dem sich Hochschule und Unternehmen genau wie im Verbundstudium gut ergänzen. Das bedeutet für den Studenten ebenfalls viel Praxis im Betrieb, jedoch keine reguläre Berufsausbildung mit Kammerprüfung parallel. So schafft Gläntz das Ganze in sechs Semestern.

Initiative „hochschule dual“

  • Anlauf- und Servicestelle für Firmen und Studenten im dualen Studium, auch international.
  • Zusammenschluss der Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern. Wird getragen vom bayerischen Kultusministerium.
  • Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) gehört zu den Förderern und zeichnet alle zwei Jahre die besten Absolventen aus. Zudem unterstützt sie das Projekt „hochschule dual international“ und dessen Fortführung „Study & Work international – Aus Bayern in die Welt“.
  • Weitere Infos im Internet: hochschule-dual.de

Interview

Professor Robert Schmidt, Leiter der Initiative „hochschule dual“ und Präsident der Hochschule Kempten. Foto: hochschule dual
Professor Robert Schmidt, Leiter der Initiative „hochschule dual“ und Präsident der Hochschule Kempten. Foto: hochschule dual

„Schon früh ins Unternehmen eingebunden“

Mehr als 170 Angebote für Studierende und über 1.000 Partner in der Wirtschaft bietet das duale Studium in Bayern, so Professor Robert Schmidt, Leiter der Initiative „hochschule dual“ und Präsident der Hochschule Kempten.

Warum schätzen Unternehmen die Kombination aus Ausbildung und Studium?

Sie lernen dadurch qualifizierten Nachwuchs kennen. In Zeiten des Fachkräftemangels ist das ein wichtiger Aspekt. Die dualen Studenten sind früh ins Unternehmen eingebunden. Sie kennen die Abläufe und sind nach ihrem Abschluss leicht zu integrieren. Das Modell passt sich zudem flexibel an den Bedarf der Firmen an.

Was gibt’s Neues im Angebot?

Wir bauen das duale Studium Zug um Zug auch auf internationaler Ebene aus. Die bayerische Wirtschaft ist global engagiert und benötigt daher Fachkräfte mit Auslandserfahrung. Das Projekt „Study & Work international“, das die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft unterstützt, macht deutsche Studierende für den Einsatz im Ausland fit. Gleichzeitig holt es akademischen Nachwuchs aus aller Welt zu uns. Wir bauen derzeit eine internationale Praktikumsbörse auf.

Wo liegen für Studierende die Vorteile des dualen Modells?

Als Absolvent kennt man am Ende beide Welten, Hochschule und Betrieb. Dazu kommen gute Kontakte und attraktive finanzielle Unterstützung schon während der Ausbildung und im Studium.

Ist die Doppelbelastung nicht hoch?

Das duale Studium ist anspruchsvoll, gute Noten braucht man schon. Dennoch ist das duale Studium kein Elitestudiengang. Es erfordert hohes Engagement, ist aber mit guter Organisation durchaus machbar.

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