Investitionen

Riesen-Baustelle im Herzen Bayerns


LyondellBasell investiert 300 Millionen Euro und schafft neue Jobs

Neue große Chemieanlagen – wenn es nicht gerade um Arzneimittel, Solar-Silicium oder Bio-Treibstoffe geht, werden sie in Deutschland kaum noch gebaut. Die Großen errichten ihre Riesen-Betriebe für Grund- und Kunststoffe in China und Indien, da, wo das dicke Wachstum ist.

Und dennoch: Es gibt sie, die Gegenbeispiele. Wenn Produkt und  Technik  top  sind,  die Infrastruktur stimmt und alle an einem Strang ziehen, dann ist so eine Riesen-Investition auch hierzulande möglich. Beispiel Münchsmünster in Bayern: Der Industriepark des 3.000-Seelen-Orts ist zurzeit eine der größten Industrie-Baustellen Europas. Kräne ragen in den Himmel, Laster spucken ihre Ladung aus, Arbeiter schweißen, hämmern, bohren. Der Chemie-Riese LyondellBasell investiert derzeit rund 300 Millionen Euro in den Standort bei Ingolstadt.

Nase vorn bei Qualität

Das Ziel: „Wir werden hier Polyethylen-Kunststoff in einer Qualität herstellen, die uns so schnell keiner nachmachen kann“, sagt Bereichsmanager Walter Roith. Das Unternehmen investiert in modernste Technik mit eigenem Know-how.

„Damit können wir den Kunststoff in verschiedenen, extrem reinen und maßgeschneiderten Typen herstellen“, so Roith. Die Spezialitäten kommen an bei den Herstellern von Medizintechnik, Rohren, Plastikflaschen und Folien, weiß der Manager.

Hier in Münchsmünster entsteht dazu für mehr als 200 Millionen Euro eine Anlage mit 150.000 Tonnen Anfangskapazität. Das bringt 80 neue Arbeitsplätze. „Für weitere 90 Millionen Euro werden wir den Cracker erweitern, in dem wir unser wichtigstes Vorprodukt Ethylen gewinnen“, schildert Werkleiter Jürgen Kaethner. „Zudem verdoppeln wir die Silo-Kapazität, bauen den Werkbahnhof aus und investieren in Pipelines.“

„Für uns hier ist das eine gewaltige Chance“, freut sich Betriebsratsvorsitzender Christian Hauber. Dabei hatte es vor zweieinhalb Jahren nicht gut für den Standort ausgesehen. Eine Explosion zerstörte die alte Anlage. Wie es weitergehen sollte, war fraglich.

„Samt Handwerkern und Dienstleistern hängen hier 1.400 Arbeitsplätze am Chemiestandort“, berichtet Bürgermeister Andreas Meyer. Politik, Geschäftsführung, Betriebsrat und Gewerkschaft setzten sich deshalb gemeinsam für den Standort ein.

Dann ging der Konzern in die Offensive

Das LyondellBasell-Management überlegte sich die Sache gründlich – und ging dann mutig in die Offensive. Es kaufte den Cracker, der der Ruhr Oel gehörte, für einen ansehnlichen Millionen-Betrag hinzu und beschloss den Bau einer neuen, besseren und größeren Kunststoff-Anlage.

„Es sprach einfach zu viel für Münchsmünster“, schildert Werkleiter Kaethner. „Wir bekommen alle für uns wichtigen Rohstoffe direkt von den benachbarten Raffinerien hier im Süden Bayerns. Und mit dem eigenen Cracker können wir die Kosten bei Ethylen in Schach halten.“ Gut auch die Anbindung an Pipelines, die noch ausgebaut wird.

Zudem ist es bis zu den Wachstumsmärkten Osteuropas nur ein Katzensprung. Und dann sind da noch die 150 gut ausgebildeten Mitarbeiter. Kaethner: „Alles in allem haben wir super Bedingungen hier!“

Hans Joachim Wolter

 

Info: LyondellBasell Industries

Das Unternehmen LyondellBasell Industries in Rotterdam ist mit weltweit 16.000 Beschäftigten an 60 Standorten und einem Umsatz von rund 43 Milliarden Dollar (etwa 27,5 Milli-arden Euro) der drittgrößte Chemie-Konzern der Welt. Zu den Hauptprodukten gehören die Kunststoffe Polyethylen und Polypropylen sowie deren Vorstufen. In Deutschland hat LyondellBasell derzeit mehr als 2.700 Mitarbeiter.

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