Verfahren

Schäume für Träume


BASF entwickelt Anwendungen für Spezialkunststoff

Lemförde. Von oben taucht das Rührgerät in die beige­farbene Flüssigkeit ein, wirbelt sie für ein paar Sekunden durch den Becher und fährt wieder hoch. Dann wird diese Mixtur zähflüssig und steigt

in dem Behälter nach oben wie ein frisches Pils kurz nach dem Zapfen.

Guter Schlaf beginnt im Becher

Ein Besuch im Labor der BASF Polyurethanes im niedersächsischen Lemförde. Was sich da in dem Becher von Katja Wiesner bewegt, ist die Urform für Matratzenschaum. Es entsteht der flexible Spezialkunststoff Polyurethan.

Damit der entstehen kann, reagiert zunächst der Stoff Isocyanat mit Polyol und Wasser. „Unsere Aufgabe ist es, Mischungen für die Matratzen-Hersteller zu entwickeln“, erklärt Chemielaborantin Wiesner. Je nach Mischverhältnis variieren die Eigenschaften der Bettauflagen: Soll die Matratze hart sein oder weich oder besonders elastisch?

Ist eine Viskose-Oberfläche gewünscht? Oder ein Innenleben aus nachwachsenden Rohstoffen? Die Forscher und Entwickler kreieren, was der Kunde wünscht.

Die Rezepturen, die sie im Labor entwickeln, probieren die Ingenieure und Chemietechniker in größeren Maßstäben aus. Während Wiesner Schaum in einem Becher produziert, stellen Mitarbeiter im Technikum ganze Blöcke in großen Formen her. Ein Meter breit, zwei Meter lang.

„Wir machen anwendungstechnische Tests für unsere Kunden in der Industrie“, erklärt Michael Klemm. Er ist zuständig für die Schäumprozesse. Gemeinsam mit seinen Kollegen bedient er Maschinen, die literweise Polyol und Isocyanat in eine Form laufen lassen.

Der gelernte Chemielaborant hat nach seiner Lehrzeit eine Zusatzausbildung zum Chemietechniker gemacht. „Hier kann ich die Arbeit an den ganz großen Maschinen mit der Schaumentwicklung verbinden“, sagt er. „Und ich staune immer wieder, wie viele verschiedene Eigenschaften der haben kann.“

Wandelbares Material in unserem Alltag

Ob die Eigenschaften des Polyurethans auch auf Dauer Bestand haben und den Kundenwünschen entsprechen, testet Sonja Hofmeyer. Die Leiterin des Prüflabors lässt eine Kugel auf ein Stück Schaum fallen und registriert die sogenannte Rückprallhöhe. „Damit stellen wir fest, wie elastisch das Schaumstück ist.“ Hofmeyer untersucht den Schaum unter anderem auf Härte, Druckspannungs- und Verformungseigenschaften sowie auf Reißfestigkeit.

Wenn alle Werte stimmen, werden die richtigen Mischungen an Matratzen-Hersteller geliefert. Weltweit hat Polyurethan, (kurz PU) nur einen Anteil von 6 Prozent am Kunststoff-Verbrauch. PU steckt nicht nur in Matratzen, sondern unter anderem auch in Lenkrädern, Kühlschränken, Schuhsohlen, Kabelummantelungen oder Dachdämmung.

BASF Polyurethanes bietet  Mischungen, die sogenannten PU-Systeme, für mehrere Tausend Produkte an. Individu- ell nach Kundenwunsch gefertigt.

„Wir sind ständig darauf bedacht, Ideen zu entwickeln, wo und wie man den Stoff noch einsetzen  kann“, erklärt René Sutthoff von BASF Polyurethanes. Resultate sind dann zum Beispiel Innovationen, wie PU als Küstenschutz auf dem Deich oder als integrierte Dämmung im Stein. Auf Matratzen liegt es sich allerdings komfortabler.

 

Vielseitig einsetzbar

Der Kunststoff Polyure­than (PU) steckt in unzähligen Gegenständen, die uns im Alltag begegnen. Es gibt ihn hart oder weich, elastisch oder stabil. Forschung und Entwicklung suchen permanent nach neuen, effizienten Einsatzmöglichkeiten. 

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