Kosten

Schlaue Tricks gegen teure Energie


Sodawerk Staßfurt nutzt Dampf aus Müll

Auch wenn sie zuletzt wieder etwas nachgaben:  Die rasant gestiegenen Weltmarktpreise für Energie machen vielen Betrieben der ostdeutschen Chemie-Industrie schwer zu schaffen. Hier sind zwei Beispiele für die Belastung – und für überzeugende Antworten der Geschäftsleitung. Denn Jammern hilft ja nichts.

Einem „geologischen Glücksfall“ verdanken die Verantwortlichen beim Sodawerk Staßfurt ihr Geschäftsmodell: Große Vorkommen von Steinsalz und Kalkstein, dazu ein Fluss mit dem für die Produktion benötigten Brauchwasser – und alles beieinander. Seit 125 Jahren wird hier Soda fabriziert, derzeit baut man für rund 40 Millionen Euro die Fertigung aus, von 450.000 auf  600.000  Jahrestonnen.

Der Standortvorteil spricht für sich – bundesweit gibt es nur drei Werke dieser Art. Trotzdem war die Investition gut zu überlegen. Grund: die hohen Energiepreise. „Weit über 40 Prozent unserer Kosten sind Strom, Dampf und feste Brennstoffe“, berichtet Edward Masannek, Betriebsleiter der zum Sodawerk gehörenden Kraftwerkgesellschaft. Dabei hat man viel Geld in das Einsparen von Energie gesteckt und sie auch effizient produziert, mit einem modernen 135-Megawatt-Erdgas-Kraftwerk.

Jeder Gaspreis-Anstieg schlägt beim Sodawerk, das rund 120 Millionen Euro Jahresumsatz anpeilt, gewaltig zu Buche. Dietmar Weber, Leiter Umweltschutz: „Eine wesentliche Voraussetzung für die Investitionen im Sodawerk war deshalb der Bau einer thermischen Restabfall-Behandlungsanlage.“

„Die Zukunft gesichert“

Etwa 150 Millionen Euro hat die Müllverbrennungsanlage gekostet, vom Dienstleistungsunternehmen Remondis direkt neben dem Gelände des Sodawerks neu errichtet. „Damit steht preiswerter Dampf zur Verfügung“, erklärt Weber. Masannek unterstreicht: „Der Energie-Mix aus beiden Kraftwerken sichert die Wettbewerbsfähigkeit der Soda-Produktion für die Zukunft.“

Soda, sogenanntes „calziniertes Natriumcarbonat“, ist eines der vielseitigsten chemischen Grundprodukte. Es wird aus Kalkstein und Steinsalz hergestellt, mit dem energie-intensiven mehrstufigen Ammoniak-Verfahren, das der Sodawerk-Betriebsingenieur Frank Pommerenke so beschreibt: „Eine gesättigte Salzlösung wird mit Ammoniak versetzt, in das Gemisch wird Kohlendioxid eingeleitet, wodurch aus der Lösung sogenanntes Bicarbonat ausgefällt wird.“ Das wird gefiltert, gewaschen schließlich in einem Drehrohrofen zu Soda. Immer wieder muss für die Produktion Energie zugeführt werden.

Reserven reichen für Jahrzehnte

Dank der originellen Antwort der Geschäftsleitung auf die hohen Energiepreise erscheinen die Arbeitsplätze im Sodawerk wieder sicherer. Rund 400 Mitarbeiter und Azubis sind im Werk beschäftigt, hinzu kommen etwa 200 Mitarbeiter bei den umliegenden Partnerfirmen. Und der „geologische Glücksfall“ ist von Dauer: Die Steinsalz- und Kalkstein-Reserven in den unternehmenseigenen Abbaustellen reichen für etliche  Jahrzehnte.

Übrigens: In ihrem wichtigsten Einsatzort, der Glas-Industrie, trägt Soda selbst aktiv dazu bei, Energie zu sparen. Glas wird nämlich zumeist aus Quarzsand gewonnen. Der schmilzt normalerweise erst bei etwa 1.700 Grad Celsius, was viel zu hoch wäre für einen Glasofen. Durch den Einsatz von Soda wird die Glasmasse schon bei 1.450 Grad flüssig.

Uwe Rempe

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