Leichter zum Berufseinstieg

Reinschnuppern lohnt sich – ob als Praktikant, Ferienjobber oder Werkstudent

Während der Schule oder im Studium in einem Betrieb mitzuarbeiten, bringt wertvolle Erfahrungen. Firmen kommen so mit potenziellen Bewerbern in Kontakt. Und die lernen nicht selten ihren künftigen Arbeitgeber kennen.


Georgensgmünd/Amberg/Stockdorf/Passau. Alles hat zwei Seiten – und manchmal sind es zwei gute. Etwa wenn junge Menschen schon während Schule oder Studium in einem Betrieb mitarbeiten: im Schnupperpraktikum, als Ferienjobber oder später als Diplomand oder Werkstudent. Denn davon haben beide Seiten was. Die Firmen kommen mit potenziellen Bewerbern in Kontakt. Und diese lernen nicht selten ihren künftigen Arbeitgeber kennen.

So war es auch bei Tobias Stengel (28). Der Bankkaufmann und Betriebswirt schrieb vor gut drei Jahren seine Bachelorarbeit bei der Firma Toolcraft in Georgensgmünd bei Nürnberg. Heute leitet er dort den Vertrieb.

Stengels wichtigste Erkenntnis in dieser Zeit: „Hier herrscht eine familiäre Arbeitsatmosphäre.“ Die gute Unternehmenskultur mit flachen Hierarchien und kurzen Entscheidungswegen hatte ihn von dem Mittelständler (310 Mitarbeiter) überzeugt.

In der Bachelorarbeit analysierte er den Vertrieb, der bis dahin bei Toolcraft noch kein separater Bereich war. Fazit: Man müsse die Kunden noch strukturierter betreuen – mit einem eigenen Team. „Dass ich diese Ideen nun auch umsetzen kann, ist natürlich Motivation pur.“

Nicht für alle klappt der Einstieg ins Berufsleben so reibungslos. Viele Studenten, aber auch Schüler erleiden Rückschläge. Die branchenübergreifende Statistik: Fast jeder vierte Azubi in Bayern bricht die Ausbildung ab, davon wiederum die Hälfte endgültig. Klar spielen dabei private wie betriebliche Gründe eine Rolle. „Häufig liegt es jedoch an der falschen Berufswahl“, sagt Stefanie Langen, Berufsberaterin der Münchner Arbeitsagentur. „Viele junge Menschen haben leider überhaupt keinen Plan, was sie nach der Schule erwartet.“

Langen empfiehlt, in Firmen reinzuschnuppern, um Betriebe und Berufe kennenzulernen – allerdings nicht wahllos. „Ich kann schließlich nicht 50 Praktika machen“, sagt sie. Deshalb sei es unverzichtbar, sich zunächst zu informieren und die eigenen Stärken und Wünsche zu identifizieren. „Erst dann kann ich in einem gezielten Praktikum meine Erwartungen mit der Realität abgleichen“, so die Berufsberaterin.

Solche Praktika nutzen am Ende auch den Betrieben. „Wir begrüßen es sehr, wenn junge Menschen sich unsere Gießerei von innen anschauen“, sagt Franz Mertel, Personalleiter der Luitpoldhütte im oberpfälzischen Amberg.

Im Umfeld der Öfen geht es gerne mal etwas lauter, heißer und nicht gerade blitzsauber zu. Das ist nicht jedermanns Sache. „Nichts ist schlimmer als der Abbruch einer Ausbildung – für beide Seiten“, sagt Mertel. Nur ganz selten und mit Glück könne er eine freie Stelle kurzfristig nachbesetzen.

Während der Praktika kann sich die Luitpoldhütte zudem als Arbeitgeber präsentieren. Viele Jugendliche interessierten sich zum Beispiel für eine Ausbildung zum Industriemechaniker, so Mertel. Nach ein paar Tagen im Betrieb kämen dann aber oft auch Alternativen in Betracht, etwa eine Lehre als Gießereimechaniker.

Manchmal kommt man erst durch ein Praktikum auf den Geschmack, wie Juliane Krauß (19). Sie ist angehende technische Modellbauerin bei der Luitpoldhütte – lernt also etwa, auf was bei Modellen, mit deren Hilfe Gussformen aus Sand für Motoren- oder Getriebegehäuse gefertigt werden, zu achten ist. „Bevor ich hier angefangen habe, hatte ich das Arbeiten in einer Gießerei überhaupt nicht auf dem Schirm“, sagt die Auszubildende, die früher auf eine Mädchenschule ging.

Erst ein Bekannter brachte sie auf die Idee. Während des Praktikums hielt sie nicht nur die Augen offen, sondern fragte die Kolleginnen, wie es denn so sei, in einem männerdominierten Umfeld zu arbeiten. „Fragen, fragen, fragen“– das sei das Wichtigste in einem Praktikum, sagt Krauß.

Nadine Zisler (27) aus Straubing hat sich viele Firmen angeschaut, während des Studiums. „Das ist eine prima Gelegenheit, um zu sehen, wie es dort läuft.“ Die Wirtschaftsingenieurin war unter anderem bei Webasto (Stockdorf bei München), nach eigenen Angaben weltweit Marktführer für Schiebe-, Panorama- sowie Cabriodächer und Standheizungen. „Da hatte ich ein gutes Gefühl“, sagt Zisler. Auf Google hatte sie die Stelle als Werkstudentin gefunden, und es klappte wie am Schnürchen: Während ihrer Abschlussarbeit arbeitete die junge Frau weiter für Webasto, rutschte ins Talentprogramm – und bekam wegen guter Leistungen ein Jobangebot.

Heute kümmert sich die Ingenieurin um die Entwicklung von Rollos, die Stoffbahnen unter dem Schiebedach. „Es geht darum, unterschiedliche Anforderungen unter einen Hut zu bringen“, sagt die Ingenieurin. Sie sorgt für den nötigen Austausch zwischen Konstruktion und Fertigung. Da helfen die Kontakte aus ihrer Zeit als Werkstudentin. Auch ganz persönlich profitiert die Entwicklerin von ihrer frühen praktischen Erfahrung. Weil sie bei Webasto sah, was im Job alles von Nutzen sein kann, belegte sie an der Hochschule zusätzliche Kurse in Rhetorik und Präsentation: „Das schadet nicht, wenn man das kann.“

Dominik Kindermann (28) aus Passau ließ ebenfalls keine Gelegenheit aus, sich mit seinem künftigen Arbeitgeber vertraut zu machen. Nach dem Abitur machte er ein Vorpraktikum beim Technologiekonzern ZF und arbeitete zudem als Ferienjobber. „Drehen, fräsen, schleifen – das war mein erster Kontakt mit dem Maschinenbau“, sagt er.

Dabei war die Firma ihm nicht unbekannt. Schon sein Großvater war bei ZF. Auch das Pflichtpraktikum im sechsten Semester absolvierte der Maschinenbaustudent bei ZF. Das brachte ihm was fürs Studium: „Die Zeichenprogramme konnte ich danach richtig gut bedienen“, sagt er, „ein Riesenvorteil.“ Nach seiner Abschlussarbeit bei ZF kam Kindermann zu seinem jetzigen Job als Konstrukteur für Prüfsysteme. Sein Vorgesetzter hatte ihn auf die Stelle hingewiesen. „Wir wussten beide, dass es passt.“

Viele Praktikanten landen später in der Firma

Kindermanns Karriere ist nicht ungewöhnlich für ZF. In Passau beschäftigt das Unternehmen jährlich bis zu 200 Ferienjobber, dazu viele Praktikanten. Viele der Jugendlichen, die auf die eine oder andere Art hineinschnuppern, landen am Ende in einem festen Arbeitsverhältnis bei ZF. Hinzu kommt der Kontakt zu Studenten: „Fast 40 Prozent der bei uns angefertigten Abschlussarbeiten münden in eine Festanstellung“, so Marc Pastowsky, Personalleiter der Division Industrietechnik. Es sei gut, die Bewerber vorher zu kennen, die im Gegenzug wertvolle Erfahrungen für den Einstieg ins Berufsleben sammeln.

Hier geht’s zum Job: Projekte der M+E-Verbände

  • Das Portal „Sprungbrett Bayern“ listet Angebote zu Schülerpraktika, Betriebserkundungen und Partnerschaften zwischen Schulen und Betrieben auf. Zudem gibt es „Speed-Dating-Veranstaltungen“, bei denen sich Jugendliche schnell und unkompliziert bei Ausbildern und Personalverantwortlichen im persönlichen Gespräch bewerben.
  • Die „AusbildungsOffensive Bayern“ umfasst zahlreiche Informations- und Serviceangebote für bayerische Jugendliche, Eltern, Lehrer und Unternehmen rund um das Thema berufliche Zukunft.
  • Die Initiative „Technik – Zukunft in Bayern 4.0“ bietet 16 spannende, praxisnahe Bildungsprojekte aus der Welt der Technik und erreicht jährlich 10.000 Teilnehmer.
  • Der „bayme vbm Berufseignungstest“ unterstützt Firmen bei der Auswahl geeigneter Ausbildungsplatzbewerber.
  • Ziel der „Girls'Day Akademie“ ist es, über ein gesamtes Schuljahr hinweg an 14 Akademien in Bayern Schülerinnen für Technik zu begeistern.

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