Schutz vor dem Absturz

Psyche: Was Kautschuk-Betriebe tun, damit Mitarbeiter nicht mental in ein Loch fallen

Hannover. Für körperliche Gefahren gibt es Warnschilder im Betrieb – aber wie schützt man die psychische Gesundheit? Sind die Arbeitsinhalte abwechslungsreich? Gibt es Zeitdruck? Belästigungen? Beim Autozulieferer Stüken in Rinteln (Niedersachsen) ist man kreativ, um das rauszufinden.

„Es gibt nun einmal kein Messgerät für psychische Belastungen“, berichtete jetzt Peter Mrasek, Fachkraft für Arbeitssicherheit, auf einer Veranstaltung des Kautschuk-Arbeitgeberverbands ADK zum Thema „Gefährdungsbeurteilung“.

Oft sind es praktische Probleme – wie der fehlende Kita-Platz

Gemeinsam mit einer studentischen Hilfskraft hat Mrasek kleine Gruppen organisiert, in denen die Mitarbeiter freiwillig ausführlich Auskunft geben – anhand eines Fragebogens der Berufsgenossenschaft und eines in Abstimmung mit Betriebsrat und Geschäftsführung erstellten Zusatzfragebogens. Die Ergebnisse werden in Workshops diskutiert, Maßnahmen erarbeitet. Zwischenfazit: Das Betriebsklima ist gut, die „Work-Life-Balance“ stimmt.

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet alle Betriebe, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Psychische Belastungsfaktoren sind neuerdings zu berücksichtigen. Klar ist: Arbeit wirkt grundsätzlich positiv auf die psychische Gesundheit. Ursachen für psychische Erkrankungen sind vielfältig. Nicht nur im Job, auch im Privatleben lauern Gefahren. Gerade im mittleren Erwachsenenalter, wenn oft in kurzer Zeit Berufsstart, Heirat, Kinderkriegen, Hausbau und Karriere anstehen.

„Der Generalverdacht, die Arbeitsbedingungen würden die Beschäftigten immer kränker machen, ist unangebracht“, meinte Udo Knak, Personalleiter der Albis Plastic GmbH in Hamburg, auf der Veranstaltung des Arbeitgeberverbands. Das Unternehmen vermarktet und veredelt thermoplastische Kunststoffe.

Knak beobachtet, dass in seiner Belegschaft die psychischen Erkrankungen zunehmen. Zugleich steigt die Zahl der Gehaltspfändungen von Mitarbeitern. „Es wäre zu einfach, die Ursache einseitig im Arbeitsprozess zu sehen.“ Albis nimmt die Steigerungszahlen sehr ernst und arbeitet eng mit dem Beratungsunternehmen „pme Familienservice“ zusammen.

Die 480 Albis-Mitarbeiter am Standort Hamburg können etwa unentgeltlich Schuldner- oder Sozialberatungen in Anspruch nehmen oder zu Fragen der Elternpflege Rat einholen. Personalleiter Knak: „Ganz häufig haben die Mitarbeiter zum Beispiel Probleme, Kita-Plätze zu finden.“

Beim Kautschuk-Hersteller Poppe am Standort Ahrensbök (Schleswig-Holstein) beobachtet Kai-Uwe Scholz, Fachkraft für Arbeitssicherheit, dass die dortigen Mitarbeiter die umfangreichen Maßnahmen für den Gesundheitsschutz anerkennen. Er sagte auf der ADK-Veranstaltung: „So ein Termin wie dieser zeigt doch, dass die Firmen da keineswegs schlafen, sondern mit den Betriebsräten ständig nach Verbesserungen suchen.“


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