Vom Instandhaltungsbetrieb zum Innovationsunternehmen

Röder Präzision: Neustart nach Turbulenzen

Egelsbach. Noch fliegt die gute alte Transall in Diensten der Bundeswehr. Doch der Lastenesel mit den typischen zwei Propeller-Antrieben wird bald Platz für den neuen Airbus A 400 M machen. Das hat das Unternehmen Röder Präzision in Egelsbach südlich von Frankfurt in Zugzwang gebracht. Denn der Traditionsbetrieb wartete bisher viele Komponenten des Transportflugzeugs.

Statt reiner Wartung jetzt neue Werkstoffe

„Nach über 40 Jahren wird die Flotte nun ausgemustert, und bei uns fällt damit ein wesentlicher Teil des Umsatzes weg“, erläutert Geschäftsführer Erwin Feldhaus. Um das Unternehmen neu auszurichten, stellte er im November einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.

Die Geschäftsleitung um Feldhaus blieb damit im Unternehmen. So konnte sie den Betrieb weiter lenken und überlegt umstrukturieren. 54 der 320 Arbeitsplätze wurden im Rahmen des Sozialplans abgebaut. Das geschah zum einen über Vorruhestandsregelungen, zum anderen wurden Zeitverträge nicht verlängert. Eine Transfergesellschaft fing weitere Mitarbeiter auf.

Feldhaus betont: „Wir wollen uns wandeln, vom Instandhaltungsbetrieb zum Innovationsunternehmen.“ Wartung war gestern, leichte und innovative Werkstoffe sollen die Zukunft sein.

Die Chancen, dass das gelingt, stehen gut. Denn die Firma bietet hohe Kompetenz bei Verbundkomponenten aus Kohlefaser oder auch bei Anlagen gegen Vereisung. Außerdem veredelt Röder Präzision inzwischen die Oberflächen von Flugzeugteilen, die aus Edelstahl-, Aluminium- und Titan-Legierungen bestehen.

Innovativ war die Firma bereits zur Gründung. Im Jahre 1922 begann Wilhelm Röder mit einer Zylinderschleiferei für Kfz-Motoren. Daraus wurde schließlich einer der Betriebe für Instandsetzung in der deutschen Luftfahrt-Industrie. Für die Zukunft ist Röder nun in fünf Geschäftsbereiche aufgeteilt. Einer davon, die Business Unit Industrie, bietet Regelungs- und Steuertechnik auch für Kunden außerhalb der Luftfahrt an. Gleichzeitig werden die Produktionsanlagen modernisiert, und die Mitarbeiter im Vertrieb sollen neue Kunden gewinnen.

Geschäftsführer Feldhaus hofft, so die operativen Kosten in den Griff zu bekommen. „Durch den Fokus auf unsere Kernkompetenzen und Investitionen in diese Bereiche werden wir so künftig ein noch soliderer Partner für unsere Kunden“, erklärt der Hesse.

So sollen die alten Kunden vor Ort am Airport Egelsbach weiter auf Röder bauen. Klar ist, dass der Betrieb dort Wartungspartner bleiben wird für alle Geschäftsflieger – von der Cessna bis zum Learjet.


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