Ausbildung

Reif fürs „P-Seminar“


Angehende Abiturienten im Kontakt zur Welt der Wirtschaft

Schweinfurt/Mainburg. Für viele Gymnasiasten ist es bald so weit: Mit dem Abitur gehen sie einen großen Schritt in Richtung Berufsleben. Doch während Haupt- und Realschüler vergleichsweise früh mit Betrieben in Kontakt kommen, ist das für viele Gymnasiasten eine Welt für sich. Sie werden dringend als qualifizierte Fachkräfte von morgen gebraucht – und sind selbst ziemlich orientierungslos.

Kreativität und Teamarbeit

Nur 7 von je 100 Gymnasiasten haben ein halbes Jahr vor dem Abi eine klare berufliche Perspektive vor Augen. Das zeigen Umfragen des hannoverschen Forschungs-instituts Hochschul-Informations-Systems (siehe Grafik in Galerie).

Immerhin: Seit September 2009 wird in Bayern gegengesteuert. Ab Klasse elf gibt es ein neues Schulfach, das „Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung“. Welche Ideen die Schüler in diesem „P-Seminar“ aufgreifen, entscheiden sie in Absprache mit dem Lehrer selbst. Sie können ihre Kreativität etwa auf ein selbst gebautes Metall-Gefährt lenken, auf einen peppig aufbereiteten Info-Film für künftige Lehrlinge, auf den Entwurf eines modernen Messe-Standes oder ein solarbetriebenes Fluggerät. Die Spezialisten von morgen sollen selbstständige Teamarbeit üben, Firmen und Institutionen kennenlernen – und am Ende besser informiert ihren Beruf wählen.

Nach Prognosen der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft werden dem Arbeitsmarkt im Freistaat in den nächsten zehn Jahren bis zu 700.000 Fachkräfte fehlen. Wie sich die Lücke schließen könnte, zeigt zum Beispiel die Erfahrung der Elftklässle­rin  Christina Leuschner  aus Schweinfurt. Sie vermarktet mit ihren Mitschülern selbst gebaute Vehikel aus alten Fahrrädern und Schrott-Teilen. Beim Montieren der zwölf Fahrzeuge hilft ein Ausbilder des Schweinfurter Automobil-Zulieferers ZF Sachs.

Der Ingenieur-Beruf wird konkret

Die Schüler konnten auch mit einer jungen Maschinenbau-Ingenieurin des Unternehmens sprechen. „Und sie mit Fragen löchern“, erzählt Leuschner. „Das war super, weil man sich endlich mal etwas Genaues unter dem Ingenieur-Beruf vorstellen kann.“

Bei einem P-Seminar am Gabelsberger-Gymnasium in Mainburg schreiben Schüler eine Bedienungsanleitung für ein neues Heizgerät der Wolf GmbH, eines ortsansässigen Herstellers von Heiz-, Klima-, Solar- und Lüftungstechnik. „Damit die wirklich jeder versteht“, sagt Schüler Raphael Geier (17) mit Augenzwinkern. Und sein Lehrer Jürgen Patzke freut sich über das entstandene Verständnis der Schüler für Wirtschaft: „Wir sind wie ein Dienstleister“, erklärt er. „Wir müssen die Wünsche unseres Auftraggebers einbeziehen.“

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