Prozess auf höchstem Niveau

Salzgitter Flachstahl hat ein neues Hightech-Gießverfahren entwickelt

Leicht, extrem fest, gut verformbar – das sind die Eigenschaften eines neuen Hochleistungsstahls, der für Auto- und Maschinenbau interessant ist. Das Besondere daran: Salzgitter Flachstahl fertigt ihn mit einem innovativen Verfahren.

Glühende Masse: Gut 1.500 Grad heiß ist der Stahl in der Gießpfanne. Foto: Wächter

Glühende Masse: Gut 1.500 Grad heiß ist der Stahl in der Gießpfanne. Foto: Wächter

Betriebsdirektor Peter Juchmann: Neue Technik ermöglicht neue Spitzenstähle. Foto: Wächter

Betriebsdirektor Peter Juchmann: Neue Technik ermöglicht neue Spitzenstähle. Foto: Wächter

Peine. Es ist angerichtet: Gespannt blicken die Arbeiter in ihren silberfarbigen Schutzanzügen auf die riesige Gießpfanne. Aus ihr strömt ein gut 1.500 Grad heißer, glühender Flüssigstahl über eine Verteilerrinne auf das Förderband einer zwölf Meter langen Maschine. Diese sogenannte Bandgießanlage ist eine Weltneuheit und das Herzstück eines innovativen Gießverfahrens für Stahl.

Die Technik entwickelt haben die Salzgitter Flachstahl, der Maschinenbauer SMS und die Uni im niedersächsischen Clausthal-Zellerfeld. Im Werk Peine wird sie getestet, wie Peter Juchmann, Betriebsdirektor bei Salzgitter, erläutert. „Das Besondere an dem Gießverfahren – es bewegt sich alles horizontal, wie bei einem Fließband an der Supermarktkasse.“

Während beim herkömmlichen Stranggießen der heiße Stahl von oben durch die Form strömt und bis zu 50 Zentimeter dicke Stränge bildet, wird er nun waagerecht auf ein wassergekühltes Förderband geleitet.

Das hat klare Vorteile: Die entstehenden Bänder sind nur 1,5 Zentimeter dünn. Die Schmelze kühlt viel schneller ab; dadurch bildet sich eine sehr feine Gussstruktur mit hoher Qualität. „Auf diese Weise kann man Hochleistungsstähle fertigen, die im konventionellen Verfahren nicht herstellbar sind“, erklärt Dirk Austermann vom Anlagenbauer SMS.

Ein besonders hoher Mangananteil sowie Silizium und Aluminium prägen die Eigenschaften der Legierung. Sie ist leicht. Und sie bietet höchste Festigkeit plus gute Verformbarkeit. „Diese beiden Eigenschaften lassen sich bisher nur auf Kosten der jeweils anderen verbessern“, sagt Betriebsdirektor Juchmann. Jetzt ist beides zugleich möglich.

Die Qualität ist interessant für Auto- und Maschinenbau

Vor allem für Auto- und Maschinenbau ist der Werkstoff („HSD-Stahl“) interessant. Stichwort Leichtbau: Der gut formbare Stahl erleichtert das Karosseriedesign ohne Abstriche an der Stabilität. Bei großflächigem Einsatz in Autos beispielsweise könnten hierzulande 18 Millionen Liter Sprit pro Jahr gespart werden.

Auch die Produktion schont die Umwelt: Die dünnen Stahltafeln lassen sich leichter walzen als die dicken Stränge. Geschieht das gleich nach dem Gießen, rauscht der Energieverbrauch bei diesen Arbeitsschritten um bis zu 60 Prozent in den Keller.

Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt innerhalb der Hightech-Strategie der Bundesregierung. Neue Spitzenstähle, so Juchmann, entscheiden mit über die Zukunftsfähigkeit der Branche.


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