Innovation

Reifen im Härtetest


Pirelli ist Exklusiv-Lieferant für die Formel 1 – davon profitiert auch die normale Kundschaft

Breuberg. Exakt 4.655 Meter lang ist die Runde, 66-mal ist sie zu fahren. Hat der amtierende Weltmeister Sebastian Vettel mit dem Red-Bull-Boliden die Nase vorn, wenn die Formel 1 an diesem Wochenende im spanischen Barcelona gastiert, oder siegt Fernando Alonso im Ferrari auf seiner Heimstrecke?

Wie auch immer, ein Sieger steht jedesmal mit auf dem Treppchen: Pirelli, der exklusive Reifen-Lieferant der Motorsport-Königsklasse. Denn alle Teams fahren mit demselben Material.

45.000 Reifen pro Jahr

Entwickelt werden die Pneus im italienischen Mailand, gefertigt in Izmit in der Türkei, die Logistik koordiniert die Motorsport-Zentrale von Pirelli in England. Beteiligt sind aber, zumindest indirekt, alle rund 30.000 Mitarbeiter an den weltweit 19 Konzern-Standorten. Denn: „Die Formel 1 ist unser ultimatives Entwicklungslabor“, bekennt Michael Borchert, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb der Pirelli Deutschland GmbH in Breuberg im Odenwald. Und er fügt hinzu: „Sie ist eine aufmerksamkeitsstarke Plattform, die Bekanntheit und Faszination der Marke unterstützt.“

Seit der letzten Saison beliefert Pirelli den Formel-1- Zirkus, insgesamt sind das 45.000 Reifen pro Jahr. Der Exklusiv-Vertrag gilt vorerst bis 2013. Schon in der ersten Saison kamen die Zuschauer auf ihre Kosten: Es wurden die meisten Überholmanöver gezählt, die es je in einer Formel-1- Saison gab.

Denn die Reifen waren auf Wunsch der Offiziellen und der Teams so konstruiert, dass sie besonders schnell abbauen und so die Spannung im Rennen erhöhen. Borchert: „Pirelli hatte nur acht Monate Zeit, sie zu entwickeln. Und für 2012 haben wir dann den Slick in allen Varianten noch ein Stück schneller konstruiert.“

Am Ende wird alles brav recycelt

Doch vor dem Sieg muss auch bei den Pirelli-Leuten der Schweiß fließen. Und nicht zu knapp. Zu dem 50-köpfigen Spezialteam, das die Firma zu den Rennen schickt, gehören allein 20 Mechaniker. Im Gepäck: Knapp 2.000 Reifen, 18 Sätze für jeden Fahrer – für jedes Wetter und jeden Belag die richtige Mischung. Die müssen erst mal, in nur zwei Tagen, Stück für Stück auf Felgen montiert werden.

Sobald die Autos auf der Piste sind, kommen die Pirelli-Ingenieure zum Zug: Sie sam-meln und analysieren die Reifendaten, beraten die Teams in allen Fragen rund um die Reifen. Am Ende des Rennwochenendes werden alle Reifen wieder eingesammelt, kompressiert und zurück nach England geschickt, wo sie nach den neuesten Umweltrichtlinien recycelt werden.

Auch normale Pirelli-Kunden profitieren schon vom Formel-1-Engagement: Der neue Reifen „P Zero Silver“ ist der erste daraus abgeleitete UHP-Hightech-Straßenreifen – beteiligt an dieser Neuentwicklung war auch der Standort Breuberg. „Da gibt es einen ständigen Austausch von Know-how in beide Richtungen“, so Borchert.

Der Name P Zero Silver ist bewusst gewählt. Borchert: „Er steht in der Formel 1 für die härteste Mischung, also lange Haltbarkeit.“ Im Gegensatz zur Rennpraxis sind das beim Straßenreifen aber nicht nur ein paar Hundert Kilometer Laufleistung. Sondern mehrere Zehntausend.

 

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