Auto-Zulieferer

Qualität geht alle an


„Wir müssen zu den Besten gehören“: Wie Pirelli seine Belegschaft auf Exzellenz einschwört

Höchst. „Dieser Reifen ist für die Hinterachse eines Porsche 911“, sagt Demir Ersoy (43), ein Facharbeiter in der Produktion von Pirelli in Höchst im Odenwald. Er kontrolliert den Reifen und scannt einen Strichcode-Aufkleber auf der Außenwand ein. Der unscheinbare Aufkleber ist ein wichtiges Signal: Hier zählt Qualität alles!

Der Strichcode bildet zahlreiche Details ab: Materialien, Halbzeuge, Aufbau, Heizung, Messergebnisse – alles ist im Computer gespeichert.

„Unsere Kunden verlangen, dass wir während der Produktion des Reifens jeden einzelnen Prozess-Schritt zurückverfolgen können“, erklärt Sven Beck. Er leitet hier das Projekt „Qualität von Anfang an“.

Es kommt auf jeden Einzelnen an

Das Projekt beinhaltet eine lange Liste von Maßnahmen, mit denen Pirelli das Quali­tätsbewusst­sein der Mitarbeiter steigert. Beck: „Wir ge­hören zu den teuersten Standorten im Pirelli-Konzern – also müssen wir auch zu den besten gehören.“

Lamborghini, Porsche, BMW, Mercedes – die namhaftesten Autohersteller bekommen Reifen aus dem Odenwald. Und sie legen die Messlatte immer höher. Deshalb beschäftigt sich bei Pirelli seit 2008 das Team „Qualität von Anfang an“ verstärkt damit, um innerhalb der Belegschaft kontinuierlich das Qualitätsbewusstsein zu schärfen. Ihr Ziel: Alle Mitarbeiter sollen im Alltag ihren Teil beitragen.

„Jeder muss wissen, dass es auch auf ihn ankommt, damit unsere Kunden sich für unsere Reifen entscheiden“, stellt Stephan Wallor, Leiter eines Fertigungsbereiches, klar. Wirklich jeder – vom Auszubildenden bis zur Geschäftsleitung.

Immer wieder trifft man auf entsprechende Plakate, Qualitätstafeln, „Qualitätsspiegel“. Auch auf Schulungen wird dieses Thema trainiert.

Kürzlich lud Pirelli weltweit die gesamte Belegschaft zur „Quality-Week“: Eine Woche lang ging es, in eigens dafür auf dem Werkgelände errichteten Zelten, um neueste Produkte und Produktionsmittel, aber auch um Verschwendung und Reklamationen. Gut 1.000 der rund 2.000 Produktionsmitarbeiter waren dabei.

So machten Schautafeln und Fotos klar, wie groß der Abfall an Rohstoffen ist. „Was für jeden Einzelnen täglich relativ wenig ist, häuft sich schon nach kurzer Zeit für alle zusammen zu einem großen Berg an“, sagt Beck. Und: Vielen Mitarbeitern war neu, worüber genau sich die Kunden beschweren. Das Qualitätsteam organisierte Fahrten zu Kunden und Lieferanten. Und zeigte auf der Teststrecke, was ein Reifen leisten muss.

Vorschlagswesen auf Rekordniveau

Diese Offenheit führt nach Becks Worten zu einem stärkeren Wir-Gefühl in der Pirelli-Belegschaft. Der Erfolg der Maßnahmen, der regelmäßig in der Werkzeitung dargestellt wird, drückt sich auch im Betrieblichen Vorschlagswesen aus: Letztes Jahr ging die Rekordzahl von 1536 Verbesserungsvorschlägen ein, aus denen über 4 Millionen Euro an Einsparungen hervorgingen – so viel wie nie.

Auch die Mitarbeiter profitieren davon. Das Unternehmen zahlte ihnen für das Engagement Prämien von 20 bis zu 14.000 Euro.

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