Gesundheitsförderung im Betrieb

Rundum fit bleiben: Wie Turbinen-Hersteller Alstom dabei hilft

Bexbach. Herzhaft beißt Riccardo Sartori in einen Apfel, den er aus einem großen Plastikkorb genommen hat: „Schmeckt gut“, sagt der Maschinenbediener lächelnd. Und widmet sich wieder der Schaufelherstellung für Turbinen bei Alstom Power. Der Apfel kostet nichts: Gratis-Obst für die 260 Köpfe zählende Belegschaft des Werks im saarländischen Bexbach ist eine von vielen Maßnahmen der Firma zur Gesundheitsförderung.

„Besonders in der Industrie hat sich da in den letzten Jahren enorm viel getan“, betont Christiane Flüter-Hoffmann, Expertin für Personalpolitik im Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). „In der Metall- und Elektro-Industrie fördert nach unserer Schätzung inzwischen deutlich mehr als die Hälfte der Betriebe die Gesundheit der Mitarbeiter mit ganz konkreten Maßnahmen.“

Heben und Bücken sind passé – Ideen der Mitarbeiter gefragt

Wie detailliert da oft gedacht wird, zeigt gut das Beispiel Alstom. „Sicherheit und Gesundheit haben bei uns allerhöchste Priorität“, versichert Personalleiter Frank Edelmann. Er achtet nicht nur streng auf den Arbeitsschutz, sondern auch aufs Allgemeinbefinden. So gibt es etwa kostenlose Testkits zur Darmkrebs-Vorsorge, Gesundheitstage und „Fit-Mahlzeiten“, die auf Wunsch in der Kantine extra zubereitet werden.

Schwere Teile heben ist längst passé: „Dafür haben wir überall Hebevorrichtungen“, erklärt Patrick Schneider, der für die Sicherheit im Betrieb zuständig ist. Auch das Bücken wird vermieden, zum Beispiel durch hohe Palettentische. Mit dem Erreichten gibt man sich aber nicht zufrieden. Regelmäßig füllen die Mitarbeiter Fragebögen über mögliche Gesundheitsgefährdungen aus.

Anregungen werden dann zeitnah umgesetzt. Zum Beispiel: eine spezielle Schleuse, die vor Zugluft schützt. „Es fahren viele Gabelstapler in die Produktion, dabei kommt kalte Luft herein“, erklärt Schneider. „Wer dann im Zug steht, hat schnell eine Erkältung.“ Inzwischen schützt eine Schleuse aus zwei Rolltoren die Leute in der Halle. „Man spürt nicht den leisesten Hauch“, bestätigt Aushilfskraft Corinna Liefke, die nahe des Tores Schaufelteile poliert.

Ungewöhnlich muten die Raucherkabinen an. Zum einen schützen sie die Nichtraucher vor dem Qualm. Zum anderen schützen sie aber auch die Raucher selbst: „In der Luft sind produktionsbedingt Aerosole“, sagt Schneider. „Für die Atemluft ist das unschädlich. Aber inhaliert man sie durch die Glut beim Rauchen, wäre das ungesund.“

Am liebsten sähe er es natürlich, wenn gar keiner mehr zum Glimmstängel griffe. Der Betrieb hat daher auch Raucherentwöhnungskurse im Gesundheitsprogramm.

Des Weiteren gibt es Betriebssportgruppen für Fußball und Mountainbike. „Zusammen ist der Spaßfaktor höher“, findet Patrick Friemer aus der Fertigung, der in der Biker-Gruppe dabei ist. Die radelt alle zwei Wochen 30 bis 45 Kilometer. Auch ein Lauftreff ist im Gespräch.

„Seit November haben wir zudem eine kostenlose betriebliche Sozialberatung“, berichtet Personalchef Edelmann. Wenn Schwierigkeiten bei der Arbeit oder private Dinge wie Ehestreit, Schulden und Suchtprobleme auf die Seele drücken, können die Alstom-Leute diese Hilfe anonym in Anspruch nehmen.


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