Kommunikation

Retarus dirigiert Datenströme von Unternehmen


München. Wenn am 12. Mai wieder Zehntausende in letzter Minute an den Muttertag denken, laufen bei dem Blumenversender Fleurop die Drähte heiß: Mehrere Dutzend Bestellungen pro Minute sind dann normal. Dass wenig später tatsächlich der Bote mit dem bunten Strauß an der Tür klingelt, liegt an modernen Datendienstleistern.

Die Münchner Firma Retarus mit 240 Mitarbeitern ist spezialisiert auf die elektronische Kommunikation von Betrieben. Für rund 3.500 Unternehmen weltweit dirigiert Retarus die Datenströme: innerhalb der Abteilungen, im Kontakt mit Geschäftspartnern etwa zum Bestellen von Zulieferungen – und vor allem im Kundengeschäft. Zu den Auftraggebern gehört auch Interflora (Fleurop) Frankreich.

600 Millionen Seiten Telefax im Jahr

Jede Bestellung wird direkt aus dem Waren-Wirtschaftssystem per Telefax an den nächstgelegenen Floristen weitergeleitet, der den Strauß dann bindet. Was einst ein Monopol der Post war, managen jetzt auch private Dienstleister. 600 Millionen Fax-Seiten im Jahr verschickt Retarus für seine Kunden – und hält dafür allein in Europa und den USA 10.000 Leitungen bereit. Weitere Säulen des Datenverkehrs sind E-Mail und SMS.

Um für Auftragsspitzen wie am Muttertag genug Puffer zu haben, lastet Retarus seine Rechner nur zu einem Drittel aus. „So können wir schnell reagieren“, sagt Firmengründer und Geschäftsführer Martin Hager. 1 Million Euro hat man kürzlich in den Ausbau der IT gesteckt. Für die täglich mehrere Millionen elektronischen Vorgänge betreibt man sechs Rechenzentren, vier davon in Europa und zwei in Nordamerika. Und in Australien und Singapur werden derzeit weitere gebaut.

„Die Server arbeiten Tag und Nacht. Kurz offline waren sie zuletzt vor acht Jahren“

Der Daten-Dienstleister, seit 20 Jahren auf dem Markt, muss natürlich ständig mit der technischen Entwicklung Schritt halten. Er filtert für seine Kunden auch ­E-Mails, und er blockt Spam, also unerwünschte Massen-Mails, sowie Viren ab. „Zwei Drittel der 30 Konzerne im Deutschen Aktienindex setzen unsere Dienste ein“, verrät Hager.

Aber auch viele Mittelständler – wie die Lieferheld GmbH in Berlin: Die Plattform zum Bestellen von Essen im Internet wickelt die Aufträge für 6.000 Restaurants über Retarus ab. Nach dem Klick wird die Bestellung automatisch von der Retarus-Infrastruktur verarbeitet. Dann geht sie an den Thai-, Sushi- oder Pizza-Service. So weiß der Koch dort, was er kochen, der Fahrer, wohin er es liefern muss.

Der Auto-Vermieter Sixt verbindet mithilfe von Retarus Kunden und Callcenter – und bestätigt täglich Tausende Buchungen per SMS. Deren Zahl schnellte nach oben, als sich Sixt am Car-Sharing von BMW beteiligte. Retarus schickt den Zugangscode aufs Handy. Hager: „Unsere Server arbeiten ohne Unterbrechung Tag und Nacht. Zuletzt haben wir vor acht Jahren einige Dienste kurz von Netz genommen, als eines der Rechenzentren umgezogen ist.“

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