Innovation

Sauberer Zeitungsdruck dank Nanoteilchen


FEW Chemicals entwickelt ganz besondere Beschichtungen

Bitterfeld-Wolfen. Still ist es in der Werkhalle der FEW Chemicals. Die Mehrfach-Synthese-Anlage in Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) blubbert vor sich hin. Nach Arbeit sieht das nicht aus. Doch dieser Eindruck täuscht.

„Wir stellen gerade Nanoteilchen für eine Leichtreinigungsschicht her“, berichtet Chemikant Robin Schwanengel. „In einem Lösungsmittel verbinden sich unter streng kontrollierten Bedingungen die Moleküle der Ingredienzien nach und nach zu neuen Teilchen“, erklärt er stark vereinfachend. Die Teilchen sind nur wenige Nanometer groß und schwimmen in einem flüssigen Medium.

Kleine Teilchen, große Wirkung

Dieses „Sol-Gel“ ist vor einigen Jahren für die Heidelberger Druck AG entwickelt worden. Es verhindert dank seiner Antihaft-Eigenschaften, dass Druckmaschinen durch die noch feuchte Farbe der Druckbögen schnell verschmutzen. Die Schicht wird einfach aufgesprüht und bleibt nach dem Trocknen lange Zeit stabil. Sie verträgt zum Beispiel Hitze oder scharfe Reinigungsmittel.

„Das spart Kosten, weil die Maschine weniger oft zur Reinigung abgestellt werden muss“, erklärt Heinz Mustroph, FEW-Geschäftsführer. „Zudem macht das Nano-Sol das Putzen viel leichter.“ 

Funktionelle und fluoreszierende Nanoschichten, Nanofarbstoffe, Nanolacke oder Nanozusätze für andere Anwendungen sind das Spezialgebiet der FEW Chemicals mit 40 Mitarbeitern. Was ist das Besondere an diesen kleinen Teilchen? 

„Material in dieser Größe bekommt völlig andere Eigenschaften“, sagt Mustroph. Er nennt ein Beispiel: „Silber verändert im Nanobereich sein Aussehen, es wird schwarz.“ Diese neuen Eigenschaften der Teilchen gelte es für Produkte zu nutzen. 

Mehr verraten will der Chef allerdings nicht. Schließlich hat er sich seinen Kunden gegenüber zur Geheimhaltung verpflichtet.

Mustroph hat die Firma 1997 gegründet. Anfangs war FEW mit wenigen Mitarbeitern vor allem als Dienstleister tätig, entwickelte Produkte und Verfahren für Kooperationspartner.

Doch schon 2004 konnte im neuen Produktionsgebäude mit der Großfertigung eigener Entwicklungen begonnen werden. Die nötigen Investitionen konnte der Betrieb dank der erfolgreichen Auftragsarbeiten stemmen. Und es gab viele eigene Ideen – etwa Farbstoffe für digitale Druckplatten, CDs und DVDs. Doch es gibt noch viel mehr Produkt-Ideen bei FEW Chemicals.

Ideen müssen sich auch rechnen

Etwa für kratzresistente Lackschichten im Automo­bilbau. „Der Vorteil, den ein neues Produkt dem Kunden bringt, muss sich in Euro und Cent ausrechnen lassen“, betont Mustroph: „Das ist die Bedingung dafür, dass wir eine Entwicklung überhaupt angehen.“

Und er setzt auf Ausbildung. So haben gerade wieder zwei Jugendliche eine Ausbildung zum Chemikanten begonnen.

 

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang