Fast 40 Jahre im Werk

Roland Schitter treibt bei Michelin die Digitalisierung voran

Seit fast 40 Jahren arbeitet Roland Schitter (57) beim Reifenhersteller Michelin in Karlsruhe. Wie der Leiter Technisches Büro den Übergang vom Reißbrett zur hochmodernen SPS-Steuerung meisterte, lesen Sie hier.

Daten: Sie entnimmt Roland Schitter den Sensoren genauso wie den Papiernotizen. Foto: Sandro

Daten: Sie entnimmt Roland Schitter den Sensoren genauso wie den Papiernotizen. Foto: Sandro

Daten: Sie entnimmt Roland Schitter den Sensoren genauso wie den Papiernotizen. Foto: Sandro

Daten: Sie entnimmt Roland Schitter den Sensoren genauso wie den Papiernotizen. Foto: Sandro

Karlsruhe. Mails checken, den Stand der Produktion am PC abrufen und sich dabei gleich mal über den Zustand der Anlagen informieren – so beginnt der Tag von Roland Schitter (57), Leiter Technisches Büro beim Reifenhersteller Michelin in Karlsruhe (1.200 Mitarbeiter am Standort). 38 Jahre ist er bereits im Unternehmen und immer noch vom Job begeistert: „Zum Überleben brauchen wir ständigen Fortschritt. Das ermöglicht nur die Technik – genau mein Ding.“

Besonders die Digitalisierung fasziniert ihn – beruflich wie auch privat. So fährt der gebürtige Franzose zum Beispiel täglich gut 50 Kilometer aus seinem Heimatort bei Hagenau im Elsass zur Arbeit. Im Auto sorgen Navi, Regensensor und Einparkhilfe für Komfort: „Den dicken Michelin-Autoatlas benutze ich schon lange nicht mehr“, sagt Schitter. Und greift zum Smartphone, seinem ständigen Begleiter. Aber noch mehr als die komfortablen Errungenschaften im Alltag interessieren ihn die Einsatzmöglichkeiten der Digitalisierung für seine Arbeit.

Von handgezeichneten Plänen zur SPS-Steuerung

Mit zwölf Kollegen konstruiert und wartet der Automatisierer alle Maschinen, die zur Produktion nötig sind, denn kaufen kann man sie nicht. „Reifen werden gewalkt, gezogen, geschnitten, gewickelt, gekocht und geprüft“, fasst Schitter den Ablauf zusammen, „für jeden Vorgang braucht man eigene Anlagen.“ Via Internet kann er auf alle Konstruktionspläne der weltweiten Standorte zugreifen, das sei „einfach genial“.

Mussten die Kollegen vom Werkzeugbau früher noch am Zeichenbrett alle Teile entwerfen und von Hand sägen und feilen, helfen ihnen heute Computer und CNC-Maschinen bei der Aufgabe. Er selber hat vor Jahrzehnten noch von Hand Elektropläne gezeichnet und die mit Tinte gemalten Linien bei Änderungen mit einer Rasierklinge weggekratzt. Heute arbeitet er nur noch mit Computern, die eigens für Steuerungsaufgaben entwickelt wurden (SPS): „Anders wäre eine moderne Fertigung auch nicht funktionsfähig!“

Mittlerweile betreut Schitter mit seinem Team rund 200 verschiedene Maschinen am Standort. Aktuell laufen dort pro Jahr 1,8 Millionen Leicht-Lkw-Reifen vom Band. Interessant ist alles, was Kundennutzen, steigende Produktivität und verbesserte Abläufe verspricht. Zum Beispiel, die Kollegen von schwerer Hebearbeit zu befreien.

„Ein Leicht-Lkw-Reifen wiegt rund 30 Kilo“, berichtet Schitter. Noch vor wenigen Monaten wurden die schweren Teile von Hand vom Prüfstand gewuchtet. „Das erledigen jetzt Maschinen, die wir alle miteinander vernetzen.“

Die Vernetzung von Maschinen, Robotern und Sensoren eröffnet völlig neue Möglichkeiten

Überall in der Fertigung ist technische Raffinesse verbaut wie eine Röntgenanlage zur Qualitätskontrolle der Pneus oder ein Barcode, der die lückenlose Rückverfolgung zur Herstellung eines jeden Reifens ermöglicht. Und immer wieder geht es um Zeit: „Früher haben wir eine ganze Schicht benötigt, um unsere Maschinen für einen neuen Auftrag umzurüsten“, berichtet Schitter, „heute geht das in 20 Minuten!“

Die Vernetzung von Maschinen, Robotern und Sensoren eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Mithilfe der digitalen Systeme kann der Betrieb künftig große Datenmengen erheben, verarbeiten und auswerten: über Produktionsprozesse, aber auch über Lieferanten und Kunden. Die Nase vorne haben jene, die als Erste aus den Daten etwas machen.

Worum es genau geht, behält Schitter aber für sich. Außerdem muss er zu einem Workshop: „Da geht es um Industrie 4.0“, sagt er augenzwinkernd. Sein Tipp: „Man darf nie stehen bleiben und sollte Neuem gegenüber stets aufgeschlossen sein. Das kann ich jedem empfehlen.“


Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf? 

Erst habe ich eine Lehre als Elektroniker absolviert. Und später noch nebenberuflich studiert und meinen Master als Automatisierer gemacht.

Was reizt Sie am meisten?

Wir haben hier ein riesiges Spektrum und viele Arten von Anlagen von der Mischung bis hin zur Palettierung. Da gibt es immer wieder Neues zu entdecken.

Worauf kommt es an?

Auf Genauigkeit. Denn am Ende müssen die Anlagen auch das bringen, wofür sie gedacht sind.

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