Seefahrt

Schiffsfarbe ist Klimaschutz


Forscher tüfteln an neuen Anstrichen zum Schutz unter der Wasserlinie

Oldenburg/Glückstadt. Vom schneeweißen Deck übers knallrote „No Smoking“-Schild bis hin zum Anstrich unter der Wasserlinie – ohne Schiffsfarben läuft nichts auf hoher See. Sie machen nicht nur die Schiffe bunt, schützen sie vor Rost und sorgen für ein rutschsicheres Deck. Sie verhindern auch, dass aus schnellen Schwänen lahme Enten werden.

Denn sie bieten Schutz vor Muscheln, Seepocken und Algen. Die heften sich als unerwünschte blinde Passagiere an den Rumpf der Schiffe und bremsen sie aus, elegante Kreuzfahrer ebenso wie schwere Container-Riesen. Je nach Fahrtgebiet können sich bis zu 150 Kilogramm kleiner Krebse und Muscheln pro Quadratmeter an Unterschiffen niederlassen.

Das hat Auswirkungen auf Gewicht, Reibungswiderstand und Energieverbrauch der Pötte. Manchmal sind dann fürs gleiche Tempo bis zu 40 Prozent mehr Kraftstoff nötig.

Für die Natur nicht so ohne

Das Mittel dagegen: sogenannte Antifoulings. Doch manche haben’s in sich. „Zum Teil waren das bis vor fünf Jahren noch Farb-Mischungen auf der Basis zinnorganischer Verbindungen“, erklärt Jens Klauer, Vertriebsleiter Schiffsfarben bei der Firma Relius Coatings in Oldenburg, die zur BASF-Gruppe gehört.

Vor allem die Verbindung Tributylzinn, kurz TBT, erwarb sich einen zweifelhaften Ruf: Das Biozid ist giftig und reichert sich in den Sedimenten auf dem Meeresboden an. Seit 2003 ist es verboten. Die EU hat den Einsatz von Bioziden mit einer Richtlinie eingeschränkt; neue Antifoulings brauchen eine Zulassung.

Mittlerweile gibt es bereits einiges an biozidfreien Antifoulings.  Und  die  Hersteller forschen fieberhaft an weiteren Alternativen. Vielversprechend sind die Silikonanstriche. Sie wirken durch ihre glatte Oberfläche. Darauf können sich erst gar keine Lebewesen festsetzen. „Der Belag ist umweltschonender, aber noch wenig erforscht“, weiß Michel Wilckens, Geschäftsführer der Firma Wilckens Farben in Glückstadt. Er baut ebenso wie Relius-Experte Klauer auf die verstärkte Suche nach neuen Unterwasser-Anstrichen.

Forscher testen auch den Lotus-Effekt

Derzeit experimentieren Wissenschaftler mit Silikon, selbst polierenden Anstrichen und sogenannten nano-strukturierten Oberflächen. Die ahmen künstlich den Effekt von Lotus-Blättern nach, auf denen kein Schmutz haften bleibt. Auf diese Weise sollen sie Organismen davon abhalten, sich auf den Schiffsrümpfen niederzulassen.

Bei Antifoulings tut sich also einiges.Berit Bartram, Geschäftsführerin der Fachgruppe Schiffsfarbe im Verband der deutschen Lackindustrie, ist überzeugt: Künftig wird es spezifische Antifoulings geben, die man je nach Einsatzgebiet, Größe und Tempo der Schiffe einsetzt. So lassen sich Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit miteinander verbinden.

Lothar Steckel

 

Info: Der Markt für Schiffsfarben

Der Umsatz von Schiffsfarben hat sich in Deutschland von 2002 bis 2007 verdoppelt. 2007 kauften die Reedereien Farben und Beschichtungen im Wert von 81 Millionen Euro, in diesem Jahr sollen es 5 Prozent mehr sein. Weltweit spielen deutsche Hersteller nur eine untergeordnete Rolle.

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