Recycling

Ran an den Rohstoff


Heraeus holt wertvolle Metalle aus Industrieabfällen

Hanau. Sie stecken in Smartphones, Flachbildschirmen und Solarzellen – in unzähligen Anwendungen und Technologien. Ohne Edelmetalle geht in der Industrie nichts mehr. Doch sie werden immer knapper und teurer. Umso entscheidender ist es, Rohstoffe zu recyceln.

Fördermenge eines Jahres passt in jede Garage

Zu den kostbarsten Edelmetallen zählt Platin. Es ist seltener als Gold: „Die weltweit jährlich geförderte Menge passt bequem in eine Garage“, sagt Jan Schapp, Fertigungsleiter bei Heraeus in Hanau. Die Menge an Ruthenium – in der Chemie und Elektronik unverzichtbar – findet gar unter einem Schreibtisch Platz.

Der Technologie-Konzern ist Spezialist für Edelmetalle und Katalysatoren, Sensoren, Quarzglas, Medizin- und Dentalprodukte. Und: Er recycelt auf der Suche nach Edelmetallen im Jahr mehrere Tausend Tonnen Abfall aus der Pharma-, Erdöl- und Düngemittel-Industrie.

Die Rückgewinnungsquoten – hauptsächlich aus Industrie-Katalysatoren – liegen dank innovativer Prozesse je nach Material bei weit über 90 Prozent. Aus den recycelten Rohstoffen entstehen anschließend wieder neue Produkte. Das raffinierte Verfahren erfordert sehr viel Know-how: Die in Fässern angelieferten gebrauchten Katalysator-Materialien gleichen einer schwarzen, schlammigen Masse. Die ist mit Wasser versetzt und unter anderem mit Lösemitteln stark verunreinigt.

Zunächst stellen die Experten fest, wie viel Edelmetall der Abfall hergibt. Und entnehmen eine Probe. „Ein spezieller Absorber bindet die Flüssigkeiten in Sekundenschnelle ab“, erklärt Chemikant Tim S.

Er überwacht die Mischanlagen, in denen sich die Masse zu einem gleichmäßigen Pulver formt. Ein Auszug davon landet kurz darauf im Labor.

Jetzt kann das eigentliche Recycling beginnen. Es ist ein komplizierter Prozess, bei dem der Abfall eine thermische Behandlung durchläuft: Die gebrauchten Katalysatoren, zum Beispiel auf Kohlenstoffbasis, werden abgebrannt.

Der „Schatz“ steckt in der Asche

Die Rauchgase werden durch ein riesiges Rohrsystem geleitet und bei mehr als 1.000 Grad Celsius von Schadstoffen gereinigt.

Übrig bleibt mit Edelmetall angereicherte Asche, die in mehreren Schritten nochmals aufbereitet wird. Die Methode ist gefragt: Noch dieses Jahr will Heraeus seine Kapazitäten ausbauen.

Mithilfe einer anderen Technologie lassen sich sogar aus Flüssigkeiten geringste und extrem fein verteilte Mengen wertvoller Rohstoffe zurückgewinnen. Das Verfahren funktioniert wie ein chemischer Magnet und nützt besonders der Pharma-Industrie. Nach der Aufbereitung liegt reines Edelmetall vor.

Gebrauchen statt verbrauchen

Übrigens: Was hier so aufwendig klingt, spart am Ende viel Energie und schont somit die Umwelt. Normalerweise holen Bergleute die Rohstoffe aus großer Tiefe. Dabei finden sich jedoch nur etwa sechs Gramm Edelmetall in einer Tonne Gestein. Holt man die gleiche Menge – zum Beispiel Platin – aus Abfällen, ist der Energieverbrauch bis zu 100-mal niedriger.

Auch die Forschung setzt auf Recycling. Eine neue Projektgruppe des Fraunhofer-Instituts eröffnet 2012 ihren ersten Standort in Hessen im Industriepark Hanau-Wolfgang. Gezielte Strategien sollen die Recyclingquote in Deutschland erhöhen. „Wir müssen Ressourcen gebrauchen statt verbrauchen“, betont der Leiter Gerhard Sextl.

 

 

 

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang