Investitionen

Saubere Sache im Sauerland


Wie ein Betrieb mit mehr Umweltschutz neue Kunden locken will

Der Wald ist gleich hinter den Fabrikmauern, und an den Hallen vorbei plätschert ein Fluss. Er treibt eine Wasserturbine an. Gut ein Fünftel ihres Strombedarfs produzieren die Walzwerke Einsal selbst – und das im Einklang mit der Natur. Ab 2011 soll auch der Rest aus erneuerbaren Quellen kommen. „Der Wechsel zum Ökostrom ist nicht einmal teuer“, sagt Geschäftsführer Bodo Reinke.

Das Geschäft der Firma im sauerländischen Nachrodt ist das Walzen und Ziehen von Edelstahlstäben und -drähten. Das verschlingt viel Energie. „Wir geben jährlich um die 3 Millionen Euro für Strom und Gas aus“, so Reinke. Und weil der Ökostrom nicht viel mehr kostet als der konventionelle, ist ihm das recht. „Wir lieben unsere Natur.“ Mitarbeiter Dietmar Sperling stimmt zu: „Wir arbeiten und tun gleichzeitig etwas für die Umwelt.“ In seinem Ofen werden die Stäbe erhitzt, damit sie sich walzen lassen.

Sein Arbeitgeber liefert Stäbe für Turbinenschaufeln ebenso wie Sonderprofile für Werkzeuge und Türschlösser. Auch Maschinenbauer sind Kunden.

Wie der Topf auf dem Herd

Um die Umwelt noch mehr zu schonen und die Kosten zu senken, arbeitet die Firma mit Hochdruck an der Einführung einer neuen Technologie, die in der Zieherei zum Einsatz kommen wird. Diese soll 100.000 Kubikmeter Gas und 50.000 Kilowattstunden Strom im Jahr sparen. Damit ließen sich bis zu zehn Einfamilienhäuser heizen und beleuchten.

Aber wie wird aus einem  dünnen Stab ein gezogener Stab mit Profil? Bei der klassischen Methode geht das so: Die Edelstahlstäbe werden in ein 70 Grad heißes Beschichtungsbad getaucht und dabei mit einem hauchdünnen Salzfilm überzogen. Er dient als Gleitschicht. Dann werden die Stücke vorne angespitzt und mit großer Kraft durch die Öffnung eines Werkzeugs gezogen. Diese Matrize gibt ihnen die Profilform.

„Stahl im Wasser zu kochen, kostet viel Energie“, so Reinke. In der neuen Anlage läuft das Metall stattdessen durch eine Stromspule, die ein Magnetfeld erzeugt: Der Stab wird wie ein Topf auf dem Induktionsherd punktgenau erhitzt und gleichzeitig mit flüssigen Beschichtungsmitteln besprüht. So fällt die Beschichtung dünner und gleichmäßiger aus.

Der Betrieb entwickelte das Projekt zusammen mit der Effizienz-Agentur NRW, einer Initiative des Landesumweltministeriums. Sie hat bisher in mehr als 1,000 Fällen kleinen und mittleren Betrieben geholfen, Energie und Material umweltschonend einzusetzen. Die Walzwerke investieren 2,5 Millionen Euro, 78.0000 Euro davon kommen aus dem Umweltinnovationsprogramm des Bundes.

„Ohne die Förderung hätten wir die Anlage nicht realisieren können“, sagt Reinke, denn rechnen würde sie sich erst nach etwa zehn Jahren. Bei aller Liebe zur Natur, die Firma müsse wirtschaftlich denken. Besonders nach dem Krisenjahr 2009. Erst seit März läuft der Betrieb wieder ohne Kurzarbeit.

Mit Öko gepunktet

Die Investition soll auch neue Märkte eröffnen. Reinke: „Damit werden wir eine ganz feine Oberfläche erzeugen können.“ Ideal also für medizinische Werkzeuge und Implantate oder Ventile für die Hochdrucktechnik.

Vertriebsfachmann Falk Wessel hat gerade einen Vertrag mit einem Wasserwerk-Betreiber ausgehandelt: für Nadelwehreisen, die sein Arbeitgeber ebenfalls herstellt. Die ovalen Rechenstäbe halten Fische von der Turbine fern, ohne das Wasser zu stauen. Das Konkurrenzprodukt sei billiger, aber ökologisch nicht so sauber gewesen. Wessel: „Immer mehr Kunden sind in dieser Hinsicht sehr empfindlich.“

 

Info: Walzwerke Einsal GmbH

Das traditionsreiche Familienunternehmen in Nachrodt stellt Warm- und Kaltwalzprodukte, blankgezogenes Flach- und Vierkantmaterial sowie Sonderprofile her. Kunden der Walzwerke Einsal sind Auto-Industrie, Maschinen- und Schiffsbauer, die Luftfahrt-Branche sowie Unternehmen der Energie-, Umwelt- und Medizintechnik. Die Firma hat 300 Mitarbeiter, darunter 23 Azubis.

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