Deutsche Technik für Hochwasserschutz

Schaeffler liefert Gleitlager für riesige Fluttore vor Venedig

Venedig/Herzogenaurach. Es ist eine technische Meisterleistung, mit der Venedig seine berühmte Altstadt vor Hochwasser schützen will: 78 riesige Stahl-Barrieren sollen bei Flut die Lagune der Stadt vom Mittelmeer abriegeln. Sie sind jeweils so groß wie vier Einfamilienhäuser und können die drei Zugänge zur Adria komplett schließen.

Bedingungen unter Wasser schwierig

Der Name dieses Hochwasserschutz-Projekts lautet „Mose“. Es soll frühestens 2016 einsatzbereit sein. Das Prinzip: Die Fluttore liegen flach auf dem Meeresboden, klappen aber auf, wenn sie mit Pressluft gefüllt werden.

Dreh- und Angelpunkt des Systems sind 156 Scharniere, sie verbinden die Barrieren mit ihren Fundamenten. Die Gleitlager für diese wichtigen Bauteile liefert das Industrieunternehmen Schaeffler in Herzogenaurach nahe Nürnberg.

Die Franken haben eng mit norditalienischen Partnern zusammengearbeitet, um das ambitionierte Vorhaben in die Tat umzusetzen. „Die größte Herausforderung dabei war es, die Zuverlässigkeit der Lager unter Wasser zu gewährleisten“, sagt Francesco Capittini, der für Schaeffler das Mose-Projekt in Venedig betreut.

Die Anforderungen an die Speziallager sind hoch. Und auf sie muss über Jahre hinweg Verlass sein – „trotz der Schwingungen, die das Meer erzeugt, trotz des vielen Sandes und trotz des teils von den Schiffen verschmutzten Wassers“, erklärt Schaeffler-Ingenieur Capittini.

Für die Fundamente der Fluttore wurden bereits Gräben mit 14 Meter Tiefe und 50 Meter Breite ausgebaggert. Insgesamt sind sie rund 1,5 Kilometer lang. Auch die ersten Barrieren sind schon montiert. Ein Spezialschiff hatte sie zuvor im Wasser versenkt.

Bis alles fertig ist, müssen die meisten Tore allerdings noch installiert werden – zum Teil 20 Meter unter der Wasseroberfläche. Das ist wichtig, damit auch große Schiffe über sie hinweg fahren können und damit der Wasseraustausch zwischen Meer und Lagune nicht gestört wird.

Der Pegel darf um zwei Meter steigen

Werden die Zugänge dann bei Gefahr geschlossen, ist die Lagune komplett abgeriegelt. Zwei Meter Hochwasser lassen sich so aufhalten. Im Notfall könnten es eventuell auch mehr sein.

Die Kosten für das gesamte Mose-Projekt werden am Ende deutlich über 5 Milliarden Euro liegen. Aber die Investition dürfte sich lohnen. Denn die Zahl der Hochwasser hat zuletzt zugenommen. Der Meerespegel in Venedig stieg im vergangenen Jahrhundert um rund 25 Zentimeter. Experten erwarten bis zu einen weiteren halben Meter in den kommenden 100 Jahren.


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