Maschinenbau

Sanfte Riesen


Mit Servopressen erobert Schuler die Auto-Industrie

Göppingen. Bis zu 450 Tonnen bringen sie auf die Waage, die Pressen, die in den Werkhallen bei Schuler produziert werden. Allein der Stößel, der am Kopfstück eines solchen Riesen hängt, wiegt 80 Tonnen.

Schuler-Technologie schafft es, diese enormen Kräfte punktgenau zu steuern. Mit Servotechnik ist es möglich, aus hartem, bis zu 4 Millimeter dickem Stahl feinste Präzisionsteile zu stanzen.

„Servopressen lassen sich stufenlos regulieren. So verhindern wir, dass bei kritischen Umformprozessen das Material beschädigt wird“, sagt Klaus Zeller, Werkleiter in Göppingen, dem Stammsitz des Unternehmens.

Chancen in China sind größer als die Risiken

Außer in der Servotechnik, die zum Bereich der Automobil-Technik gehört, besetzt Schuler sieben weitere Technologiefelder und ist in zehn Marktsegmenten aktiv. Dazu zählen Pressen für Getränkedosen oder für die Fertigung von Großrohren.

Rund 80 Prozent des Umsatzes macht der Maschinenbauer allerdings mit der Automobil-Industrie. Und da spielt die Musik in China, dem heute schon größten Pkw-Produzenten: „An China führt kein Weg vorbei“, sagt Vorstandschef Stefan Klebert, der seit Oktober 2010 an der Spitze des Konzerns steht. Trotz der Furcht vor Plagiaten hält er „die Risiken, nicht nach China zu gehen für größer, als diejenigen, die sich vor Ort ergeben“.

Zum Wachstumsprogramm, das Klebert dem jahrelang schwächelnden Unternehmen verordnet hat, gehört deshalb der Ausbau des chinesischen Werks in der Hafenstadt Dalian von 5.000 auf 16.000 Quadratmeter. Hier will das Unternehmen unter anderem große Pressen montieren lassen. Denn die Logistikkosten für den Transport einer Presse nach China sind enorm hoch. Für Klebert ist daher klar: „Der klassische Export funktioniert in so einem großen Markt nicht mehr.“

Die Strategie geht auf: Das Ziel, den Umsatz bis zum Geschäftsjahr 2013/2014 auf 1,2 Milliarden Euro zu steigern, erreicht die Schuler-Gruppe bereits in der laufenden Periode. Auch die Profitabilität liegt schon fast bei den angepeilten 10 Prozent.

Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht: Die Auftragsbücher des Maschinenbauers sind prall gefüllt. Mit 1,22 Milliarden Euro erreichte der Auftragsbestand im ersten Halbjahr des Geschäftsjahrs 2011/2012 einen Rekordwert. „Wir sind Weltmarkt- und Technologieführer“, betont Klebert. Diese Vorreiter-Position müsse das Unternehmen halten, damit es in Asien auch künftig „das Sagen habe“.

Neuer Großaktionär steigt ein

Schon heute macht der Pressenhersteller ein Drittel seines Umsatzes in China und will nach dem Werkausbau in Dalian dort weiter zulegen.
Allerdings unter anderen Vorzeichen: Nach 173 Jahren trennte sich die Gründerfamilie Ende Mai vom Unternehmen. Der österreichische Maschinenbaukonzern Andritz stieg als neuer Großaktionär bei Schuler ein und will das Unternehmen mit seinen weltweit 5.300 Mitarbeitern vollständig übernehmen.

Klebert ist indessen überzeugt: „Unser Know-how bleibt global gefragt.“

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