Heiß auf den Männer-Job

Premiere in der Luitpoldhütte: Eine Auszubildende will Gießereimechanikerin werden


Ganz nah dran: Andrea Lehmeier arbeitet mit rund 1.400 Grad Celsius heißem Eisen. Foto: Karmann

Amberg. Ihr Arbeitsplatz ist eine Männerwelt. Keine Frau weiß das so gut wie Andrea Lehmeier (17). Die Auszubildende der Luitpoldhütte in Amberg ist in der Regel das einzige weibliche Wesen in der Fertigungshalle der Gießerei.

Die junge Frau ist im zweiten Lehrjahr und lässt sich zur Gießereimechanikerin ausbilden. In der schon 130 Jahre langen Geschichte der Luitpoldhütte ist das eine Premiere. Lehmeier steht dafür am Ofen ihre Frau, arbeitet mit rund 1.400 Grad Celsius heißem Eisen und lernt wie alle anderen Drehen, Fräsen und Schweißen.

„Ich kann hier mit den Händen arbeiten und richtig hinlangen“, sagt sie. Das Praktikum in einer Arztpraxis sei weitaus weniger spannend gewesen. Da nimmt sie gerne in Kauf, dass es in der Gießerei lauter, heißer und staubiger zugeht.

Kontakt zur Luitpoldhütte hat Lehmeier seit ihrer Kindheit. Ihr Vater arbeitet dort. Und der nahm sie auch im Alter von zwölf an einem Tag der offenen Tür zum ersten Mal mit an den Ofen. Gegen Ende der Schulzeit machte sie noch zwei Praktika, die für die Entscheidung zur Ausbildung den Ausschlag gaben.

Als einzige Frau ist sie ständig unter kritischer Beobachtung ihrer Kollegen

Heute hat Lehmeier meist automatisch einen Sonderstatus inne. In der Berufsschule sitzt sie unter 30 Azubis als einzige Frau. Und auch in der Gießerei ist sie ständig unter kritischer Beobachtung. „Jeder schaut bei mir ganz genau hin“, sagt sie.

Dabei sucht niemand gezielt Fehler. Die männlichen Kollegen sind bloß ein wenig verunsichert – und motiviert. „Keiner will eine schlechtere Leistung als eine Frau abliefern“, sagt Ausbildungsleiter Josef Gadomski. Lehmeier hingegen reizt der Vergleich mit Männern.

Dank ihr ist das Betriebsklima spürbar besser geworden. „Der Umgangston ist freundlicher“, sagt Gadomski. Sogar unter sich gingen Männer nun anders miteinander um. „Allein deshalb sollte jedes Unternehmen ein Interesse daran haben, Frauen zu beschäftigen“, sagt der Ausbildungsleiter. Und auch wenn er seine Jüngste fachlich sehr schätzt – bei ihm hat sie keine Sonderstellung: „Ich behandle sie so wie jeden anderen.“

Lehmeier erwartet genau das von ihrem Chef und allen anderen Kollegen – sie will keine besondere Rücksichtnahme, nur weil sie eine Frau ist. „Nur dann weiß ich, dass ein Lob auch wirklich was zählt“, sagt sie.

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Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich habe ein Praktikum in der Luitpoldhütte gemacht und danach die ganze Gießerei ausführlich besichtigt. Von da an war mir klar, dass ich hier arbeiten möchte.

Was reizt Sie am meisten?

Ich arbeite gern mit den Elementen – in der Kern- und Formherstellung mit Sand, beim Gießen mit flüssigem Eisen.

Worauf kommt es an?

Man muss körperlich fit sein – und zum Beispiel für den Bau von Formen ein sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen haben.

Unternehmen in diesem Artikel

Luitpldhütte

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Luitpldhütte
Sulzbacher Straße 121
92224 Amberg

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