Von Generation zu Generation

Sachsenröder & Dr. Schnell: Wie Familienunternehmen die Chemie-Branche stärken

Wuppertal. Dirk Sachsenröder führt seit 19 Jahren die Firma Sachsenröder in Wuppertal, die sein Urgroßvater 1881 an der Wupper gegründet hat. Familienbetriebe wie dieser gehören zum Rückgrat der deutschen Wirtschaft: Sie beschäftigen mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft und tragen zu über 42 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Sachsenröder stellt einen Kunststoff (Duroplast) aus Pflanzenfasern her sowie Vulkanfiber. Letzteres ist ein Verbundmaterial aus Zellstoff: Die Methode hat ein Vorfahre vor über 100 Jahren erfunden und die Firma damit zum Weltmarktführer gemacht. Aus mehreren Lagen Papier entsteht mithilfe von Schwefelsäure eine feste, flexible Folie. Auf dieser Basis entwickelt die Firma neue Produkte, etwa spezielle Folien für Röntgen-Platten.

Der Chef fühlt sich der langen Tradition verpflichtet – obwohl er sich die Last anfangs nicht aufbürden wollte: „Ich kannte ja den harten Alltag meines Vaters.“ Andererseits wollte er etwas „unternehmen“. Und dann waren da noch die Mitarbeiter: „Viele kannte ich ja seit meiner frühesten Jugend.“ Für die fühlte er sich verantwortlich. Heute zählen einige von deren Kindern bereits zu den knapp 75 Mitarbeitern.

Um die fehlende Forschung und Entwicklung auszugleichen, initiierte Sachsenröder das Wuppertaler Innovationslabor und band gleich noch die örtliche Uni mit ein. Dennoch – ein hohes Risiko bleibt ein Familienunternehmen immer. Ein Beispiel: Für Firmenschulden haftet der Inhaber persönlich.

„Der Staat bürdet Mittelständlern zudem viel unnötige Verwaltungsarbeit auf“, moniert der Unternehmer. Auch sei die Weitergabe von Firmenanteilen „extrem komplex“ geworden. Wie soll man da den Nachwuchs begeistern? Davon aber hängen gut vier Millionen Arbeitsplätze ab: Rund 580.000 Firmen suchen in den nächsten zwei Jahren einen neuen Chef, so die Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Gelungen ist das der Münchner Chemiefirma Dr. Schnell, Spezialist für professionelle Reinigungs-, Desinfektions- und Hautpflegemittel. Im Lauf von zwei Jahrhunderten hat der Generationswechsel schon sechsmal geklappt. Heute führt Thomas Schnell den Betrieb mit rund 280 Mitarbeitern. Vater und Sohn nahmen sich für die Übergabe 2013 reichlich Zeit: Sieben Jahre lang teilten sie sich die Aufgaben in der Geschäftsführung.

„Wie gut, dass er Jura studiert hat“, sagt Wolfgang Schnell, selbst promovierter Chemiker, über seinen Ältesten. Im Tagesgeschäft mischt der Senior nun nicht mehr mit, aber „strategische Entscheidungen besprechen wir grundsätzlich gemeinsam. Sein Erfahrungsschatz ist unerhört wertvoll“, bestätigt Thomas Schnell. Manchmal flogen auch die Funken, aber die gemeinsamen Werte und das Wohl des Unternehmens wogen mehr: In den Jahren der Doppelspitze stieg der Umsatz um 100 Prozent auf über 50 Millionen Euro.


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