Starke Klebstoffe

Produkte aus Pirmasens fixieren Lkws und Kreuzfahrtschiffe


Pirmasens. Axel Müller streicht im Labor die hellgraue Masse auf eine große Holzplatte und verteilt sie mit ruhiger Hand. „Solche Platten werden in Lkws verbaut“, erklärt er. „Und wir können einstellen, ob die Masse in Sekunden oder erst nach mehreren Stunden aushärtet.“ Je nach gewünschter Eigenschaft kombiniert er die Komponenten, die Liste der Möglichkeiten ist lang: Seine Firma führt ungefähr 1.600 Produkte.

Müller ist Entwickler bei Kömmerling Chemische Fabrik. Das Unternehmen beschäftigt in Pirmasens rund 320 Mitarbeiter, liefert von dort Kleb- und Dichtstoffe an Industriekunden weltweit. Bis zu 50.000 Tonnen verlassen im Jahr das Werk. Sie kommen unter anderem in der Glas-, Bau- und Fahrzeug-Industrie zum Einsatz.

200 Kilo in einem Transport-Auflieger

Klebstoffe halten fast alles zusammen, seien es Fensterscheiben, Wohn- oder Lastwagen, Jachten oder Kreuzfahrtschiffe. Knut Göke, der Produktmanager des Unternehmens, verdeutlicht das an einem Beispiel: „In einem Kühltransporter werden allein im Auflieger mehr als 200 Kilogramm davon verarbeitet.“ Das Material befestigt Wände, Böden, die Schutzleisten und Eckverbindungen; im Fahrerhaus kommt es an Türen, Armaturen und Textilverkleidungen zum Einsatz.

Der Chemiker Göke weiß: „Härtet der Kleber schnell aus, steigert das die Produktivität.“ Dank dieses Know-hows kann die Fahrzeug-Industrie heute etwa zehnmal so viele Transport-Auflieger am Tag fertigen wie früher.

Bei den Kleb- und Dichtstoffen, die hier im Sekundentakt maschinell in Fässer und Kartuschen gepresst werden, handelt es sich um wahre Hightech-Produkte. Wenn sie zum Beispiel im Straßenverkehr oder auf dem Meer zum Einsatz kommen, müssen sie über Jahre hinweg Wind und Wetter trotzen. Salzwasser, Temperaturschwankungen, starke Vibrationen oder Stöße – all das führt im Alltag zu extremen Belastungen. Die Kraft, die auf solche Klebeflächen einwirkt, kann je im Einzelfall mehrere Tonnen betragen.

Wie man es schafft, dass Klebstoffe so etwas aushalten? Sie bestehen aus zwei Bausteinen und sind chemisch reaktiv. Die Basis bilden synthetische Kunststoffe (Polymere) wie zum Beispiel Polyurethane. Deren Bestandteile, so erklärt Produktmanager Göke, vernetzen sich zu mehrdimensionalen Molekülketten. Das macht sie besonders widerstandsfähig. „Erst wenn Polymer und Härter aufeinandertreffen, reagieren sie, und der Stoff klebt.“

Besser als Schrauben und Nieten

Füllstoffe bestimmen die Festigkeit der Masse. Weitere Zusätze verhindern unter anderem die Alterung des Materials und schützen vor UV-Strahlen.

Klebstoffe sind Schrauben und Nieten überlegen, sagt Göke. Sie dämmen Lärm, sparen Gewicht und schützen vor Korrosion. Kräfte wirken auf geschraubte Teile punktuell – das zerrt am Material. „Klebstoffe hingegen verteilen die Last gleichmäßig.“ Das verhindert Risse und Brüche.

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