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Ein Mann kriegt die Kurve

Reifenhersteller Goodyear Dunlop gibt Jugendlichem Chance – und der nutzt sie vorbildlich

Bald geht es wieder nach Süditalien – neue Reifen testen. Robin Weitzel wäre fast am Hauptschulabschluss gescheitert. Doch bei Goodyear Dunlop startete er durch und schloss die Lehre sehr gut ab.

Luftdruck prüfen: Robin Weitzel mit einem rasanten Testfahrzeug. Foto: Sturm

Luftdruck prüfen: Robin Weitzel mit einem rasanten Testfahrzeug. Foto: Sturm

Reifen auswuchten: Robin Weitzel (rechts) mit seinem Kollegen Stefan Born. Foto: Sturm

Reifen auswuchten: Robin Weitzel (rechts) mit seinem Kollegen Stefan Born. Foto: Sturm

Hanau. Luftdruck messen, Profiltiefe prüfen, Reifen auswuchten, Räder wechseln: Arbeiten, wie sie Robin Weitzel gerade erledigt, fallen in jeder Autowerkstatt an. Allerdings arbeitet der 26-Jährige nicht in irgendeiner Werkstatt – sondern für die Abteilung Fahrversuche des Reifenherstellers Goodyear Dunlop im hessischen Hanau.

Der junge Mann hat ein breites Kreuz, ein freundliches Lächeln und sitzt bald wieder im Flieger – dienstlich. Dass er fast am Hauptschulabschluss gescheitert wäre, ist nicht mehr zu ahnen: Weitzel hat die Kurve gekriegt, nicht zuletzt dank der Hilfe des Betriebs.

Der Flieger geht nach Süditalien: „Wir testen neue Reifen in Nardò.“ Ein Lkw mit etlichen Reifensätzen ist schon unterwegs in den Süden. Die 12,5 Kilometer lange „Pista di Nardò“ gilt als schnellste Teststrecke der Welt! Mit jeder Menge Fahrspaß für die Piloten, wenn die Autos in den überhöhten Kurven der Kreisbahn bis zu 240 Kilometer in der Stunde erreichen.

Die Eins in der Prüfung, die wollte er unbedingt

Weitzel betreut dort als Servicetechniker die Fahrer, die neu ausgeklügelte Mischungen und veränderte Profile auf Herz und Nieren prüfen – bei Pneus für den Rennsport ebenso wie bei Reifen für neue Automodelle. „Im Testdriver Service montieren wir Reifen auf Felgen, wuchten Reifen aus, warten die Autos, reinigen Felgen“, erklärt er. Stets so, wie der Fahrer das möchte und der Testplan es vorsieht.

Seit Sommer 2017 macht Weitzel diese Arbeit, er ist glücklich im Job. „Dass er diese Aufgabe bekommen hat, ist auch eine Anerkennung für seine Leistung in der Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer“, betont Ausbildungsleiter Christoph Drissler. Im Vorjahr war Weitzel der beste Azubi in diesem Beruf im ganzen IHK-Bezirk. „Ich wollte die Eins unbedingt“, sagt er rückblickend – und den damit einhergehenden Realschulabschluss.

Während der ersten Lehre macht die Firma pleite

Noch vor Jahren war daran gar nicht zu denken. Die Schule war nicht so seins, Boxtraining und Bodybuilding waren wichtiger, die Hauptschule schafft Weitzel gerade so … Anschließend beim Bund macht es irgendwann „Klick“ – er will sich nicht mehr hängen lassen, will etwas aus seinem Leben machen. „Ich bin reifer geworden“, sagt er heute.

Aber der erste Versuch geht schief. „Ich habe eine Lehre zum Konstruktionsmechaniker begonnen, nach einem Jahr war die Firma pleite.“ Kurzer Zwischenstopp als Zeitarbeiter. Zweiter Anlauf: „Ich habe mich unheimlich gefreut, als meine Bewerbung bei Goodyear Dunlop Erfolg hatte.“ Weitzel setzt sich auf den Hosenboden, büffelt, wo nötig, sogar mit Nachhilfelehrern.

„Man bekommt hier alle Möglichkeiten, etwas aus sich herauszuholen“

„Die Ausbildung hier war top“, freut er sich, „die Ausbilder sind superkompetent.“ Er habe sich mit allen Fragen zu jeder Zeit an sie wenden können. Speziell dankt er seinem Ausbilder Stefan Grünewald: „Meine Leistung ist auch auf seine Unterstützung zurückzuführen. Man bekommt hier alle Möglichkeiten, aus sich etwas herauszuholen.“

Ausbildungsleiter Drissler macht klar: „Bei uns wird jeder mitgenommen, wenn er sich anstrengt.“ Derzeit lernen 86 Azubis bei Goodyear Dunlop: Maschinen- und Anlagenführer, Industriemechaniker, Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik oder Elektroniker.

Weitzel kennt auch schon Teststrecken in Spanien und Frankreich. Nach einem Auslandseinsatz kann er manchmal Testfahrzeuge auf der Straße zurückbringen: „Ein Porsche mit 700 PS fährt sich schon klasse!“

Tempo machen möchte der junge Mann, der erst spät seine richtige Spur fand, auch im Berufsleben. Fortbildung heißt die Parole! Den Meister- oder Techniker-Abschluss zu machen – das traut sich Weitzel inzwischen zu.

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Eigentlich war es Zufall … aber Autos und Technik haben mich schon immer sehr interessiert.

Was reizt Sie am meisten?

Man ist ständig unterwegs, kein Tag ist wie der andere. Ganz wichtig für mich ist auch, dass ich mit meinem Wissen und Können gebraucht werde.

Worauf kommt es an?

Immer am Ball bleiben! Immer offen für Neues sein. Und niemals aufgeben.


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