Ungewöhnliche Aktion in Nordhessen

Projekt „WerkKunstWerk“ bringt Kultur in die Betriebe

Marburg/Kassel. „Einfach unverkennbar, das bin ich!“ Gerhard Kalkbrenner hat sichtlich Spaß an dem Porträt, das die beiden Schweizer Aktionskünstler Christine Bänninger und Peti Wiskemann von ihm gemeinsam angefertigt haben. Für Kalkbrenner war es die erste Begegnung mit Kunst. „Das war was Neues, aber es hat mir und den Kollegen einen Riesenspaß gemacht“, erzählt der Produktionsmitarbeiter der Hessischen Schraubenfabrik Welter (HSF) in Marburg.

Eine Woche lang waren Bänninger und Wiskemann in der Fabrik, tauchten in die ihnen fremde Welt der Industrie ein. In roten Jacken waren sie mit ihrer Aktion gut sichtbar. Im Rhythmus der Maschinen fertigten sie am laufenden Band 120 Bilder in der Produktion, acht Stunden am Tag, und zwar alle 15 Minuten im Wechsel.

Ihre Arbeit „Transaktion“ ist eines von 14 Werken, die anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des Arbeitgeberverbands der Metall- und Elektro-Industrie Nordhessen in 14 Mitgliedsunternehmen geschaffen wurden. „WerkKunstWerk“ heißt das Projekt. Zwei Jahre Vorbereitungszeit waren nötig.

„Die Idee, Künstler mit industrieller Produktion zu konfrontieren und sie für eine kreative Auseinandersetzung zu interessieren, war ein Experiment mit offenem Ausgang“, erläutert der Verbandsvorsitzende Carsten Rahier. Er hatte für den Schweizer Objektkünstler Heini Gut sein Unternehmen Sera Group in Immenhausen geöffnet: Die Spezialisten für die Dosierung und Förderung von Flüssigkeiten und Gasen inspirierten den Künstler zu einer Schrift-Skulptur – die das schier endlose Filtern und Dosieren aufgreift, für das die Sera-Produkte stehen.

Bei Hübschmann Aufzüge in Korbach halfen die Mitarbeiter dem Niederländer Arno Arts ebenfalls, eine Skulptur zu schaffen. Begeistert von den technischen Möglichkeiten des Unternehmens, kreierte er ein Edelstahlgehäuse mit buntem Plexiglaszylinder.

Mit Stahl kann man hocheffiziente Wärmetauscher bauen. Und Klänge erzeugen, Menschen begeistern

Der Engländer Rod Summers gestaltete bei der RMG Regel- und Messtechnik in Kassel das Kunstwerk „WARM“. Die RMG sorgt mit ihrer Kompetenz in der Regelung und Messung von Gas entlang der gesamten Gasversorgungskette auch für Wärme. Die vier Buchstaben trieb Summers in eine große Kupferplatte – in Wabenform. Der Grund: RMG gehört zum Honeywell-Konzern, das erinnerte ihn an eine „Honigquelle“. Zudem faszinierten Summers „die bienenfleißigen Mitarbeiter“.

Bei der Umsetzung unterstützten ihn Hartmut Letzing, Leiter der mechanischen Fertigung bei RMG, und sein Team. Sie sorgten etwa dafür, dass die Kupferplatte beheizt wird. „Wir können Technik“, so Letzing – „aber Rod hat uns den Blick eröffnet für die Ästhetik von Teilen, die im Licht schimmern, wo wir sonst nur Schüttgut sehen.“

Vor ganz andere Herausforderungen stellte Phil Dadson aus Neuseeland die Mitarbeiter von Schmidtsche Schack Arvos in Kassel mit dem Projekt „Heavy Metal“. Bei dem Hersteller von Wärmeübertragungskomponenten verwandelte der Künstler die Arbeitswelt vorübergehend in eine große Percussion-Spielwiese: An der Werkbank stimmte er sein Ensemble durch gemeinsames Klatschen auf den richtigen Rhythmus ein. Danach nutzten die Mitarbeiter diverse Objekte aus der Produktion als Instrumente, um sich als Schlagzeuger zu versuchen.

Geschäftsführer Karsten Stückrath: „Wir bauen aus Stahl hocheffiziente Wärmetauschersysteme. Und nun hat uns Phil Dadson gezeigt, wie man mit Stahl Klänge erzeugen und Menschen begeistern kann.“

Mehr zu den Werken finden Sie im Internet:
arbeitgeber-nordhessen.de


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