Digitaler Keramik-Druck

Scharfe Fotos kann man jetzt sogar fliesen


Lahnstein. In Sekundenschnelle schießen die Farben feinst verteilt auf die Keramik-Fliese. Die Düsenköpfe des Druckers berühren dabei nicht einmal ihre Oberfläche. Und schon ist das Bild fertig!

Dank des Digitaldrucks (auch Inkjet-Verfahren genannt) lässt sich jedes Motiv auf Fliesen drucken. Sogar Urlaubsfotos und Gemälde landen in stechend scharfer Qualität auf der Kachel. Die Farben für das raffinierte Verfahren kommen aus Lahnstein vom Spezialchemie-Hersteller Zschimmer & Schwarz.

Die Technologie an sich ist nicht neu – die Herausforderung lag vielmehr darin, sie von Papier auf Keramik zu übertragen. Schließlich wird die bedruckte Fliese im Ofen bei über 1.000 Grad Celsius gebrannt: „Die Farbpigmente müssen also enormen Temperaturen standhalten“, erklärt Michael Hölzgen, Leiter des Geschäftsbereichs Keramik. „Gängige Druckfarben würden verbrennen.“

Inkjet-Farben für Fliesen bestehen deshalb aus feuerfesten anorganischen Pigmenten. Die unlöslichen Farbmittel müssen so fein gemahlen sein, dass sie durch die winzigen Düsen passen. Manche Druckköpfe haben 1.000 davon.

„Uns ist es gelungen, die Pigmente auf wenige Mikrometer zu mahlen“, sagt Hölzgen. Sie sind damit viel feiner als ein menschliches Haar. Spezielle Zusätze verhindern, dass die Pigmente in den Farben verklumpen und sich bei der Lagerung absetzen.

Anwendungstechniker Bastian Rudersdorf testet die Farben im Labor am Digitaldrucker. Ein Computer setzt die exakten Farb­einstellungen für das Design um. Die Gestaltung von Wänden und Böden kennt dabei keine Grenzen: Auch Material-Oberflächen landen täuschend echt auf der Fliese.

Aufgedruckte Maserung lässt sich mit den Fingern ertasten

„Ein Scanner kann Muster so exakt erfassen, dass eine optische Tiefe entsteht“, erklärt Rudersdorf. Keramik sieht dann zum Beispiel aus wie Marmor, Granit oder Holz. Je nach Druckfarbe sind die Maserungen sogar tastbar.

Die Inkjet-Technologie spart in der Fliesenproduktion im Vergleich zum weitverbreiteten Siebdruckverfahren viel Zeit. Insgesamt entfallen etwa 20 Arbeitsschritte wie Testläufe und Korrekturen. Auch ein Umrüsten der Maschine für unterschiedliche Motive ist nicht mehr nötig.

Doch nicht nur für die Herstellung von Farben ist chemisches Know-how ein Muss. Der Lahnsteiner Betrieb liefert chemische Hilfsmittel auch in die Leder-, Chemiefaser- und Kosmetik-Industrie. „Die Zusätze steuern Prozesse, sie machen das Leder geschmeidig oder Fasern glatt“, erklärt Geschäftsführer Erhardt Fiebiger. Dazu zählen Verflüssiger, Bindemittel und Formgeber.

Mehr als 600 Hilfsmittel werden produziert, etwa 140.000 Tonnen im Jahr. Die Rohstoffe werden in Containern angeliefert und weiterverarbeitet. Der Nachwuchs packt hier mit an. Marcel Obermann (19), angehender Chemikant, leitet die Flüssigkeiten in den Produktionskessel. „Ein abwechslungreicher Job“, schwärmt er.

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