Funkenflug im Stahlwerk

Sauerstoff von Linde lässt Eisen schmelzen

1.300 Tonnen Sauerstoff pro Tag produziert der Luftzerleger des Gase-Spezialisten Linde in Eisenhüttenstadt. Drei Viertel davon gehen an ein nahe gelegenes Stahlwerk: Man braucht ihn im Hochofen für die Eisenschmelze.

Feuerwerk: Abstich am Hochofen 5A bei ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt. Foto: Werk

Feuerwerk: Abstich am Hochofen 5A bei ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt. Foto: Werk

Langer Lulatsch: Die „Coldbox“ des Luftzerlegers von Linde ist 62 Meter hoch. Foto: Werk

Langer Lulatsch: Die „Coldbox“ des Luftzerlegers von Linde ist 62 Meter hoch. Foto: Werk

Eisenhüttenstadt. Es zischt und faucht ohrenbetäubend, die Funken fliegen: Abstich am Hochofen 5A, das weit über 1.000 Grad Celsius heiße Roheisen fließt. Alltag im Stahlwerk von ArcelorMittal im brandenburgischen Eisenhüttenstadt. 1,7 Millionen Tonnen Flachstahl produzieren die 2.700 Beschäftigten hier im Jahr, beispielsweise für die Automobil-Industrie.

Unabdingbar für die Eisenschmelze im Hochofen ist Sauerstoff. Der aus der Umgebungsluft reicht nicht, deshalb strömt über Rohre zusätzlicher Sauerstoff zur Anreicherung der Prozessluft in den Hochofen. Das Gas kommt vom nagelneuen und nur drei Kilometer entfernten Luftzerleger des Industriegase-Produzenten Linde.

1.300 Tonnen Sauerstoff täglich produziert

Rund 85 Millionen Euro hat Linde in die „ausgesprochen energieeffiziente Anlage“ investiert, berichtet Erik van Deursen, Standortleiter von Linde Gase in Leuna (Sachsen-Anhalt) und verantwortlich für die Produktion in der Region Deutschland Ost. „Sie produziert rund um die Uhr 1.300 Tonnen Sauerstoff am Tag, drei Viertel des Gases bekommt das Stahlwerk.“ Seit Jahresbeginn arbeitet die Anlage, die aus dem Remote Operations Center (ROC) in Leuna fernüberwacht wird, im Juni wurde sie eingeweiht. Sie versorgt das Stahlwerk auch mit Stickstoff.

Grund für die Investition: ArcelorMittal baut aus, benötigt auch zur Reduzierung der CO2-Emissionen mehr Industriegase. Die Modernisierung der zwei bis dahin genutzten kleineren Luftzerleger wäre für Linde Gase unwirtschaftlich gewesen, deshalb wurde neu gebaut. „Das sichert auch die Arbeitsplätze der 21 Mitarbeiter vor Ort, denn die Investition ist durch einen langfristigen Liefervertrag abgesichert“, betont van Deursen.

Die Luftzerlegungsanlage ist ausgesprochen leistungsfähig: Sie hat eine Nennleistung von rund 30.000 Normkubikmetern gasförmigem Sauerstoff pro Stunde. Zudem kann sie mehr als 500 Tonnen der Flüssiggase Sauerstoff, Stickstoff und Argon pro Tag produzieren. „Deshalb nutzen wir die Anlage auch als große, energetisch günstige Flüssigquelle zur regionalen Versorgung“, sagt van Deursen.

Künftig medizinische und Lebensmittel-Gase

Die in Eisenhüttenstadt hergestellten Gase genügen höchsten Qualitätsansprüchen. Insofern können aus Brandenburg künftig auch medizinische Gase sowie Lebensmittelgase ausgeliefert werden.

Die Lieferbeziehungen zwischen Linde und dem Stahlwerk sind übrigens nicht einseitig: Dampf und Kühlwasser bezieht der Luftzerleger direkt von ArcelorMittal. Auch das trägt zur Energieeffizienz und zum Umweltschutz am Standort bei.


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