Für den größten britischen Containerhafen

Rekordauftrag: Vahle rüstet 54 Kräne auf elektrischen Betrieb um

Kamen. Die Mission: das riesige Trinity-Terminal im britischen Felixstowe, dem größten Container-Hafen der Insel, unter Spannung setzen. Das Ziel: 54 auf Rädern fahrende Kräne, die rund um die Uhr für Ordnung im Container-Puzzle sorgen, sollen sich mit Strom statt Diesel bewegen – versorgt über zwölf Kilometer Stromschienen. Das Auftragsvolumen: Firmengeheimnis! Nur so viel: Es ist der größte Auftrag, den Vahle in Kamen in der über 100-jährigen Unternehmensgeschichte erhalten hat.

Michael Hübner montiert im Werk die elektrischen Stromabnehmer für die mobilen Kräne: „Es ist schon klasse, bei diesem Auftrag mit an Bord zu sein“, sagt er. Der Stahlbauschlosser verbaut mit seinen Kollegen die beweglichen Metallarme, die dank einer komplexen Steuerung den Kran automatisch an der Stromschiene entlang in der Spur halten.

Marketing-Chef Frank Niewerth veranschaulicht die Funktionsweise der Vahle-Systeme mit der altbekannten Carrera-Bahn: „Die Stromschienen sind unsere Straße. Die mobilen Stromabnehmer am Kran inklusive Teleskoparm sind die Rennautos mit Führungszapfen und Schleifkontakt.“

Firmengründer Paul Vahle ist übrigens der Erfinder der Stromschiene aus Kupfer und Stahl. Heute beschäftigt das Unternehmen an den beiden Produktionsstandorten in Kamen und Dortmund 540 Mitarbeiter, weltweit über 670. Wenn’s um Stromschienen geht, gehört das Unternehmen zu den Top Drei weltweit. Dafür sorgen Vertriebsbüros in 52 Ländern. Der Umsatz erreichte im letzten Jahr 130 Millionen Euro. Und jetzt der Großauftrag aus Großbritannien. Bis 2018 versorgt er Fachkräfte wie Michael Hübner mit Arbeit.

Einen großen Teil des Umsatzes erwirtschaftet die Firma mit der Krantechnik. Zudem rüstet sie Elektrohängebahnen und fahrerlose Transportsysteme für Autofabriken aus. Und setzt auch technische Highlights unter Strom, die Menschen elektrisieren. Beispiele sind die bekannten Riesenräder „Orlando Eye“ und „Singapur Flyer“, diverse Achterbahnen und die Magnetschwebebahn Transrapid, die nach endlosen Schleifen auf dem Emsland-Oval heute in Schanghai mit Full Speed fährt.

Die große Stärke der Kamener ist die maßgeschneiderte Produktentwicklung. Rund 100 Mitarbeiter am Stammsitz beschäftigen sich damit. Und erschließen dem Unternehmen neue Märkte, wie etwa die Elektrifizierung der Kran-Infrastruktur von Hafenterminals. Mit der Umrüstung von 20 Kränen im Hafen von Hongkong 2011 ging es los. Bis heute war das Unternehmen in weiteren 15 Häfen auf der ganzen Welt aktiv. Der nun erhaltene Großauftrag schreibt die Erfolgsgeschichte fort.

Doch auf den Lorbeeren will man sich bei Vahle nicht ausruhen. In nicht allzu ferner Zukunft sollen die Container-Kräne ihren Job ganz ohne Kranführer machen. Niewerth: „Der sitzt dann in der Leitstelle des Hafens und steuert von dort das Container-Ballett.“


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