Kunststoff im Einsatz

Riesige Dichtungen für riesige Bohrmaschinen


Merkel Freudenberg Fluidtechnic ist auf Megabaustellen zu Hause

Hamburg. Eine Meisterleistung der Tunnelbaukunst: der Gotthard-Basistunnel im schweizerischen Tessin. Seit rund neun Jahren arbeiten sich riesige Tunnelbohrmaschinen  durch die Alpen. 20 bis 25 Meter schaffen sie am Tag. Eine Me­gabaustelle, auf der bis zu 2600 Menschen im Einsatz sind.

Sie alle haben ein großes Ziel vor Augen: Bis zum Jahr 2017 wollen sie die Gesamtlänge von 57 Kilometern geschafft haben. Dann sollen im längsten Eisenbahntunnel der Welt Züge in zwei Röhren durch die Alpen fahren, um Mittel- und Süd­europa zu verbinden.

Das Getriebeöl ist gesichert

Eine gewaltige Herausforderung an Mensch und Maschine. Im Hamburger Industriegebiet sind die Spezialisten zu Hause, die für die riesigen Bohrmaschinen ebenso riesige Dichtungen entwickeln. „Unsere speziellen Dichtungen machen diese Tunnelbaukunst möglich“, sagt Dirk Harste, Geschäftsführer der Merkel Freudenberg Fluidtechnic.

Acht Meter sind sie im Durchmesser, 20 Kilogramm schwer – eine Garantie, dass das Getriebeöl  gesichert  bleibt.  Es wäre ein  großer Schaden, wenn Ge­stein oder Grundwasser nach innen eintritt.

„Wenn unsere Dichtungen nicht sicher sind, würden möglicherweise die Lager beschädigt und die Anlage müsste für Wochen stillgelegt werden“, er­klärt Harste. Kosten in Millionenhöhe wären die Folge.

Wenn etwas hydraulisch be­wegt werden muss, fühlen sich die Hamburger herausgefordert. Zum Beispiel am größten Bauwerk der Welt, dem Drei-Schluchten-Staudamm in China. Um die mächtigen Schleusentore zu betätigen, bedarf es gewaltiger hydraulischer Kraft. Sehr selten werden sie geöffnet. „Das ist eine hohe Beanspruchung für das Dichtungs-Material“, sagt der Geschäftsführer.

Oder die Schiffsschraube der Queen Mary. Nicht auszudenken, wenn der Luxusliner eine unfreiwillige Pause einlegen muss, weil Salzwasser ins Ge­häuse dringt  oder Öl ins Meer gelangt. Deshalb gehen Schiffbauer gern auf Nummer sicher und bestellen komplette Dichtsysteme bei Merkel Freudenberg.

Den Produkten sieht man nicht an, dass es sich um Hightech handelt. Das Erfolgsgeheimnis liegt in der Rezeptur. Extreme Kälte im Einsatz am Nordpol, glühende Hitze im Stahlwerk – jeder Einsatz verlangt nach einer speziellen Gummimischung. Großserien sind selten, kleine Stückzahlen völlig normal. Nicht selten, dass eine einzige Dichtung schon mal viele Tausend Euro kosten kann.

Forschungszentrum in Weinheim

Doch dafür halten sie einem Druck von bis zu 2.000 Bar stand. Die werden zum Beispiel benötigt, wenn im Bergbau die Stollengänge mit Stempeln ausgestattet werden.

Damit der Kunde beruhigt sein kann, suchen die Techniker und Ingenieure von Merkel Freudenberg im neuen Forschungszentrum des Freudenberg-Konzerns in Weinheim nach den optimalen Materialzusammensetzungen. „Die enge Zusammenarbeit mit den Maschinen- und Anlagenbauern schafft die Sicherheit für beide Seiten“, sagt Harste.

Übrigens: Die Dichtungsspezialisten haben auch ihren Beitrag geleistet, dass bei der nächs­ten  Welt-Expo 2010 in Schang­hai der Straßenverkehr nicht zum Erliegen kommt. Gerade abgeschlossen wurde der Bau eines sieben Kilometer langen Tunnels – mit Dichtungen aus Hamburg.

Werner Fricke

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