Soziales Engagement

Rentner der IKA-Werke arbeiten ehrenamtlich für Kinder in Peru

Staufen. Josef Wiesler ist 77, Horst Ruppenthal sogar 84 Jahre alt. Die beiden sitzen allerdings nicht, wie viele andere ihrer Altersgenossen, auf einer Parkbank oder im eigenen Garten am Rande des Schwarzwalds, sondern auf Drehstühlen in einer Montagehalle der IKA-Werke. Zusammen mit anderen ehemaligen Kollegen des Laborgeräteherstellers aus Staufen südlich von Freiburg bauen die Rentner Laborgeräte zusammen und tragen so zu einem einzigartigen Hilfsprojekt bei.

Mittelstandspreis für das große Engagement

„Hands for Children“ haben es die Macher des Projekts um den IKA-Inhaber René Stiegelmann getauft. Die Hände sind die der IKA-Rentner. Und der Erlös der von ihnen ehrenamtlich montierten Geräte fließt an Kinder, die in Afrika oder Südamerika in Armut aufwachsen.

Das soziale Engagement der IKA-Werke, die weltweit 800 und am Stammsitz 300 Mitarbeiter beschäftigen, wurde im vergangenen Jahr preisgekrönt. Da belegte „Hands for Children“ den ersten Platz beim Mittelstandspreis für soziale Verantwortung in Baden-Württemberg. 207 kleine und mittlere Unternehmen hatten sich um die Auszeichnung beworben, die das Land und die Caritas gemeinsam verleihen.

Bis zu diesem Erfolg war es ein weiter Weg, denn schon Ende der 90er-Jahre wurden die ersten Pläne geschmiedet. „Unser Gedanke war es in erster Linie, Kindern zu helfen, denen es nicht so gut geht wie bei uns“, sagt Stiegelmann. Gleichzeitig sollte ehemaligen Mitarbeitern im Ruhestand die Möglichkeit geboten werden, Kontakt zur Firma zu halten und etwas Sinnvolles zu tun.

„Am Anfang wollten wir einen Sonnenofen bauen“, so der 84-jährige Ruppenthal, der wie Wiesler von Anfang an bei „Hands for Children“ dabei war. Doch weil die mit Solarzellen beheizte Kochstelle in Entwicklungsländern eher auf Vorbehalte stieß, verlegte man sich „auf das, was wir am besten können“, wie Ruppenthal sagt.

Seither haben die Senioren einen eigens für sie eingerichteten Arbeitsplatz. IKA stellt das Material und kümmert sich um den Verkauf der Geräte.

So kommt der Erlös voll den Hilfsprojekten zugute. Bislang sind das schon fast 700.000 Euro, wie der stellvertretende Geschäftsführer Reiner Dietsche sagt. Anfangs waren die ehrenamtlichen Helfer zu dritt, heute sind es fast ein Dutzend Ruheständler.

Und die kommen nicht nur aus der Produktion. Auch ein ehemaliger Vertriebschef oder der frühere Leiter des Einkaufs nehmen regelmäßig den Schraubenzieher in die Hand. Die Zeit teilen sich die IKA-Rentner selbst ein, damit die vier Arbeitsplätze tagsüber belegt sind. Jeder ist ein paar Stunden wöchentlich da und trägt dazu bei, dass pro Jahr über 1.500 Reagenzglasschüttler und 400 Einhängethermostate produziert werden.

Damit der Erlös bei den Kindern ankommt, arbeitet IKA mit Stiftungen zusammen, die Projekte vor Ort betreuen. So hat das Werk für das Dorf Sunimarca in den peruanischen Anden die Patenschaft übernommen. Eine Straße und eine Käserei wurden gebaut, damit die Einwohner die Produkte aus der Milch ihrer Alpakaherden besser vermarkten können.

In Äthiopien wurden mit dem Geld aus Baden von der Stiftung „Menschen helfen Menschen“ zwei Schulen gebaut. Der Stiftungsgründer, der Schauspieler Karlheinz Böhm, war von dem Engagement der Rentner so beeindruckt, dass er sie in Staufen besuchte.


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