Investitionen

Raum für Visionen


Nadel-Spezialist Groz-Beckert hat mitten in der Krise ein Entwicklungszentrum gebaut

Albstadt. Ohne sie würde die Textilindustrie nicht funktionieren: die Nadel! Hersteller Groz-Beckert aus Albstadt-Ebingen beliefert damit seit mehr als 150 Jahren den Textilmaschinenbau und Hersteller von Textilien in aller Welt. Doch das Unternehmen und seine Mitarbeiter wollen mehr: Im neu eröffneten Technologie- und Entwicklungszentrum (TEZ) sollen „Zukunftsvisionen für die textile Wertschöpfungskette“ entstehen – und umgesetzt werden.

Den Stammsitz aufwerten

Das Bauwerk mit etwa 25.000 Quadratmetern Nutzfläche hat rund 70 Millionen Euro gekostet. Es beherbergt unter anderem Labors, das Ausbildungszentrum der Firma und einen modernen Maschinenpark rund ums Stricken, Wirken, Weben, Filzen, Tuften und Nähen.

Im TEZ will Groz-Beckert beispielsweise gemeinsam mit Kunden und Partnern neue Produkte und Verfahren der Textil-Herstellung entwickeln. Und sich engagieren, um Visionen wahr werden zu lassen: Kann man aus Textilien Autokarosserien bauen? Oder gar Lebensräume auf fremden Planeten?

Groz-Beckert, früher reiner Hersteller von Strick- und Wirkmaschinennadeln, hat sich stark gewandelt. Das Unternehmen entwickelt und produziert heute auch Maschinen-Komponenten, wie komplette Strickköpfe für Rundstrickmaschinen. Und ist damit sogenannter Systempartner der Textilindustrie und des Maschinenbaus.

Seinen Umsatz – im Vorjahr waren es knapp 400 Millionen Euro – macht das schwäbische Familienunternehmen zu mehr als 80 Prozent im Ausland. Dort hat es auch viele Beschäftigte: Weltweit sind es 6.300, davon arbeiten etwa 2.000 in Albstadt.

Firmenchef Thomas Lindner will mit der Großinvesti-tion gezielt auch den Stammsitz aufwerten: „In Albstadt ist die Seele des Unternehmens“, betont er. „Dort werden die weltweiten Standards gesetzt, die Groz-Beckert auch im Ausland zur Erfolgsmarke gemacht haben.“ In der Region sei noch immer ein großes Wissen über die Textilindustrie vorhanden. Hier legt Groz-Beckert auch besonderen Wert auf die Nachwuchsförderung, und bildet ständig fast 180 Lehrlinge aus.

„Wir wollen mit der Investition unsere Innovationsstärke weiter ausbauen und unsere Know-how-Potenziale noch besser nutzen“, so Lindner. Besonders hat er die wachsende Bedeutung der Technischen Textilien im Blick.

Entwicklung schlauer Techniken

Für intelligente Stoffe finden sich immer neue Anwendungen. Etwa im benachbarten Stadtteil Lautlingen: Dort wird eine schlanke Betonbrücke über die Straße gebaut. Im Inneren wird sie nicht von Stahl getragen, sondern von einem Textil-Gelege, das in Epoxidharz getränkt ist. Eine Technik, an deren Entwicklung Groz-Beckert maßgeblich beteiligt war.

 

Übrigens ...

Die Wirtschaft investiert wieder

D ie Investitionen der westdeutschen Industrie sind im vergangenen Jahr um ein Viertel zurückgegangen. Doch für dieses Jahr prognostiziert das Münchner Ifo-Institut einen leichten Anstieg um 4 Prozent. Seine Umfrage ergab: Die Firmen wollen vor allem Geld in die Erweiterung stecken.

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