Ausbildung

Raus in die weite Welt


Der Anlagenbauer SMS Siemag schickt Azubis zum Lernen nach China und in die USA

Hilchenbach. „Das war ‘ne echte Vollgaszeit“, beschreibt Nils Althaus (21) die sechs aufregenden Wochen in den USA, die er im Rahmen seiner Ausbildung zum Industriemechaniker verbrachte, bei einem Tochterunternehmen seines Arbeitgebers in der Nähe von Chicago.

Auch bei dem gleichaltrigen Maximilian Mathoul leuchten noch heute die Augen, wenn er von seinem Azubi-Job als Technischer Zeichner in China erzählt: „Im Konstruktionsbüro in Wuhan habe ich in einem internationalen Team gearbeitet, an einem echten Kundenauftrag!“

Über den Tellerrand blicken

Die beiden jungen Männer lernen bei der SMS Siemag AG im siegerländischen Hilchenbach. Bei dem weltweit größten Anlagenbauer für die Stahl-, Alu- und Kupfer-Industrie gehört der Blick über den nationalen Tellerrand einfach dazu.

Günter Kneppe, der Leiter des Fachbereichs Berufsausbildung: „Wir sind eine Unternehmensgruppe, die rund um den Globus tätig ist. Aber wenn es um unsere Mitarbeiter geht, sind wir ein richtiges Familienunternehmen.“ Das sich intensiv um den Nachwuchs kümmert.

 

Dabei sind die Auslandsaufenthalte nur ein Beispiel für das große Ausbildungsengagement: 2010 stellte das Unternehmen für 4 Millionen Euro am Stammsitz Hilchenbach eine 3.000 Quadratmeter große Ausbildungswerkstatt fertig. Sie ist ausgerüstet mit modernsten Maschinen.

Kneppe: „Hier haben wir unsere Vorstellung von Ausbildung verwirklicht. Wir wollen den aktiven Azubi, der selbstständig lernt. Der Ausbilder übernimmt lediglich die Rolle des Coachs.“ Keine leeren Worte: „Lernwerk“ heißt die neue Nachwuchsschmiede; den Namen fanden Ausbilder und Lehrlinge gemeinsam in einem  Ideenwettbewerb.

Jasmin Claudi (17) freut sich, dass „hier so viel Platz ist“. Und Heinrich Walter Six (60), Leiter der gewerblichen Ausbildung, hat bemerkt, dass das Lernwerk die Jugendlichen verändert hat: „Die halten Ordnung und behandeln das Gebäude pfleglich.“

Auch Althaus und Mathoul, die beiden jungen Männer, die jüngst in die Ferne schweifen durften, sind nicht mehr ganz dieselben: Für sie hinterließen die Aufenthalte in den Staaten und in China prägende Eindrücke. Beide waren zum ersten Mal außerhalb Europas unterwegs. Ohne die Familie, langer Flug, fremde Umgebung und Sprache, neue Kollegen mit eigener Mentalität. Eine völlig neue Erfahrung.

Und sie wurden richtig rangenommen: Althaus durchlief alle Abteilungen bei der SMS-Tochter Millcraft, half bei Reparatur und Instandhaltung von Anlagen. Und stets arbeitete er mit einem amerikanischen Kollegen im Team. „Das war der beste Englischkurs meines Lebens. Ich bin selbstbewusster geworden."

Die Heimat schätzen gelernt

Mathoul sieht das ähnlich. Auch er kam mit den neuen Kollegen „super klar“. Nur das, was so auf den Tisch kam, unterschied sich grundsätzlich: Während der eine die echte, gut gewürzte chinesische Küche inklusive Hühnerfüßchen kennen- und liebenlernte, genoss der andere ein Barbecue nach dem anderen mit Monstersteaks.

Aber sie haben auch einen Blick für die Schattenseiten der Gastländer bekommen: Althaus hat festgestellt, dass in den USA viele Menschen gleich mehrere Jobs haben, weil einer zum Leben kaum reicht. Mathoul hat die Umweltprobleme in China – etwa den Smog in den Großstädten – am eigenen Leib gespürt. Nils weiß seitdem: „Wir leben hier in Deutschland in einem verdammten Luxus.“


Info: SMS group

Die SMS Siemag AG gehört gemeinsam mit SMS Meer zur SMS group. Die Gruppe beschäftigt in Deutschland über 6.000 Mitarbeiter, darunter 430 Azubis. Weltweit sind es 9.500, davon je 1.000 in den USA und Indien sowie 800 in China. Die SMS-Erzeugnisse für die Stahl-, Alu- und KupferIndustrie finden sich in der Produktionskette „nach dem Hochofen“ – das sind zum Beispiel Warm- und Kaltwalzanlagen. 2010 betrug der Gruppen-Umsatz 3 Milliarden Euro.

 

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