Schlaue Riesen

Pressen von Schuler können sich fast von allein ganz präzise einstellen

Pressen von Schuler aus Göppingen können 650 Tonnen wiegen und müssen millimetergenau arbeiten. Um sie sicher einzustellen, hat Schuler jetzt ein spezielles System entwickelt. Wie das funktioniert, lesen Sie hier.

Hightech: Mit wenigen Touchscreen-Befehlen wird die Presse konfiguriert. Foto: Stoppel

Hightech: Mit wenigen Touchscreen-Befehlen wird die Presse konfiguriert. Foto: Stoppel

Presse in Aktion: Aus diesem Blechband werden Autoteile produziert. Foto: Stoppel

Presse in Aktion: Aus diesem Blechband werden Autoteile produziert. Foto: Stoppel

Einfach erklärt: Das System schickt ein Video aufs Tablet. Foto: Stoppel

Einfach erklärt: Das System schickt ein Video aufs Tablet. Foto: Stoppel

Göppingen. So viel Wucht und so präzise: Die riesigen Pressen, die Schuler in Göppingen baut, bringen bis zu 650 Tonnen auf die Waage. Allein der Stößel, der sich auf das Blech senkt, kann 90 Tonnen wiegen. Geformt werden damit Bleche, die oft gerade mal ein bis zwei Millimeter dick sind.

Damit die Presse ganz genau schneidet, formt und stanzt, braucht es eine ausgeklügelte Technik. Und ausgebildete Facharbeiter, die aus der Anlage das Beste herausholen: Für sie hat Schuler eine Art „Einparkhilfe“ entwickelt, wie Michael Werbs sagt. Er ist beim Schuler-Konzern für das Technologie-Management verantwortlich. Der neue Assistent macht den Riesen schlauer. Konkret bedeutet das: Die Presse kann sich mit ein wenig Unterstützung selbst einstellen.

Wenn eine Anlage beim Kunden ankommt, muss sie dort für die jeweiligen Bauteile eingerichtet werden. Häufig laufen im Inneren der Presse sechs oder mehr Bearbeitungsschritte ab. Das macht die Sache knifflig; man braucht hier Fingerspitzengefühl. „Bis alles läuft, steht die Presse tagelang still“, erklärt Werbs. „Das kostet Geld.“

Mit dem neuen „Smart Assist“ klappt es schon in wenigen Stunden. Werbs führt es an seinem Tablet-Computer vor: Der Anwender tippt ein, welches Material bearbeitet wird, und fährt nun mit dem Stößel und dem Teiletransfer als Eckwerte die kritischen Punkte an, bei denen es zu einer Kollision kommen könnte. Schritt für Schritt führt der elektronische Assistent mithilfe von Videos und Grafiken durch den ganzen Vorgang. Den Rest macht der Rechner.

„Damit geht nicht nur das Einrichten der Maschine viel schneller. Auch der ganze Herstellungsprozess wird optimiert“, so Werbs. Bedeutet: mehr und präzisere Teile in kürzerer Zeit. Für die Käufer solcher Pressen, häufig mittelständische Zulieferer für die Automobilproduktion, ist das entscheidend.

2.700 Mitarbeiter in Baden-Württemberg

„Smart Press Shop“ nennt Schuler solche Lösungen zur Digitalisierung. Große Pressenlinien werden schon heute komplett digital gesteuert. In ihnen sind rund 30 Industrie-PCs miteinander vernetzt.

Der Weltmarktführer für Umformtechnik produziert außer am Stammsitz in Göppingen an drei weiteren Standorten in Deutschland Pressen und Pressenteile. Rund 2.700 Mitarbeiter hat der Konzern in Baden-Württemberg, weltweit sind es 6.600.

Werbs zeigt auf sein Smartphone: Wenn es mal Probleme mit einer Presse gibt, dann hilft die neue Service-App. Damit kann sich der Kunde blitzschnell mit dem Serviceteam von Schuler verbinden oder ein Bauteil bestellen. So werden die riesigen Kraftmaschinen immer schlauer.


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