Auto-Industrie

Raus aus der Nische


Sitz-Hersteller Recaro: Der Weg vom Spezialisten zum Erstausstatter

Kirchheim/Teck.  Autositze haben sich ganz schön gewandelt: Das, was in den 70er- und  80er-Jahren in Serienautos eingebaut wurde, bot wenig Komfort, geschweige denn Ergonomie. Viele Autofahrer griffen deshalb selbst zum Werkzeugkasten und gönnten sich Sitze von Recaro.

Der Hersteller hat zum Beispiel die Kopfstütze, den Schalensitz und die „pneumatische Lendenwirbel-Unterstützung“ erfunden. „Das waren Spitzenjahre“, schwärmt Horst Kespohl, der Vorsitzende der Geschäftsführung.

Nachrüsten nicht mehr so gefragt

Heute sieht es anders aus. „Die Standardsitze sind insgesamt besser geworden“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer Gerhard Kraus. Deshalb ist Recaro schon Ende der 90er- Jahre in das Erstausrüstungs-Geschäft eingestiegen. Das Nachrüst-Geschäft läuft fast nur noch mit besonders ergonomischen oder speziellen Produkten – etwa mit orthopädischen Sitzen für Vielfahrer und Spezialsitzen für Tuning und Motorsport.

Recaro will zunehmend raus aus der Nische! Der Design- und  Technologieführer strebt an, weitere Autos serienmäßig auszustatten, um mehr Umsatz zu machen. Bisher liefert er als Erstausrüster nur kleinere Stückzahlen für Premiumfahrzeuge und sportliche Baureihen – wie Ferrari, Lamborghini, Aston Martin, aber auch den Golf GTI R32.

Auf die Produktion größerer Stückzahlen hat sich der Hersteller vorbereitet. So wurden zum einen die Fertigungsprozesse und die Beschaffungslogistik im Stammwerk optimiert. „Moderne Sitzfertigung ist heute eine Materialschlacht, die es kostengünstig zu planen und zu steuern gilt“, so Kespohl, „damit die fertigen Produkte schnell und rechtzeitig beim Kunden sind.“  

Zum anderen hat der  Mittelständler sein Finanzpolster so vergrößert, dass er innerhalb eines Jahres ein bis zwei neue Werke bauen kann, wo immer der Kunde es will. „Sobald die Aufträge da sind, übertragen wir unser Fertigungs-Know-how in das neue Montagewerk“, erklärt Kraus.

Umsatzsprung sichert Stellen

Dies wird aber nicht zwangsläufig in Deutschland sein.  Immerhin produziert die Autoindustrie weltweit – ihre  Wachstumsmärkte sind in China, Indien und Russland. „Die Kunden erwarten Nähe und niedrige Fertigungsstundensätze von uns“, betont Kespohl. „An diesen Anforderungen der Globalisierung können wir nichts ändern.“

Der Umsatzsprung, den Recaro mit dem Einstieg ins Seriengeschäft machen wird, bringe nicht nur in den neuen Werken zusätzliche Arbeitsplätze. Er trage auch zur Sicherung der 400 Arbeitsplätze in Kirchheim bei.

Joachim Sigel

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